Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Passivrauchen fördert Asthma bei Kindern

17.07.2008
Feinstaubschleuder Zigarette: Grenzwerte um Faktor zehn überschritten

Kinder reagieren besonders sensibel auf Umweltbelastungen. Vor allem bei Erkrankungen der Atemwege spielen diese Belastungen eine zunehmend wichtige Rolle. Asthma bronchiale gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter.

"Bereits zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Österreich leiden an dieser entzündlichen Atemwegserkrankung", wie Manfred Neuberger, Ordinarius für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien, im pressetext-Interview erklärt. Eine der Hauptursachen für die Zunahme der Erkrankungen spielt das Rauchverhalten der Eltern - und das schon von der Schwangerschaft an.

"Wir konnten in einer multizentrischen Studie an 53.879 Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren feststellen, wie sehr Gifte aus der Zigarette über die Placenta auf das Ungeborene wirken. Praenatales Passivrauchen erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer schlechten Lungenfunktion um 31 bis 40 Prozent", so der Experte. "Die Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, weisen deutlich weniger Lungenbläschen auf."

... mehr zu:
»Asthma »Immunsystem »Passivrauch

Nikotin und andere Schadstoffe führen zu einem verzögerten Wachstum der Lungenfunktion und einer erhöhten Asthmaneigung. "Selbst wenn nach der Geburt die Mutter zum Rauchen aufhört, bleiben diese Schäden bestehen", erklärt der Mediziner. Mit der Zahl der Raucher im Haushalt nehme die Krankheitshäufigkeit der Kinder zu. "Bei bereits bestehendem Asthma kommt es durch das Passivrauchen zu Rückfällen und bei schweren Fällen kann sogar ein lebensbedrohlicher Asthmaanfall ausgelöst werden", erklärt der Mediziner.

"Rauchen in der Schwangerschaft hat die stärksten und nachhaltigsten Wirkungen auf Kinderasthma sowie auf Symptome wie Giemen und nächtlichem Husten. Aber auch nach der Geburt schädigen die Zigaretten der Eltern das Kind", so der Mediziner. Ein weiterer Faktor für das Risiko an Asthma zu erkranken, ist die Exposition mit Feinstäuben. "In einer Studie in Linz konnten wir zeigen, dass immer wenn die Feinstaubbelastung in der Stadt anstieg auch die Atemnot bzw. nächtlicher Husten bei Asthmakindern zunahm. Man muss allerdings deutlich hervorheben, dass die schlimmste Feinstaubbelastung jene von Tabakrauch ist", betont Neuberger. "Schon drei Zigaretten in einem Raum sorgen für eine Grenzwertüberschreitung um das zehnfache." Untersuchungen in einem Auto in der "Feinstaubhochburg" Graz hätten gezeigt, dass selbst bei Feinstaubbelastungen von 50 bis 70 Mikrogramm pro Kubikmeter im Stadtbereich, eine bei offenem Fenster gerauchte Zigarette, die Werte sofort auf über 1.000 Mikrogramm nach oben schnellen lassen.

"Neben Passivrauchen und den Autoabgasen wurde eine Zunahme von Asthma bei Kindern auch mit der Wohnhygiene in Zusammenhang gebracht", bestätigt der Experte. In der ehemaligen DDR sei Asthma selten gewesen. "Kinder waren durch eine hohe Durchimpfungsrate vor gefährlichen Infektionskrankheiten geschützt, aber nicht jeder Virusinfekt wurde gleich mit Antibiotika behandelt." Das Immunsystem wurde im Kindergarten schon früh mit banalen Infekten trainiert. "Untersuchungen haben deutlich gezeigt, dass sogar schwangere Bäuerinnen ihren Kindern ein gestärktes Immunsystem weitergeben", erklärt der Fachmann. Andere Studien machten deutlich, dass Kinder mit mehreren Geschwistern oder jene, die früh in Kindergärten kommen, ebenso ein Training des Immunsystems erfahren. "Es ist wichtig das Kind nicht unter einen Glassturz zu stellen, um das Immunsystem zu stärken", so Neuberger abschließend im pressetext-Interview.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/umwelthygiene

Weitere Berichte zu: Asthma Immunsystem Passivrauch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie