Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europamarkt für Müllheizkraftwerke

29.01.2003


Die Abfallverwertungsindustrie sieht sich einer wachsenden Opposition konfrontiert, nämlich einerseits den Umweltschutzgruppen und andererseits den sogenannten NIMBYs – also Aktivisten, deren Wahlspruch ’Not In My Back Yard’ (’Nicht in meinem Hinterhof’) lautet. Sie wenden sich gegen den Aufbau und die Entwicklung von großen Abfallverwertungsanlagen – und zwar besonders gegen Einrichtungen, die Abfälle durch Wärmeeinwirkung verarbeiten. Neben den Bedenken bezüglich Emissionen und der Freisetzung von Ascheteilchen behaupten die Kritiker, dass thermische Abfallverwertung den Anreiz bremst, Materialien in den Recyclingprozess rückzuführen. Denn, so ihre Argumentation, die Müllheizkraftwerke müssen den Durchsatz an gewerblichen und industriellen Abfällen hochhalten, um so ihre Existenz zu begründen. Das NIMBY-Syndrom tritt besonders in Ländern zu Tage, die sehr umweltbewusst sind oder eine schlecht entwickelte Müllverwertungs- bzw. Müllentsorgungsstrategie haben. Das hohe Maß des fortdauernden Widerstandes verzögert den Bau neuer Müllverwertungsanlagen.



Trotz dieses Protestes wird das Wachstum auf dem Europamarkt für Müllheizkraftwerke in den nächsten zehn Jahren einen Aufschwung erfahren. Eine neue Studie der internationalen Unternehmensberatung Frost & Sullivan (www.power.frost.com) belegt, dass eine Reihe europäischer Staaten das Müllheizkraftwerk-Modell favorisieren. Denn schließlich haben annähernd 340 Kraftwerke im Jahr 2002 ein jährliches Gesamtaufkommen von 50 Millionen Tonnen kommunale Abfälle verarbeitet.



Hohes Wachstum und fortschreitende Produktdiversifikation erwartet

"Jeder Haushalt produziert jährlich etwa eine Tonne Abfall und nach unserer Einschätzungen brauchen wir bis 2020 doppelt so viele Müllheizkraftwerke, um diese Abfälle verwerten zu können", sagt Matthew Barker, Industry Analyst bei Frost & Sullivan. "Das Verbot, Deponien in Naturräumen einzurichten, zielt auf die Erhöhung der Recyclingquoten und findet seinen Niederschlag in der Verabschiedung der EU-Richtlinie für Deponien. Gleichzeitig wird diese Anordnung für mehr Wachstum auf dem europäischen Markt für Müllheizkraftwerke sorgen. Wir gehen davon aus, dass zwischen 2003 und 2009 europaweit der Bau von 166 Anlagen in Auftrag geht, wodurch der Europamarkt einen Gesamtumsatz von 2,1 Milliarden US-Dollar in diesem Zeitraum erreichen wird", merkt Barker an.

Der Markt ist derzeitig von Gitterrost-, respektive Massenverbrennungsanlagen beherrscht. Man geht allerdings davon aus, dass durch das robuste Marktwachstum eine Diversifikation der Anlagenmodelle und Anlagengrößen stattfinden wird. Dieses Wachstum gründet in der fortschreitenden Marktentwicklung für Wirbelschicht-Kraftwerke und im entstehenden Markt für Kraftwerke, die Pyrolyse und Vergasungsverfahren einsetzen.

ochentwickelte Märkte und fehlender politische Wille bremsen die Entwicklung

Eine strenge Auslegung des Abfallhierarchieprinzips, d.h. Müllvermeidung anstatt Deponierung, indem Materialien möglichst wiederverwendet oder wiederverwertet werden, bildet eine günstige Ausgangslage für Müllheizkraftwerke, in denen ja eine thermische Verwertung erfolgt. Weiterhin eröffnen die anspruchsvoller werdenden europäischen und nationalen Normen der Abfallplanungspolitik neue Entwicklungswege auf dem Markt. Frost & Sullivan sieht allerdings im mangelnden politischen Willen einen ernst zu nehmenden Hemmschuh auf dem Weg in Richtung Müllheizkraftwerke. Während auf EU-Ebene Richtlinien verabschiedet wurden, damit der Recyclingprozess für Verpackungsmaterialien verbessert, die Umweltschädlichkeit von Müllverbrennungsanlagen begrenzt und die Belastung durch Mülldeponien reduziert werden, ist die tatsächliche Problemlösung auf nationaler Ebene diskussionswürdig.

In reiferen Märkten wie der Alpenregion und Deutschland wurde bis dato Pionierarbeit geleistet, um neue Methoden zur Abfallverarbeitung und -entsorgung (beispielsweise thermische und biologische Aufbereitung) zu implementieren. Hier erwartet Frost & Sullivan in der nahen Zukunft eher geringen Umsatz und Gefahren für das gesamteuropäische Preisniveau.

Umweltbewusstsein wird zum positiven Kaufkriterium

Kaufinteressenten, wie beispielsweise Abfallwiederaufbereitungsfirmen oder kommunale Verwaltungen, kommen zusehends unter Druck, ihre ökologische Glaubwürdigkeit zu dokumentieren und zu kommunizieren. Die Verantwortlichen für Kauf oder Spezifizierung nehmen bei den Kaufverhandlungen eine zunehmend umweltverantwortliche Position ein. Einen Kraftwerksanbieter mit positivem Marktansehen und umweltfreundlichem Leumund auszuwählen wird daher helfen, das möglicherweise angeschlagene Image der Kaufinteressenten wiederherzustellen. Hinzu kommt die Tatsche, dass die Hersteller von Kraftwerken mehr und mehr in den Betrieb und das Management von Anlagen involviert sind und entsprechend weitergehende Verantwortung tragen. "Diese Überlegungen könnten Unternehmen dazu bewegen, mehr als die Minimalkosten für die Abfallbehandlung zu zahlen, vorausgesetzt sie bekommen eine zuverlässige Technologie mit einem glaubwürdigen Markennamen", erklärt Barker. PR-Maßnahmen sollten Bewusstsein und Akzeptanz unter den verschiedenen Interessenvertretern (z.B. örtliche Einwohnerschaft, Magistrat und Bürgerversammlung) bilden und Fehlvorstellungen aus der Welt schaffen.

Interkulturelle Kompetenz ist gefragt: Integration lokaler Besonderheiten schafft unternehmerische Vorteile

Eine tief verwurzelte Werteskala, die durch eine überwältigende Affinität zu ortsansässigen Unternehmen gekennzeichnet ist, und die Ansicht, dass nur diese Unternehmen das beste Dienstleistungsniveau anbieten können, sind zentrale Hürden für internationale Unternehmen, die sich einen Marktzugang auf neuen Märkten verschaffen wollen. Die Auffassungen zu diesen kulturbedingten Sichtweisen sind sehr landesspezifisch und treten vor allem in Frankreich, Deutschland und der Alpenregion zu Tage. Diese Umstände stellen jedes Unternehmen, das sich zu einem wichtigen Akteur auf dem gesamten Europamarkt entwickeln möchte, vor große Schwierigkeiten. Die Analysten von Frost & Sullivan betonen, dass es sehr wichtig ist, den lokalen Markt zu verstehen und entsprechend seiner Bedürfnisse und Eigenheiten zu agieren, um interkulturelle Schwierigkeiten zu überwinden.

Im Club der 40 ist CNIM/Martin der Champion

Die Wettbewerbslandschaft auf dem europäischen Markt für Müllheizkraftwerke umfasst derzeit ungefähr 40 Unternehmen. Die Palette reicht von riesigen, multinationalen Konzernen, die schlüsselfertigen Kraftwerke offerieren bis hin zu spezialisierten Anbietern von Teilausrüstungen. Im Zeitraum 2000 bis 2002 war CNIM/Martin aufgrund seiner immensen Kapazität unangefochtener Marktführer. Das Unternehmen zeichnete für 47,0 Prozent des Gesamtumsatzes auf dem Europamarkt verantwortlich. Diese Größe konnte es durch seine Beteiligung an 17 Kraftwerken und durch seine starke Marktpräsenz erwerben. Weit abgeschlagen folgen an zweiter und dritter Position Foster Wheeler und VonRoll Inova, die 9,5 bzw. 9,2 Prozent Marktanteile haben.

Titel der Analyse:
Frost & Sullivan’s Analysis Of The European Waste-to-Energy Plant Market (Report B087)



Weitere Informationen:

Stefan Gerhardt
Public Relations Manager

Frost & Sullivan
Clemensstrasse 9
60487 Frankfurt/Main
Tel. 069-77033-11
Fax 069-234566

stefan.gerhardt@frost.com

| Frost & Sullivan
Weitere Informationen:
http://www.power.frost.com
http://www.frost.com/prod/corpnews.nsf/0/40B833197D968AA280256CBC004E4201
http://www.presse.frost.com

Weitere Berichte zu: Europamarkt Kraftwerk Müllheizkraftwerk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten