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Wenn der Kampfrichter rot sieht

31.07.2008
In Rot feierte der FC Bayern seine Siege. In roten Hemden erkickte sich die spanische Nationalelf den EM-Titel.

Und auch Taekwondo-Kämpfer mit rotem Brustschutz könnten bei den Olympischen Spielen von der Farbe profitieren, zeigt eine Studie von Dr. Norbert Hagemann, Prof. Dr. Bernd Strauß und Jan Leißing, Sportpsychologen am Institut für Sportwissenschaft der WWU Münster.

Sie untersuchten in einem Experiment, wie sich Kampfrichter in der koreanischen Sportart durch die Farben Rot und Blau beeinflussen lassen. Das erstaunliche Ergebnis, das sie in der aktuellen Ausgabe von "Psychological Science" vorstellen: Bei identischer Leistung beurteilen Kampfrichter Taekwondo-Sportler mit rotem Brustschutz besser als Athleten, die einen blauen Schutz tragen. "Farben können komplexe Entscheidungen besonders in uneindeutigen Situationen beeinflussen", sagt Strauß.

Wissenschaftler begründeten Erfolge rot gekleideter Athleten bisher mit günstigen psychologischen Effekten auf ihre Leistungsbereitschaft. So assoziierten viele mit der Signalfarbe eine erhöhte Aggressionsbereitschaft und Dominanz, folgern britische Forscher in einer Studie. Hagemann, Strauß und Leißing interessierten sich in ihrer Untersuchung nun für die Personen, die den Wettkampf beurteilen: "Kampfrichter haben in Zweikampfdisziplinen oder ästhetischen Sportarten einen hohen Stellenwert", begründet Hagemann das Forschungsinteresse.

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Für ihre Studie zeigten die münsterschen Wissenschaftler 42 erfahrenen Taekwondo-Kampfrichtern zwei Videos mit jeweils elf Kampfsequenzen. Im ersten trug ein Kämpfer einen roten und der andere Kämpfer einen blauen Brustschutz. Der zweite Film bestand aus den identischen Szenen, doch die Wissenschaftler hatten zuvor per digitaler Bildbearbeitung die Farben des Brustschutzes vertauscht. Obwohl die Kampfrichter den selben Kampf sahen, bewerteten sie die Leistungen der Sportler je nach getragener Farbe anders: Den Athleten, der im ersten Video blau getragen hatte, beurteilten sie im zweiten Durchgang mit rotem Schutz besser. Der, der zuerst in Rot angetreten war, verlor mit blauem Schutz im zweiten Film Punkte. Im Durchschnitt erhielten Kämpfer mit rotem Brustschutz 13 Prozent mehr Punkte als solche mit blauem Schutz.

Die Farbe der Wettkampfkleidung könnte bei zwei ähnlich starken Gegnern das Zünglein an der Waage sein, vermuten die Sportpsychologen. Kein wesentlicher Effekt lasse sich hingegen bei Sportlern mit unterschiedlichen sportlichen Fähigkeiten nachweisen, so auch das Ergebnis der britischen Studien. Für unsere Gesellschaft strahle die Farbe Rot Kraft, Energie und Gefahr aus. Das könne Kampfrichter gerade in uneindeutigen Wettbewerbssituationen beeinflussen, vermuten Hagemann, Strauß und Leißing.

So sehr sich Kampfrichter auch bemühen - Einfluss auf ihre Vorliebe für Rot haben sie den münsterschen Wissenschaftlern zufolge nur bedingt. "Es handelt sich um einen unbewussten und von den Schiedsrichtern natürlich nicht gewollten Effekt. Wir können eben unsere Wahrnehmung nicht so einfach überlisten", so Strauß. Die Sportpsychologen empfehlen intensive Kampf- und Schiedsrichterschulungen, die gezielt auf das Problem vorbereiten. Fehlurteile könne man mit Detektoren vermeiden, die Treffer elektronisch erfassen. "So könnte man das Problem angehen und müsste rote Kleidung insbesondere in Kampfsportarten nicht gleich verbieten", sagt Hagemann.

Norbert Frie | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/
http://www.uni-muenster.de/Sportpsychologie/

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