Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentherapie in Europa: Unverändert hohe Erwartungen

13.01.2003


Trotz aller Rückschläge entwickelt sich die Gentherapie allmählich zu einem ernst zu nehmenden Markt. Für klinische Versuche werden Gentherapieprodukte bereits in größerem Maßstab hergestellt und werden voraussichtlich ab 2005 im Handel erscheinen. Bis 2010 soll ihr Jahresumsatz in Europa nach einer neuen Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan knapp 1,1 Milliarden US-Dollar erreichen.



Wissenschaftler und Pharmaindustrie warten gespannt auf die erfolgreiche Bestätigung des Funktionsprinzips der Gentherapie. Advexin (ad5CMV-p53) von Introgen für fortgeschrittene Tumorerkrankungen im Kopf- und Halsbereich und Generx (ad5-FGF4) von Schering für die koronare Herzkrankheit (KHK) (geplante Einführung jeweils 2005) könnten diesen Nachweis in den Schlüsselsegmenten Krebstherapie und Gefäßerkrankungen erbringen. Mit einer Neubewertung der Zukunftsaussichten dürfte dann die anfängliche Begeisterung zurückkehren, sodass mit einem Investitionsaufschwung in Forschung und Entwicklung zu rechnen ist.

... mehr zu:
»Gentherapie »Gentherapiemarkt


Erste Umsätze bei Krebs und Gefäßerkrankungen

Die ersten Umsätze im Jahr 2005 werden wahrscheinlich zu gleichen Teilen mit Therapien für Krebs und Gefäßerkrankungen erzielt. Danach dürfte dank zusätzlicher Produkte und aufgrund der großen Patientenzahlen die Behandlung von Gefäßkrankheiten dominieren. Die Bedeutung der Krebstherapie soll wegen der geringeren Patientenzahlen bei den betreffenden Tumorarten dahinter zurückbleiben. Wenn allerdings ab 2008 weitere Indikationen und Produkte hinzu kommen, könnten 2010 mit Krebsmedikamenten immerhin 28 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet werden.

In 15 Jahren ein lohnendes Geschäft

Tatsächlich beschränkt sich die Gentherapie nicht mehr nur auf monogen bedingte Erkrankungen. Diese bieten zwar weiterhin die besten Erfolgsaussichten, dürften aber wegen der geringen Patientenzahlen trotz Zuwächsen im Jahr 2006 kaum größere Umsätze bringen. "Wenn das Geschäft mit Gentherapieanwendungen in zehn bis 15 Jahren richtig lohnend wird, dann eher in Verbindung mit verbreiteten chronischen und Infektionskrankheiten als mit seltenen Tumoren," so die Einschätzung von Nicola Furley, Programme Manager bei Frost & Sullivan.

Aventis, Novartis und Schering an der Spitze

Hinsichtlich Technologien und Krankheitstypen ist der Gentherapiemarkt extrem divers. "Die Atmosphäre ist zurzeit noch eher akademisch als wettbewerbsorientiert," meint Furley. "Mit der Markteinführung der ersten Produkte wird sich der Wettbewerb allerdings erheblich verschärfen." Führend bei der Entwicklung sind die Unternehmen Aventis, Novartis und Schering, die deshalb auch den zukünftigen Markt dominieren dürften.

Aufklärung statt Euphorie

Von großer Bedeutung bleibt die Aufklärung von Ärzten und Öffentlichkeit über Funktionsweise und Sicherheitsaspekte der Technologie. Euphemistische Produktbeschreibungen mögen zwar mittelfristig dem Aktienkurs nützen, dienen aber laut Frost & Sullivan langfristig kaum dazu, den Gentherapiemarkt insgesamt zu etablieren.

Die Produktgeneration, die demnächst klinisch geprüft wird, hat den Vorteil, dass das gewünschte Gen auf eine bestimmte Position auf einem bestimmten Chromosom gelenkt werden kann. Die Vektoren sollen so verändert werden, dass sie sich auf bestimmte Gewebetypen ausrichten lassen. Dadurch würden der Bedarf für die direkte (Mikro-)Injektion von DNA und deren unerwünschte systemische Auswirkungen weiter reduziert.

Katja Feick | Frost & Sullivan
Weitere Informationen:
http://www.presse.frost.com
http://www.pharma.frost.com.

Weitere Berichte zu: Gentherapie Gentherapiemarkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics