Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umfrage zeigt: Junge Disko-Besucher schätzen die sichere und preiswerte Fahrt durch die Nacht

09.10.2000


In einem groß angelegten Projekt verfolgen Wissenschaftler der Universität Essen die Wege, auf denen sich Jugendliche und junge Erwachsene in den Wochenend-Nächten bewegen. Ziel ist es, diese Wege sicherer zu machen. Denn der Anteil der 15- bis 24-jährigen an der Gesamtbevölkerung beträgt gerade 11 v. H., in der Gruppe der bei Unfällen im Straßenverkehr Getöteten aber stellt die selbe Altersgruppe 26 v. H., und die meisten jungen Leute verunglücken in den Nächten von freitags auf samstags und von samstags auf sonntags. Es sind die Opfer von Freizeit-Ausflügen zu Kneipen und Diskotheken, und häufig spielen Alkohol- und Drogen-Konsum dabei eine Rolle.

Das Projekt "Nächtliche Freizeitmobilität junger Erwachsener in Ballungsräumen - Möglichkeiten zur Erhöhung der ÖPNV-Nutzung auf Disko-Wegen" oder - ganz kurz -"MoDis" hat Mitarbeiter des Instituts für Verkehrswesen und Verkehrsbau sowie der Fächer Erziehungswissenschaft/Verkehrspädagogik und Kommunikationsdesign/Film, Audiovisuelle Kommunikation der Uni Essen in den vergangenen Wochen vor die Türen von zwanzig Diskotheken und von zahlreichen Schulen im westlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein geführt. 4 800 Fragebögen wurden an Schüler zwischen 15 und 20 Jahren sowie an die Besucher der Diskotheken verteilt.

Wer setzt sich für die Fahrt dorthin in ein öffentliches Nahverkehrsmittel, wer bevorzugt ein privates, meist motorisiertes Fahrzeug, und warum wird die An- und Abreise mit dem eigenen Auto der sicheren Straßenbahn vorgezogen? Was müssten die Nahverkehrsunternehmen tun, um für junge Menschen bei ihren nächtlichen Tourneen durch die Kneipen- und Disko-Landschaft attraktiv zu werden?" wollten die Interviewer wissen. Nach Auswertung der Fragebögen hoffen sie, inZusammenarbeit mit den Nahverkehrsunternehmen ein an den Ansprüchen der jungen Erwachsenen ausgerichtetes Konzept für den nächtlichen Betrieb der Busse und Bahnen entwickeln und auch realisieren zu können.

Die Verkehrsplaner vor allem interessieren sich für Wege, die die jungen Erwachsenen einschlagen. Es sind, so zeigte sich bei der Auswertung der Fragebögen, oft lange und verschlungene Wege. "Es ist durchaus üblich, dass jemand in Velbert wohnt, in Essen-Überruhr in eine Kneipe einkehrt und dann nach Oberhausen fährt, um eine Disko zu besuchen", beschreibt im Fachbereich Bauwesen der Uni Essen Diplom-Ingenieurin Sandra Rode eine solche Tour. Ein anderes Ergebnis: Zu einer Großraum-Disko in Dortmund kommen 75 v. H. der Gäste mit dem meist voll besetzten Pkw, zu einem kleinen Betrieb in Gelsenkirchen gerade 45 v. H., während 35 v. H. öffentliche Verkehrsmittel nutzen und 10 v. H. sogar den Fußmarsch in Kauf nehmen.

Eindeutig reicht das bestehende Angebot der Nahverkehrsunternehmen nicht aus, die jungen Erwachsenen vom Motorrad oder aus dem Auto zu locken. 30 v. H. sind mit dem nächtlichen Fahrplan-Angebot sehr unzufrieden, für weitere 41 v. H. bleiben noch viele Wünsche offen, und nur die restlichen 29 v. H. sind zufrieden mit dem, was sie derzeit bekommen können.

Welche Ansprüche stellen die jungen Leute? Sie wollen sich auf das gewählte Verkehrsmittel verlassen können, wollen die Möglichkeit haben zu fahren, wann es ihnen passt, wollen stressfrei und vor allem kostengünstig fahren. Das Unfallrisiko soll gering sein, auch das Risiko, Opfer von Belästigungen zu werden. Darüber hinaus darf der Spaß nicht zu kurz kommen. Das Fahrzeug als Statussymbol, die Möglichkeit zum Alkoholkonsum auch während der Fahrt oder eine hohe Geschwindigkeit interessieren hingegen nicht. Erste Wünsche an die Verkehrsunternehmen: Bessere Verbindungen, eine dichtere Folge der Busse und Bahnen, kurze Wege bis zu den Haltestellen und niedrige Fahrpreise.

Was würden die Disko-Touristen für ein Ticket zahlen, das zwischen 21 Uhr und 6 Uhr gilt? 20 v. H. würden bis zu drei, knapp 50 v. H. bis zu fünf und mehr als 20 v. H. bis zu zehn Mark ausgeben. Hier hoffen die"MoDis"- Mitarbeiter auf die Einsicht und Mit-Zahlungsbereitschaft - Stichwort: Kombi-Ticket - der Disko-Betreiber.

Auf zwei Jahre ist das vom NRW-Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung geförderte Projekt angelegt. Nach Auswertung der Fragebögen entwickeln die Beteiligten an der Universität jetzt Vorschläge für ein besseres Angebot durch den öffentlichen Nahverkehr entwickelt. Es wird voraus-sichtlich ein Kompromiss zwischen den Ansprüchen der Jugendlichen und der Finanzierbarkeit sein.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83-20 85


Weitere Informationen: Sandra Rohde, Telefon (02 01) 1 83-36 03

Monika Roegge | idw

Weitere Berichte zu: Diskothek Kneipe Nahverkehrsunternehmen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE