Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Kinder sprechen lernen

15.01.2001


Hinweise auf eine "ideale Inputsprache", die Kindern das Sprechenlernen erleichtern, konnte Mark Niederhagen aus den Ergebnissen seiner Staatsarbeit "Empirische Studien zur Bedeutung sprachlicher Interaktionen für den kindlichen Spracherwerb" (Fakultät für Philologie, Prof. Dr. Wolfgang Boettcher) ableiten. Erwachsene und auch ältere Kinder wenden Kleinkindern gegenüber bestimmte Strategien an, die ihnen das "Bauprinzip" der Muttersprache näher bringen. Syntax, Lautsystem und Lexikon lernen Kinder so durch stete Interaktion mit Bezugspersonen scheinbar ganz nebenbei. Für seine Arbeit hat Mark Niederhagen einen der Preise an Studierende 2000 der RUB erhalten.

Sich behaupten heißt mitreden

Von Geburt an befindet sich ein Kind in einer Gemeinschaft, die sich hauptsächlich über Sprache verständigt - wer Wünsche und Gefühle ausdrücken, auffordern, hinweisen, handeln will, muss mitreden. Auch wenn anfangs das gegenseitige Verstehen noch nicht so ausgereift ist, findet eine sprachliche Interaktion mit Kindern schon sehr früh statt und prägt ihre weitere Entwicklung: Innerhalb kürzester Zeit reift das Kind dadurch zu einem kompetenten Gesprächspartner heran und erkennt semantische Rollen und Relationen, die es mit der Zeit syntaktisch auszufüllen lernt.

Strategien leisten Hilfestellung

Um die Bedeutung sprachlicher Interaktionen für den kindlichen Spracherwerb zu untersuchen, machte Mark Niederhagen in dreimonatigen Abständen über die ersten fünf Lebensjahre eines Kindes hinweg Aufnahmen von dessen "Gesprächen", die er später auswertete. Dabei stellte er fest, dass beim Sprechen mit Kleinkindern verschiedene Strategien zum Einsatz kommen - sei es bewusst oder unbewusst - die ihm das Verständnis erleichtern: Die ideale "Inputsprache" enthält z. B. eine markante Intonation, Redundanzen (Wiederholungen einzelner Wörter, von Satzteilen oder ganzen Sätzen), häufige Fragen, besondere Herausstellungsstrukturen wie die "Rechtsversetzung" von infiniten Verben oder Verbzusätzen und Satzgliedern, Reformulierungen, bei denen schon Bekanntes in neuer syntaktischer Umgebung wiederholt wird, und Expansionen, d.h. Bekanntes wird sukzessive erweitert. Auch alltägliche Kommunikationsformen wie das Vortragen von Geschichten und Liedern erfolgt häufig mit semantisch-syntaktischen Leerstellen.

Kinder als vollwertige Gesprächspartner verstehen

Durch die Ergebnisse erhofft sich Niederhagen eine bewusstere Auseinandersetzung mit den Strukturen und Strategien, die dem Kind das Sprechenlernen erleichtern. Gesprächspartner sollten sich in die Situation des Kindes hineinversetzen, möglichst viel mit ihm sprechen und es von Geburt an als vollwertigen Gesprächspartner begreifen.

Weitere Informationen:

Mark Niederhagen, Rölscheider Str. 61, 42657 Solingen, Tel. 0212/2472091, E-Mail: MarkNiederhagen@web.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Gesprächspartner Interaktion Spracherwerb

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raumschrott im Fokus

22.05.2018 | Physik Astronomie

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics