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Religionsmonitor - Junge Erwachsene sind stärker religiös als erwartet

11.07.2008
Religion hat in Europa kaum Einfluss auf Sexualität und Partnerschaft
Religionsmonitor 2008: mehr Jugendliche glauben an Gott als erwartet

Jugendliche und junge Erwachsene sind viel religiöser als gemeinhin angenommen. Das ist das Ergebnis des nun vorgestellten Religionsmonitors der Bertelsmann-Stiftung. So sind global betrachtet 85 Prozent der jungen Erwachsenen religiös und sogar fast die Hälfte (44 Prozent) werden als hochreligiös eingeschätzt. Lediglich 13 Prozent haben mit Gott und Glauben nichts im Sinn. "Dabei darf man aber nicht religiös mit kirchlich verwechseln. Nicht jeder als religiös eingestufte Jugendliche geht jeden Sonntag in die Kirche", sagt Martin Rieger gegenüber pressetext, der für die Bertelsmann-Stiftung den Religionsmonitor verantwortet.

Allerdings zeigt sich ein sehr divergierendes Bild in den einzelnen Ländern und unter den verschiedenen Konfessionen. Während junge Erwachsene in islamischen Staaten und Entwicklungsländern besonders stark religiös sind, zeigen sich vor allem junge Christen in Europa vergleichsweise "religionsfern". Unter den jungen europäischen Protestanten sind gerade einmal sieben Prozent Hochreligiöse zu finden. Bei den jungen Katholiken zeigt sich ein ähnliches Bild, wenn auch ein für die Kirchen etwas freundlicheres. Dort sind immerhin 25 Prozent der Europäer hochreligiös, außerhalb Europas sind es 68 Prozent. "Ein Grund dafür ist ganz sicher, dass die katholische Kirche mehr den Gruppengedanken pflegt, der auch für Jugendliche sehr wichtig ist", versucht Rieger einen Erklärungsansatz für die Unterschiede zu finden. Von den jungen Menschen in Osteuropa und Russland ist gerade noch jeder Dritte getauft, die meisten haben jedweden Bezug zu Glaube und Kirche verloren. Lediglich 13 Prozent sind hochreligiös. "Ganz sicher hat die Zeit des Kommunismus hier noch seine Spuren hinterlassen", sagt Rieger.

Eine große Ausnahmeerscheinung zwischen westlich geprägten Industrieländern auf der einen und Entwicklungsländern beziehungsweise den islamisch geprägten Staaten auf der anderen Seite, bilden die USA. Wie auch unter den Erwachsenen finden sich in den USA in der jüngeren Generation weitaus mehr religiöse Menschen als in den meisten anderen westlichen Ländern. Von den jungen Amerikanern geben 57 Prozent an, täglich zu beten, in Österreich sind es zum Beispiel nur sieben Prozent.

Dass junge Menschen weniger religiös sind als noch ihre Eltern und Großeltern ist ebenfalls eine eher typisch europäisch-westliche Vorstellung als die weltweite Realität. So glauben die Jungen in den Entwicklungsländern und in islamischen Staaten nicht weniger intensiv als die übrigen Erwachsenen. Einen Zusammenhang zwischen religiöser Orientierung der jungen Leute und ihrer Haltung zu Politik und Sexualität konnte die Studie der Bertelsmann Stiftung ebenfalls nachweisen. Für die meisten Europäer und "Westler" gilt dabei, dass Religion keinen Einfluss auf ihre politischen Überzeugungen hat. Auch für die meisten der religiösen jungen Menschen außerhalb Europas gilt dies, wenn auch nicht so strikt. Nicht ganz so klar liegt die Sache beim Thema Sex und Partnerschaft. Auch hier sagen die meisten der europäischen Gläubigen: Sex ist Privatsache und nur eine Minderheit meint, dass ihr Glaube Einfluss auf ihre intime Partnerschaft hat. Für lediglich sieben Prozent der jungen Protestanten und 14 Prozent der Katholiken in Europa haben religiöse Überlegungen Auswirkungen für die Gestaltung ihres Liebeslebens.

Als abschließende Erkenntnis fanden die Forscher heraus, dass in Ländern mit einem hohen Anteil von gläubigen und hochgläubigen Menschen die Toleranz gegenüber anderen Religionen weit ausgeprägter ist, als in denen, wo wenige religiöse Menschen leben.

Für den Religionsmonitor wurden zwischen Juni und Oktober 2007 mehr als 21.000 Menschen in 21 Ländern der Welt befragt. Ob es sich bei den erhobenen Zahlen um einen langfristigen Trend handelt, dass mehr Jugendliche als erwartet sich der Religion zugewandt fühlen, konnte Rieger nicht bestätigen. "Um die Zahlen zu verifizieren, wollen wir in Zukunft wahrscheinlich alle vier Jahre diesen Religionsmonitor wiederholen", so Rieger.

Erik Staschöfsky | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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