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IT-Ausgaben der Versicherer: Hoch, aber nicht immer zielgerichtet

24.07.2002

Die Ausgaben für Informationstechnologie in Versicherungsunternehmen sind in den letzten Jahren stark gestiegen: Von 1998 bis 2001 wuchsen sie von 2,7 auf 3,6 Prozent der Bruttoprämien und stiegen damit mehr als doppelt so schnell wie die Prämieneinnahmen in diesem Zeitraum. Trotz dieser Steigerungen ist die Struktur der Ausgaben in vielen Unternehmen suboptimal: Mehr als die Hälfte der Budgets werden heute im Schnitt für nicht wahlfreie Leistungen (Wartung, Betrieb und Service) ausgegeben. Da dieser Bestandteil der IT-Ausgaben - nach eigener Prognose der Unternehmen - in den nächsten Jahren schneller ansteigen wird als die IT-Budgets, werden in den Unternehmen in den nächsten Jahren die Mittel für zukunftsweisende IT-Investitionen immer geringer ausfallen.
Weiterhin sind die Verantwortlichen in den Unternehmen mit den eigenen Leistungen nicht immer zufrieden. So gibt zum Beispiel ein Drittel der Befragten an, dass bei der Anwendungsentwicklung die Kosten- und Terminrahmen überschritten werden und die Lösungen nicht optimal auf die Geschäftsbedürfnisse zugeschnitten sind.
Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Studie, die der weltweit führende Management- und Technologie-Dienstleister Accenture zusammen mit dem Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen durchgeführt hat.

Die IT-Ausgaben in Versicherungsunternehmen steigen ständig. Im Jahr 2001 erreichten sie im Schnitt 3,6 Prozent der Bruttoprämien (2,7 Prozent in 1998). Die IT-Ausgaben der Versicherer sind in den letzten drei Jahren um mehr als acht Prozent pro Jahr gestiegen und damit doppelt so schnell wie die Prämieneinnahmen. Dies ist nur eines der Ergebnisse einer Studie, die der weltweit führenden Management- und Technologie-Dienstleister Accenture zusammen mit dem Institut für Versicherungswirtschaft der Universität Sankt Gallen durchgeführt hat. Grundlage der Studie, in der quantitative und qualitative Aspekte abgefragt wurden, sind 33 Interviews mit den IT-Verantwortlichen in Versicherungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Durchgeführt wurde die Studie von Dezember 2001 bis März 2002.

"Die Euro-Einführung und andere Sondereffekte haben insbesondere im Jahr 2001 für eine deutliche Steigerung der IT-Ausgaben der Versicherungsunternehmen gesorgt und den Trend der steigenden IT-Ausgaben in der Branche noch verstärkt", erläutert Hendrik Jahn, Geschäftsführer im Bereich Finanzdienstleister bei Accenture und zuständig für das Versicherungsgeschäft. Für die Zukunft rechnen die Versicherungen allerdings mit einem etwas gemäßigteren Wachstum der IT-Kosten. Die befragten IT-Verantwortlichen prognostizieren, dass im Jahr 2005 die IT-Ausgaben einen Anteil von 4,1 Prozent der Prämien erreichen. Insgesamt schwanken die Ausgaben für Informationstechnologie in den Unternehmen allerdings stark. Die Branchenbesten geben rund 43 Prozent weniger für ihre Systeme aus, als der Branchendurchschnitt.

Die Struktur der IT-Budgets der befragten Unternehmen ist suboptimal: Im Schnitt werden 55 Prozent des gesamten Budgets für nicht wahlfreie Ausgaben (etwa Wartung und Betrieb von Altsystemen) ausgegeben. Berücksichtigt man weiterhin den branchenüblichen Satz von zehn Prozent für Planung und Verwaltung der IT-Organisation, so stehen den Unternehmen nur 35 Prozent ihres Budgets für wichtige Zukunftsinvestitionen zur Verfügung.

Für den Bereich der nicht wahlfreien Ausgaben erwarten die Versicherer auch in Zukunft ein weiteres, starkes Wachstum. "Da die Versicherer auf der anderen Seite davon ausgehen, dass die IT-Budgets in den kommenden Jahren nur noch in geringem Maße steigen, in Einzelfällen sogar gekürzt werden, wird der Spielraum für zukunftsträchtige Neuinvestitionen immer geringer", so Branchen-experte Jahn. Versicherer drohen deshalb in eine "Investitionsfalle" zu geraten, in der für zukunftssichernde Ausgaben kein Budget vorhanden ist. Zum Vergleich: Erfolgreiche Versicherer investieren bis zu 50 Prozent ihres gesamten Budgets in wahlfreie Bereiche.
Der Weg aus dieser Investitionsfalle ist eine Umwandlung der nichtwahlfreien in wahlfreie Leistungen. Grundsätzlich sind nach Erfahrungen von Accenture durch gezielte Einsparungsmaßnahmen im Bereich der nicht wahlfreien Leistungen Einsparungen zwischen 15 und 35 Prozent der jährlich anfallenden IT-Kosten möglich. Die so frei werdenden Budgetanteile können dann in wahlfreie Investitionen investiert werden.

Generell beurteilen die Befragten - trotz der hohen IT-Ausgaben - die Leistungsfähigkeit ihrer IT-Systeme sehr differenziert. In Bezug auf die IT-Strategie/-Planung bezeichnet nur ein Drittel der Befragten die Mischung zwischen den eigenen kurz- und langfristigen Investitionen als vollständig an die Geschäftsbedürfnisse angepasst. In puncto IT-Steuerung vermisst rund die Hälfte aller IT-Leiter ein unternehmensweites System zur umfassenden Performance-Messung und Steuerung der Informationstechnologie. Ein solches, fehlendes IT-Controlling ist mit ein Grund für die Unzufriedenheit mit dem wichtigen Bereich der Anwendungsentwicklung: In rund der Hälfte aller Fälle wird in Anwendungen ohne oder nur mit unklarem Wertbeitrag investiert, da kein Business Case vorliegt. In rund einem Drittel aller Fälle werden bei der Anwendungsentwicklung die Kosten- und Terminrahmen überschritten und Lösungen abgeliefert, die nicht optimal auf die Geschäftsbedürfnisse zugeschnitten sind.

Weiterhin geht die Mehrzahl der Befragten für die Zukunft davon aus, dass in den nächsten Jahre externe Dienstleister bestimmte IT-Wertschöpfungsstufen in Versicherungen abdecken werden. Allerdings verfügt nur die Hälfte der befragten Unternehmen in diesem Zusammenhang über eine klar definierte Sourcingstrategie.

Ansatzpunkt zur Verbesserung der Leistung der IT-Systeme ist vor allem die IT-Steuerung, das Bindeglied zwischen der IT-Strategie und den konkreten Geschäftsanforderungen. "Unsere Studie zeigt, dass eine erfolgreiche IT-Steuerung sowohl mit einer guten Strategiefähigkeit als auch mit hohen Umsetzungsfähigkeiten korreliert", so Accenture-Geschäftsführer Jahn. Die Studie zeichnet in dieser Hinsicht ein sehr differenziertes Bild. Von den befragten Unternehmen schätzen sich nur die wenigsten in dieser so wichtigen Disziplin als gut ein. Eine Optimierung ist hier etwa durch die Implementierung verlässlicher Instrumente zur Leistungsmessung und -steuerung der IT-Aktivitäten möglich, etwa durch den Einsatz einer Balanced-Scorecard.

Ralf MIller | Presse

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