Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Städte rund um die Uhr aktiv. Folge: enorme gesellschaftliche Kosten

17.07.2002



Alles zu jeder Zeit?

... mehr zu:
»Ausdehnung »Economy »New

Difu-Studie: Städte zunehmend rund um die Uhr aktiv.
Folge: enorme gesellschaftliche Kosten


Die Rastlosigkeit heutiger Gesellschaften und die Nutzung neuer "Zeit-Areale", die bisher eher als Ruhephasen galten, bringen nicht nur Vorteile, sie fordern auch einen hohen gesellschaftlichen Preis. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), Berlin, stellt in einer soeben veröffentlichten Studie am Beispiel der drei Fallstudienstädte Berlin, Frankfurt/Main und Wien mögliche Folgen einer Nonstop-Aktivität dar.

Die Eroberung der Nacht ist nicht neu, sie begann bereits mit der Einführung von Kunstlicht. Durch die Difu-Studie werden nun neue Entwicklungstendenzen deutlich. Sie legen nahe, bei künftigen Entscheidungen, die zur zeitlichen Ausdehnung führen und damit zur Aufgabe bisheriger "sozialer Rhythmen" zwingen, vor allem die sozialen, ökonomischen und ökologischen Folgen zu berücksichtigen.

Besonders alarmierend sind hierbei die Erkenntnisse aus der Schlaf- und Unfallforschung: Weltweit passiert ein erheblicher Anteil von Unfällen durch Übermüdung - verursacht durch zu lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit. Diese Unfälle - z.B. Umweltschäden durch Fabrik- oder Atomkraftwerkhavarien, Verkehrsunfälle, Flugzeugabstürze oder Gesundheitsschäden, die durch ständige Nachtarbeit hervorgerufen wurden - verursachen enorme gesellschaftliche Kosten, die bisher überwiegend von der Allgemeinheit bezahlt werden.

Sollte sich dieser Trend zur Ausdehnung von Arbeitszeiten in ehemalige Ruhephasen noch weiter verstärken, so wird auch die Anzahl solcher Schäden weiter steigen. Eine wichtige Herausforderung an Politik und Gesetzgeber besteht daher darin, diese Schäden nicht nur zu reduzieren - vielmehr kommt es darauf an, die Kosten auch dem jeweiligen Verursacher anzulasten.

Hintergrundinformationen:

Ursachen:

Für die zeitliche Ausdehnung von Aktivitäten in die Nacht gibt es verschiedene Gründe: der wirtschaftliche Strukturwandel, der zu einer generellen Beschleunigung in der Wirtschaft und zur Flexibilisierung von Arbeitszeiten und neuen Arbeitsformen führt; die internationale Vernetzung, die viele Angebote rund um die Uhr verfügbar macht (Medien, Internet) sowie Wertewandel und Individualisierung führen dazu, dass Menschen die Nacht zum Tage machen.

Zonen und Branchen:

Durch die Ausdehnung wirtschaftlicher und sonstiger Aktivitäten bilden sich in den Städten Zonen kontinuierlicher Aktivität. Dies sind meist Zonen, die an Verkehrsknoten liegen und für die eine Mischung zeitlich ausgedehnter Funktionen typisch ist - Firmen der New Economy mit ausgedehnten Betriebs- und Arbeitszeiten, Handel, Gastronomie bis hin zu kulturellen Dienstleistungen, häufig auch Wohnen.

Zeitliche Ausdehnungstendenzen lassen sich empirisch in vielen Bereichen feststellen: Insgesamt gibt es eine Gewichtsverschiebung hin zum Dienstleistungssektor, so wird im Zuge der Ausdehnung der Börsen- und Bankenzeiten in dieser Branche erstmals Schichtbetrieb eingeführt. Die Ausdehnung findet gegenwärtig vorrangig am Rande des so genannten Normalarbeitstages, also vor allem in den Abend hinein, statt. Gerade neue Wirtschaftsbereiche (New Economy) sind aber häufig durch sehr ausgedehnte individuelle Arbeitszeiten und ausgedehnte Betriebszeiten gekennzeichnet. Typisch für solche Bereiche des Dienstleistungssektors ist, dass die Arbeitszeiten immer weniger erfasst werden, so dass das Ausmaß der Arbeit (Dauer und Lage im Tag) immer weniger empirisch überprüfbar ist.

Steuerungsmöglichkeiten:

Kontinuierliche Aktivität bringt Probleme der Verträglichkeit mit sich, wie man sie etwa an den Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und Besuchern des Gebietes am Hackeschen Markt in Berlin sehr gut beobachten kann. Damit werden neue Formen der Steuerung erforderlich. Beispiele hierfür sind die Parkraumbewirtschaftung bis in die Nacht, enge Zeitfenster für den Lieferverkehr oder technische Lösungen der Lärmminderung.

Die Fallstudienstädte:

Da es sich bei der zeitlichen Ausdehnung - schon traditionell - vor allem um ein großstädtisches Phänomen handelt, wurden für ausgewählte Branchen (Finanzdienstleistungen, Kultur, New Economy) die Entwicklungstendenzen in drei großen Städten - Berlin, Frankfurt/Main und Wien - vergleichend untersucht und die Besonderheiten in diesen Städten herausgearbeitet. Fazit: Diese Städte sind zwar auf dem Weg in die zeitliche Ausdehnung, aber bis auf wenige Zonen, die sich vor allem in Berlin befinden, von einer Rund-um-die-Uhr Aktivität noch entfernt. Ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass andere Städte auf diesem Weg bereits weiter vorangeschritten sind, sind die "Zeit-Porträts" der hochvernetzten Städte New York, Las Vegas, Tokio und Shanghai mit ihren Nonstop-Gesellschaften.

Die ausführlichen Ergebnisse der Studie sind veröffentlicht in:

Alles zu jeder Zeit?
Die Städte auf dem Weg zur kontinuierlichen Aktivität
Von Matthias Eberling und Dietrich Henckel
Berlin 2002, 396 S., 28 Abb., 14 Tab., 14 Übers., 13 Karten
ISBN 3-88118-326-4 36,- Euro
Difu-Beiträge zur Stadtforschung Band 36
Bestellung: verlag@difu.de oder Telefax: 030/39001-275

Weitere Informationen:
Professor Dr. Dietrich Henckel
Telefon: 030/39001-292 oder -202
Telefax: 030/39001-116
E-Mail: henckel@difu.de

Sybille Wenke-Thiem | idw
Weitere Informationen:
http://www.difu.de/
http://www.difu.de/presse/020716.shtml

Weitere Berichte zu: Ausdehnung Economy New

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften