Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Automobilzulieferer weltweit in tiefgreifendem Wandel

19.12.2002


Studie der internationalen Strategieberatung sieht Renditen der Zulieferindustrie weiter unter Druck
Sechs wesentliche Trends prägen die Zukunft der Branche


Die Automobilzulieferindustrie befindet sich weltweit in einem tiefgreifenden Wandel. Stagnierende Absatzmärkte und scharfer Wettbewerb bei den Fahrzeugherstellern drücken deutlich auf die Renditen der Lieferanten. Dies sind zentrale Ergebnisse einer internationalen Studie von Roland Berger Strategy Consultants über die Marktentwicklung bei den Automobilzulieferern. Auf diese zentralen Herausforderungen reagiert die Branche derzeit mit neuen Konzepten. So bilden sich weltweite Zulieferernetzwerke immer häufiger als Weiterentwicklung der pyramidenartigen Strukturen der Vergangenheit heraus. Überzogenes Outsourcing wird zunehmend kritisch hinterfragt. Es geht vielmehr um die optimale Ansiedlung der kritischen 20-30 Prozent Eigenleistung in der Gesamtwertschöpfung. Immer mehr Zulieferfirmen sehen sich zudem mit Finanzierungsschwierigkeiten konfrontiert. Statt Fusionen rücken flexible Partnerschaften für zahlreiche Unternehmen stärker in den Blickpunkt. Im Rahmen der Studie wurden 140 Top-Entscheider aus der internationalen Automobil- und Zulieferindustrie befragt.

Marktstrukturen, aber auch strategische Unternehmensentscheidungen bei den Zulieferfirmen unterliegen derzeit international einem grundlegenden Wandel. Dr. Thomas Sedran, Partner und Leiter des Competence Center Automotive bei Roland Berger Strategy Consultants: "Die Hauptaufgabe der Führungsteams bei den Zulieferern wird künftig darin bestehen, das Unternehmen in einem dynamischen Umfeld erfolgreich zu positionieren. Strategisches Know-how wird dabei zum Schlüsselkriterium für profitables Wachstum. Schon heute können die richtigen Antworten auf die Trends der Zukunft gegeben werden."

Aus dem Vergleich mit den Ergebnissen der Roland Berger-Zuliefererstudie von 1999 ergeben sich sechs wesentliche Trends, denen die Branche künftig folgen wird.

1. Von der Zulieferer-Pyramide zum Zulieferer-Netzwerk

In der Vergangenheit war ein starker Trend zur Bildung von Zulieferer-Pyramiden erkennbar. Besonders kleinere Lieferanten drohten in die zweite oder dritte Reihe abzurutschen. Aktuelle Erfahrungen mit komplexen Großaufträgen, verbunden mit der Konsolidierungswelle in der Zulieferbranche und entsprechenden Integrationsproblemen, bewirken einen Wandel. Automobilhersteller und -zulieferer werden künftig verstärkt auf Netzwerke mit spezialisierten Zulieferertypen setzen. Dazu zählen Systemintegratoren, Technologie- und Produktspezialisten sowie Prozess- und Fertigungsexperten. Bereits heute haben sich mehr als 50 Prozent der befragten europäischen Zulieferer in diesen neuen Strukturen positioniert. Die Netzwerke werden je nach Markenpositionierung des Herstellers, Bedeutung des jeweiligen Fahrzeugmodells und der betroffenen Fertigungsstandorte sehr unterschiedlich strukturiert sein - hinsichtlich der Eigenwertschöpfung des Herstellers wie auch der Auswahl und Integration der beteiligten Zulieferer.

2. Outsourcing oder Insourcing?

Offen bleibt - wie bereits 1999 - die Frage der optimalen Wertschöpfungstiefe bei Automobilherstellern und Zulieferern. Eine Erhöhung der Eigenleistung durch Insourcing steht derzeit bei den meisten Unternehmen noch nicht auf der Agenda. Im Gegensatz zur einseitigen Outsourcing-Strategie früherer Jahre gilt derzeit als entscheidend, ob zur langfristigen Ergebnisoptimierung die "richtigen" 20-30 Prozent der Gesamtwertschöpfung im eigenen Unternehmen erzeugt werden.

3. Zunehmende Engpässe bei der Finanzierung von Zulieferern

Die starke Verlagerung von Aufgaben und Risiken auf die Zulieferer (55 Prozent der befragten Unternehmen sehen diesen Prozess als noch nicht abgeschlossen), aber auch eine restriktivere Kreditpolitik der Banken hat die Finanzierungsengpässe der Zuliefererindustrie seit 1999 gravierend verschärft. Zwar springen Private Equity Fonds als Finanzierungspartner teilweise ein. Eine grundlegende Entspannung zeichnet sich für die Zulieferer jedoch derzeit nicht ab. Künftig wird der Einfluss funktionierender Kapitalmärkte, innovativer Finanzierungsmodelle sowie einer "intelligenten" Verteilung von Kapitaleinsatz und Risiken entlang der automobilen Wertschöpfungskette signifikant wachsen.

4. Stärkere Differenzierung der Geschäftsmodelle

Losgrößen und Markenpositionierung der Automobilhersteller tragen zunehmend zum wirtschaftlichen Erfolg der Zulieferer bei. Daher müssen sämtliche Wertschöpfungsprozesse künftig zielgenau auf die spezifischen Anforderungen der Hersteller ausgerichtet sein. Basis dafür ist eine klare Positionierung im Zulieferernetzwerk. In der Folge werden sich die Geschäftsmodelle in der Zulieferindustrie noch stärker ausdifferenzieren. 60 Prozent der befragten Unternehmen sehen dabei eine individuell auf den Kunden ausgerichtete Organisation von Entwicklung und Vertrieb im Vordergrund. Diese gilt es ebenso umzusetzen wie eine geschäftsmodellspezifische Optimierung der Produktion.

5. E-Business - von der Euphorie zum operativen Einsatz

Noch 1999 gingen viele Zulieferer von einer raschen Veränderung unternehmensübergreifender Prozesse durch das Internet aus. Die nüchterne Erkenntnis 2002 lautet: Moderne Kommunikationstechnologien sind zwar ein wichtiges Werkzeug bei der Koordination entstehender Zulieferernetzwerke. Nachhaltige Prozessveränderungen werden dagegen erst nach langfristiger intensiver Nutzung internetbasierter Technologien erwartet.

6. Wachsende Rolle von Partnerschaften statt M&A

In den letzten Jahren haben sich Zulieferer häufig darauf konzentriert, Übernahmen und Fusionen organisatorisch und personell zu bewältigen. Dabei waren nicht alle Unternehmen erfolgreich. Angesichts knapper Ressourcen setzt die Branche derzeit verstärkt auf flexible Partnerschaften und Joint Ventures. Beispiele wie Hella-Behr stoßen bei Herstellern auf positive Resonanz und weisen zugleich wirtschaftliche Erfolge auf.



Falls Sie Rückfragen haben, wenden Sie sich bitte an:



Susanne Horstmann
Roland Berger Strategy Consultants

Tel. +49 89 9230-8349,
Fax +49 89 9230-8599
E-Mail: susanne_horstmann@de.rolandberger.com

| ots

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie