Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen beeinflusst schützenden Effekt von Vollkornprodukten

22.07.2008
Generell gilt: Wer viele Ballaststoffe aus Getreideprodukten isst, hat ein vermindertes Typ-2-Diabetesrisiko. Ergebnisse einer großen Potsdamer Bevölkerungsstudie präzisieren nun diese Aussage. Denn sie zeigen, dass ein winziger Unterschied im Erbgut darüber bestimmen kann, ob ein Mensch im Hinblick auf das Diabetesrisiko von Vollkornprodukten profitiert oder nicht.

Ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) wertete im Rahmen der Potsdamer EPIC*-Studie Daten von mehr als 3.000 Teilnehmern aus, von denen 798 an einem Typ-2-Diabetes erkrankt waren.

Ziel der Untersuchung war, Zusammenhänge zwischen Variationen im Erbgut, der Ernährungsweise und dem Diabetesrisiko aufzudecken. Bereits in früheren Publikationen** hatten die Wissenschaftler nachgewiesen, dass ein erhöhter Verzehr von Vollkornprodukten mit einem verminderten Diabetesrisiko verbunden ist.

Die Forscher konnten nun zeigen, dass in Abhängigkeit von einer bestimmten Punktmutation im Gen TCF7L2*** mehr als die Hälfte der Probanden von Vollkornprodukten profitierte. Bei diesen Trägern der CC-Genvariante sank das Diabetesrisiko um 14 Prozent pro täglich verzehrten 50 Gramm eines Vollkornprodukts. Diese Menge entspricht in etwa einer Scheibe Vollkornbrot. Dagegen hatten Träger der T-Variante nicht nur ein um 51 Prozent erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken - der Verzehr von Vollkornprodukten blieb bei ihnen im Hinblick auf das Diabetesrisiko auch ohne positive Wirkung.

... mehr zu:
»Diabetes »Diabetesrisiko »Gen

DIfE-Wissenschaftler haben damit erstmalig einen direkten Zusammenhang zwischen einem Diabetesrisikogen, dem Verzehr von Vollkornprodukten und dem Erkrankungsrisiko nachgewiesen. "Je öfter es gelingt, solche Zusammenhänge aufzudecken, desto eher werden wir in der Lage sein, individuelle Ernährungsempfehlungen zu geben", erläutert Studienleiter Matthias Schulze.

Die heutigen Ernährungsempfehlungen sind eher allgemein gehalten und werden deshalb oft nicht angenommen. Wissenschaftler arbeiten daher daran, Wege zu finden, sie zu personalisieren. Solche maßgeschneiderten Ernährungsempfehlungen könnten die Bereitschaft erhöhen, die Ratschläge zu befolgen und dazu beitragen, dass sich Menschen entsprechend ihren Erbanlagen gesünder ernähren.

Die generelle Empfehlung, mehr Vollkornprodukte zu verzehren, sei aber keineswegs überholt, betonen die DIfE-Wissenschaftler. Selbst wenn einige Menschen aufgrund ihrer Erbanlagen im Hinblick auf das Diabetesrisiko nicht davon profitieren würden, so könnte ein erhöhter Verzehr von Vollkornprodukten wahrscheinlich auch bei diesen Menschen zur Senkung des Risikos für Darmkrebs und Herz-Kreislauferkrankungen beitragen. Darüber hinaus sollten die Ergebnisse vielmehr verdeutlichen, dass Träger der T-Variante besonders auf ihr Gewicht und ausreichend Bewegung achten müssen. Denn im Rahmen des US Diabetes Prevention Program haben Forscher bereits nachgewiesen, dass durch Gewichtsreduktion sowie körperliche Aktivität der negative Einfluss der T-Variante wieder ausgeglichen werden kann.

Fisher E et al.: Whole-grain consumption and TCF7L2 rs7903146: Gene-diet interaction in modulating Type 2 diabetes risk. British Journal of Nutrition. 2008

Hintergrundinformation:

*EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie: eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs und anderen chronischen Erkrankungen aufdeckt. 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern sind an der Studie beteiligt. Die EPIC-Studie wird von Dr. Elio Riboli (International Agency on Research of Cancer, Lyon, Frankreich) koordiniert. Die Potsdamer EPIC-Studie, an der 27.548 Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teilnehmen, leitet Professor Dr. Heiner Boeing.

** Publikationen:
1) Schulze MB et al.: Fiber and magnesium intake and incidence of type 2 diabetes: a prospective study and meta-analysis. Arch Intern Med. 2007; 167:956-65.

2) Schulze MB et al.: An accurate risk score based on anthropometric, dietary, and lifestyle factors to predict the development of type 2 diabetes. Diabetes Care. 2007; 30:510-5.

Basierend auf dieser Publikation haben DIfE-Wissenschaftler den Deutschen Diabetes-Risiko-Test (DRT) entwickelt, der auch online über www.dife.de abgerufen werden kann.

***Mehrere Studien haben TCF7L2 als ein Diabetesrisikogen identifiziert, das innerhalb verschiedener ethnischer Gruppen eine Rolle spielt. Vermutlich führt die Mutation des Gens zu einer verminderten Insulinausschüttung, wobei der zu Grunde liegende Mechanismus noch nicht bekannt ist. In der vorliegenden Studie untersuchten die Wissenschaftler den single nucleotide polymorphism (SNP) rs7903146. Die Punktmutation führt zum Austausch der Base Cytosin (C) gegen die Base Thymin (T). Homozygote Träger der Cytosin-Variante profitieren von Vollkornprodukten, heterozygote und homozygote Träger der Thymin-Variante haben ein erhöhtes Diabetes Risiko.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 12/2006). Davon sind ca. 5.400 Wissenschaftler (inkl. 2.000 Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 225 Millionen Euro pro Jahr. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:
Dr. Eva Fisher (Erstautorin der Studie)
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116, D-14558 Nuthetal
Tel: ++49 (0)33200-88-718
E-Mail: fisher@dife.de
Prof. Dr. Matthias Schulze
E-Mail: mschulze@dife.de
Tel: +49-8161-71-2002
Dr. Gisela Olias
DIfE
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Arthur-Scheunert-Allee 114-116, D-14558 Nuthetal
Tel.: ++49 (0)33200-88-278/-335
E-Mail: olias@dife.de

Dr. Gisela Olias | idw
Weitere Informationen:
http://www.dife.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Berichte zu: Diabetes Diabetesrisiko Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie