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Studie: "Umstellung auf digitales terrestrisches Fernsehen Unsinn"

14.10.2002


Kabeleinspeisung ist am billigsten

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Eine soeben veröffentlichte Studie der Düsseldorfer Prism Consulting kritisiert die Umstellung von analogem auf digitales terrestrisches Fernsehen (DVB-T) scharf: Rein wirtschaftlich gesehen sei die Investition in digitales terrestrisches Fernsehen absoluter Unsinn, heißt es in der vom TK-Experten Ralf Sürtenich erstellten Studie. "Wenn die Kosten mit der Nutzungscharakteristik zusammengeführt werden, ergeben sich jährliche Kosten pro Fernsehprogramm je nutzender Wohneinheit bei Kabel in Höhe von 14 Cent, bei Satellit 49 Cent und bei Terrestrik 24,50 Euro", so die Berechnungen von Prism Consulting.

Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungscharakteristik von Rundfunk und Fernsehen sehen in Deutschland die technischen Zugänge der Teilnehmer sehr verschieden aus. Den terrestrischen Antennenzugang nutzen beim Radio etwa 85 Prozent der Teilnehmer. "Hingegen werden beim Fernsehempfang bundesweit nur noch rund acht Prozent der Geräte mit terrestrischem Empfang versorgt, Kabelempfang deckt etwa 55% der Teilnehmer ab, der andere große Teil versorgt sich über Satellit", so Sürtenich. Es müsse also die Frage gestellt werden, ob die geringe Penetration bei terrestrischem Fernseh-Empfang die Einführung von DVB-T wirklich sinnvoll macht.


Schon im heutigen Vergleich mit den alternativen Übertragungsmedien Kabel und Satellit erweise sich die Terrestrik als das weitaus kostspieligste Medium. So würden die Kosten für die deutschlandweite Kabeleinspeisung eines Fernsehprogramms bei rund 2,5 Mio. Euro liegen. Für die flächendeckende Abstrahlung über Satellit liege man jährlich bei über sechs Mio. Euro. Die Ausgaben von ARD und ZDF für die terrestrische Abstrahlung ihrer eigenen Programme betragen zirka 225 Mio. Euro pro Jahr.

Rein wirtschaftlich hätten die DVB-T-Investitionen daher keinen Sinn und es sei daher auch nicht erstaunlich, dass privatwirtschaftlichen Konzerne und Konsortien daran kein Interesse zeigen. "Neben den Investitionen und den Betriebskosten auf der Senderseite müssen auch die Benutzer in die Technik investieren. Da heute noch keine TV-Geräte mit digitalen Empfängern und MPEG-Decodern zur Verfügung stehen, müssen ähnlich wie beim Satelliten-Empfang Settop-Boxen eingesetzt werden. Die Anschaffungs-Preise für die Geräte liegen zwischen 200 Euro und 400 Euro", so Sürtenich. Neue Leistungsmerkmale biete DVB-T den meisten Haushalten nicht. Alle Verweise auf zukünftige technische Möglichkeiten seien realitätsferne Visionen. "Ob analog oder digital übertragen, fehlende attraktive Inhalte sind weiterhin der Status quo", so das Resümee von Sürtenich.

Hintergrund der Studie ist der Start der digitalen terrestrischen Technik im Ballungsraum Berlin-Brandenburg am 1. November. Ab 28. Februar 2003 stoppt die analoge Übertragung von privaten Fernsehprogrammen, die endgültige Abschaltung der analogen Sender erfolgt im Juni 2003. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) forciert damit eine harte Umstellung auf digitales terrestrisches Fernsehen. Derzeit existieren im Versorgungsgebiet noch rund 150.000 Haushalte mit analogem terrestrischem Fernsehempfang. "Diese Haushalte sind somit gezwungen, sich im Zeitraum von zehn Monaten Settop-Boxen für den digitalen Empfang zu kaufen", schreibt Sürtenich.

Gunnar Sohn | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.prism-consulting.de

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