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Asthma und Allergien bei Kindern - Ursachensuche im Rahmen der ISAAC-Studie

19.09.2002

In vielen Ländern der Welt haben in den letzten 30-40 Jahren Asthma und Allergien deutlich zugenommen. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt. Für deren Erforschung ist der standardisierte Vergleich von Bevölkerungen mit unterschiedlichen Lebensbedingungen von großer Bedeutung. Die International Study of Asthma and Allergies in Childhood - ISAAC, eine der größten bisher durchgeführten epidemiologischen Studien, verfolgt erstmals diese Forschungsstrategie. In Phase I von ISAAC wurden zwischen 1992 und 1996 weltweit in 155 Studienzentren 463.801 Kinder im Alter von 13-14 Jahren anhand von standardisierten schriftlichen Fragebögen und Videofragebögen untersucht. Zwischen den Studienzentren fanden sich sehr große Unterschiede bezüglich der Häufigkeit von Asthma und allergischen Erkrankungen. Die Zentren mit der weltweit höchsten Asthmahäufigkeit lagen in Großbritannien (36,7% in Schottland) und Neuseeland (32,4% in Hawke’s Bay). Die weltweit niedrigsten Asthmaraten wurden in Indien (1,6% in Akola), Albanien (2,6% in Tirana) und Georgien (3,7% in Tbilisi) registriert. Die deutschen Zentren lagen im mittleren Bereich: Münster (14,1%) und Greifswald (13,3%).

Die Größenordnung der Schwankungen und deren regionale Verteilungsmuster machen es sehr wahrscheinlich, daß ihnen Unterschiede in Lebensstil und Lebensbedingungen zugrunde liegen. In der Phase II der ISAAC-Studie sollen die Ursachen der unterschiedlichen Erkrankungshäufigkeiten genauer erforscht werden. Hierzu wurden sehr aufwendige Meßmethoden entwickelt. Bei 9-11 Jahre alten Kindern sind genaue Messungen der Lungenfunktion und der Erregbarkeit der Bronchien (typischerweise bei Kindern mit Asthma erhöht) sowie Allergietests auf der Haut durchgeführt worden. Die Lebensbedingungen der Kinder wurden anhand von standardisierten Fragebögen und Messungen in den Wohnräumen erfaßt. Dazu wurden genetische und immunologische Faktoren auf der Basis von Blutproben erhoben. Prof. Dr. Stephan Weiland, Leiter der Abteilung Epidemiologie der Universität Ulm, koordiniert die Studie weltweit in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universitäten in London, München, Oxford und Utrecht sowie des Karolinska Instituts in Stockholm. Das Projekt wird von der Europäischen Union gefördert.

Nach Abschluß der Datenerhebung findet am 26. und 27. September 2002 in Ulm ein Workshop statt, der methodische Aspekte und das weitere Vorgehen bei den Labor- und Datenanalysen abstimmen soll. Neben hoher Datenqualität war es besonders wichtig, Studienzentren mit möglichst großen Unterschieden in der Häufigkeit von kindlichem Asthma für die Teilnahme zu gewinnen. Die folgenden nach ihrer mittleren Häufigkeit von Asthmasymptomen in der Phase I geordneten Länder werden von den 32 teilnehmenden Wissenschaftlern vertreten: Großbritannien (32,2%), Neuseeland (30,2%), Brasilien (22,7%), Deutschland (13,8%), Frankreich (13,5%), Estland (10,8%) Spanien (10,3%), Italien (8,9%), Indien (6,0%), China (4,2%) Griechenland (3,7), Georgien (3,6%), Albanien (2,6%). Ferner werden zu dem Workshop Experten aus Holland, Norwegen und der Türkei erwartet.

Viele der in epidemiologischen Studien beobachteten Verteilungsmuster, z.B. die großen Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa, weisen darauf hin, daß Faktoren, die für den Lebensstil und die Lebensbedingungen in westlichen Ländern typisch sind, zum Auftreten von Asthma und Allergien in Beziehung stehen. So wird derzeit beispielsweise untersucht, ob die hygienischen Bedingungen, unter denen die Kinder insbesondere in den ersten Lebensmonaten aufwachsen, einen Einfluß auf die Entstehung von Asthma und Allergien haben. Einiges spricht dafür; so leiden Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, seltener an diesen Erkrankungen. Neuere Untersuchungen zeigen, daß dies mit den hygienischen Bedingungen zusammenhängen könnte. In den vergangenen 20-30 Jahren ist in vielen westlichen Ländern die Zeit, in der sich die Kinder körperlich bewegen und im Freien spielen, deutlich zurückgegangen. Daraus ergibt sich die Frage, ob womöglich Bewegungsmangel zur Entwicklung von Asthma beiträgt. Schon lange ist bekannt, daß Asthma und Allergien in bestimmten Familien gehäuft vorkommen. Fortschritte bei der Suche nach den dafür verantwortlichen Genen waren allerdings sehr mühsam, und bis heute ist vermutlich nur ein sehr geringer Teil der Gene identifiziert. Noch weniger ist über deren Interaktion mit Umwelt und Lebensstilfaktoren bekannt. Aufgrund der großen Fallzahlen und Variabilität zwischen den internationalen Studienzentren werden von den genetischen Untersuchungen im Rahmen der Phase II von ISAAC wichtige Erkenntnisse erwartet.

Peter Pietschmann | Presseinformation

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