Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kunststoffkügelchen lassen Myome schrumpfen

07.07.2008
Neue Studien belegen: Embolisation ist eine schonende und erfolgreiche Behandlung bei gutartigen Geschwülsten der Gebärmutter

Etwa jede dritte Frau in Deutschland leidet - meist unbemerkt - unter harmlosen Wucherungen an der Gebärmutter, den Myomen. Bei circa 20 Prozent der Betroffenen führen sie jedoch aufgrund ihrer Größe oder Anzahl zu Beschwerden.

Die Folgen sind schmerzhafte, verstärkte und verlängerte Menstruation bis hin zu Sturzblutungen, Druck auf Blase oder Darm sowie Unfruchtbarkeit. Neben monatelangen Hormontherapien und komplizierten operativen Eingriffen galt bisher die komplette Entfernung der Gebärmutter, die Hysterektomie, als erfolgreichstes Verfahren zur Behandlung von Myomen.

Schonende Alternative zur Gebärmutterentfernung

Doch es gibt eine Alternative: Speziell ausgebildete Radiologen wenden die schonende Methode der Embolisation an. "Bei diesem Verfahren bleibt die Gebärmutter vollständig erhalten, die gefürchteten psychischen Folgeerscheinungen der Gebärmutterentfernung wie Depressionen und das Gefühl, keine vollwertige Frau mehr zu sein, treten nicht auf. Zudem handelt es sich um einen minimal-invasiven Eingriff mit deutlich weniger Risiken als bei einer operativen Entfernung der Gebärmutter. Jetzt belegen auch neueste Langzeitstudien die nachhaltige Wirksamkeit", erklärt Dr. Götz Voshage, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie (DeGIR) und Chefarzt der Abteilung für Radiologie am Robert-Koch-Krankenhaus in Gehrden.

Myome werden "ausgehungert"

Mit der Myomembolisation wird den Myomen die Blutversorgung entzogen - sie werden sozusagen "ausgehungert". Der Eingriff dauert etwa eine Stunde und findet unter Lokalanästhesie statt. Der Arzt schiebt über einen circa 1 mm kleinen Einschnitt in der Leiste einen dünnen Katheter in die Schlagader der Gebärmutter bis zu den Arterien, die das Myom versorgen. Über den Katheter spritzt der Arzt dann sandkorngroße Kunststoffkügelchen direkt in die feinen Verästelungen der Arterie. Dort setzen sich die Partikel fest, verschließen die Adern dauerhaft und schneiden die Myome von der Blut- und Sauerstoffzufuhr ab. Innerhalb weniger Monate schrumpfen die Geschwülste auf durchschnittlich die Hälfte ihrer Größe, und der Körper wandelt das nicht durchblutete Gewebe in Narbengewebe um.

In den allermeisten Fällen verschwinden die Schmerzen, und die Regelblutung verläuft beschwerdefrei.

Erfolgsrate bei 90 Prozent

Da die Kügelchen komplett und dauerhaft die Blutversorgung der Myome unterbinden, ist die Embolisation auch langfristig erfolgreich. Nach dem Eingriff bleiben die Patientinnen nur für zwei bis drei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus. Lediglich bei Myomen, die sich weit in die Gebärmutterhöhle hinein entwickelt haben oder aber nur noch mit einem Gewebsstiel mit der Gebärmutter verbunden sind, raten die Mediziner von der Embolisation ab.

Zurückhaltend sind die Mediziner auch bei Frauen mit Kinderwunsch, da Effekte der Embolisation auf den Eierstock nicht ausgeschlossen werden können und bislang auch keine größeren Studien zu Schwangerschaften nach Embolisation vorliegen. "Die Erfolgsrate dieser Methode liegt bei über 90 Prozent. In anglo-amerikanischen Ländern und Frankreich wenden Kollegen die Embolisation bei Myomen bereits seit zehn Jahren an", sagt Dr. Voshage. Prominentes Beispiel: US-Außenministerin Condoleezza Rice ließ sich im Jahr 2004 erfolgreich mit dieser Methode behandeln. Inzwischen zahlen die gesetzlichen Krankenkassen diese Behandlung.

Florian Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.drg.de/
http://www.myomembolisation.org

Weitere Berichte zu: Embolisation Gebärmutter Myom Radiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik