Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krisen zu spät erkannt - Gegenmaßnahmen schlecht umgesetzt

29.08.2002


Studie zu "Ursachen und Erfolgsfaktoren von Restrukturierungen"


Rund 80 Prozent aller Restrukturierungen beginnen unter dem Druck akuter Ergebnis- und Liquiditätsprobleme, so das Ergebnis der Studie "Ursachen und Erfolgsfaktoren von Restrukturierungen" von Roland Berger Strategy Consultants. Die Berater haben branchenübergreifend Vorstände und Geschäftsführer von rund 75 mittelständischen Unternehmen und Konzernen in Deutschland (Österreich und der Schweiz) befragt, die in den letzten Jahren eine Restrukturierung durchgeführt haben (durchschnittlicher Umsatz p.a. 650 Mio. EURO).

Demzufolge erkennt das Management Krisen häufig erst, wenn bereits die Existenz des Unternehmens bedroht ist. Von den ersten Symptomen bis zur Sanierung verstreichen durchschnittlich zweieinhalb Jahre. Zu den wichtigsten Gegenmaßnahmen zählen Personalabbau, Budgetkürzungen, Einkaufsoptimierung und kurzfristige Umsatzsteigerungen. Sie werden aber oft zögerlich und unkoordiniert umgesetzt. Nur 22 Prozent der Unternehmen bewältigen eine strategische Neuausrichtung erfolgreich.


In acht von zehn Fällen geht der Restrukturierung eine längere existenzgefährdende Krise voraus: Nur 20 Prozent der Befragten reagieren bereits auf Anzeichen einer strategischen Krise, 57 Prozent auf eine akute Ergebniskrise, 23 Prozent der Unternehmen stehen kurz vor der Insolvenz. "Viele Unternehmen verschenken wertvolle Zeit" sagt Michael Blatz, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants. "Je später die Restrukturierung beginnt, desto enger ist der Handlungsspielraum."

Für 71 Prozent aller Manager stellt ein ganzheitliches Restrukturierungskonzept einen wesentlichen Erfolgsfaktor der Sanierung dar. Nur 18 Prozent bezeichnen die Umsetzung ihres Konzeptes jedoch als gelungen.

Operative Restrukturierung: Personalabbau und Budgetkürzungen bevorzugt

Personalabbau und Budgetkürzungen zählen zu den "klassischen" Sanierungsmaßnahmen: 97 Prozent aller Unternehmen reduzieren die Zahl der Beschäftigten, senken die Personalnebenkosten oder setzen Kurzarbeit und Lohnverzicht ein. In einem knappen Drittel der Betriebe verzichten die Beschäftigten zeitweilig auf einen Teil ihres Einkommens (28 Prozent). Für 88 Prozent der Unternehmen steht Kostenersparnis durch Budgetkürzungen und Maßnahmenpläne im Vordergrund. 50 Prozent streben eine Senkung der Einkaufspreise bei optimiertem Materialbedarf an (z. B. durch verringerten und zentralisierten Einkauf, Lieferantenbündelung oder reduzierte Teilevielfalt). 49 Prozent der Unternehmen bemühen sich ihre Umsätze kurzfristig zu steigern, 61 Prozent die Vertriebssteuerung zu verbessern.

Strategische Neuausrichtung: Umsetzung oft erfolglos

Die Mehrzahl der Unternehmen konzentriert sich auf ihr Kerngeschäft, um die Restrukturierung zu meistern. 83 Prozent der Firmen trennen sich von Geschäftsbereichen, 73 Prozent geben Produkte oder Produktgruppen auf, 67 Prozent standardisieren ihre Produkte und Leistungen, 48 Prozent lösen teilweise Kundenbeziehungen auf. Während der überwiegende Teil der Unternehmen seine Wertschöpfungstiefe durch Outsourcing reduziert (69 Prozent), setzt etwa ein Drittel der Betriebe auf Vertikalisierung. Nur jedes fünfte Unternehmen verlagert seine Produktion in Billiglohnländer.

Lediglich 43 Prozent der befragten Unternehmen nehmen bei einer Sanierung eine strategische Neupositionierung vor: Zwar erachten 69 Prozent diesen Schritt als entscheidend, doch nur 22 Prozent setzen ihn erfolgreich um. "Die Anpassung der Unternehmensstrategie bleibt eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Rahmen einer Restrukturierung" sagt Michael Blatz.

Finanzieller Turnaround: Banken wichtigste Kapitalgeber

61 Prozent der Befragten restrukturieren ohne zusätzliches Fremdkapital: 24 Prozent gelingt es, bei den Gläubigern einen Forderungsverzicht zu erwirken, 22 Prozent stocken ihr Eigenkapital durch eine Kapitalerhöhung auf. Banken werden zum wichtigsten Geldgeber in Krisenzeiten: Sie stellen 24 Prozent der Befragten zusätzliches Kapital zur Verfügung.

Projektorganisation und Stakeholder-Management

Rund 90 Prozent der befragten Unternehmen setzen Maßnahmenpläne und Projektcontrolling ein, um die Sanierung zu steuern. Das Management erwartet häufig ein größeres Engagement des Aufsichtsrats im Restrukturierungsprozess. Den Einfluss von Banken und Betriebsräten hält dagegen mancher Manager für zu groß. "Gerade in der Krise kommt dem Stakeholder-Management besondere Bedeutung zu", sagt Joost Geginat, Associate Partner bei Roland Berger. "Fast drei Viertel der Befragten bezeichnen beispielsweise regelmäßige interne Kommunikation als unerlässlich. Insgesamt beurteilt aber nur etwa ein Drittel der Unternehmen ihr Stakeholder-Management als erfolgreich."

Fazit: Schneller und konsequenter restrukturieren

In einem offenen Fazit befürworten 40 Prozent der befragten Vorstände und Geschäftsführer im Nachhinein eine schnellere und konsequentere Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen. "Die Ergebnisse der Befragung decken sich mit unseren Erfahrungen", fasst Michael Blatz zusammen. "In der Regel erkennen Unternehmen eine Krise zu spät und zögern die Restrukturierung zu lange hinaus. Gegenmaßnahmen werden unkoordiniert und wenig konsequent ergriffen. Größte Schwierigkeiten bereiten die Neuausrichtung der Strategie und deren Umsetzung."

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, zählt zu den weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 32 Büros in 22 Ländern ist das Unternehmen auf den internationalen Wachstumsmärkten aktiv. Die über 1.700 Mitarbeiter haben im Jahr 2001 einen Honorarumsatz von über 510 Mio. EUR erwirtschaftet.

1998 übernahmen die Partner im Rahmen eines Management-Buy-Outs die 1988 von der Deutschen Bank erworbene Beteiligung. Seither ist Roland Berger Strategy Consultants wieder als unabhängige Partnerschaft organisiert.

Susanne Horstmann | ots

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten

CRTD erhält 1.56 Millionen Euro BMBF-Förderung für Forschung zu degenerativen Netzhauterkrankungen

24.05.2017 | Förderungen Preise

Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene

24.05.2017 | Förderungen Preise