Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nutzer pflegen paradoxen Umgang mit persönlichen Daten

03.07.2008
Betreiber missbrauchen Meinungsfreiheit zu Marketingzwecken

Der Umgang mit privaten Daten gestaltet sich bei den meisten Menschen zwiespältig. Einerseits wird der Schutz und das Einhalten der Privatsphäre gefordert, andererseits neigen viele dazu, online jede Menge an Information, persönliche Fotos und Videos öffentlich zu machen.

In den USA gehen Forscher diesem vermeintlichen Paradoxon nun auf den Grund und versuchen, das menschliche Verhalten in diesem Zusammenhang genauer zu erklären. Im Zuge eines Security and Human Behavior Workshop in Boston stellte der Wissenschaftler George Loewenstein von der Carnegie Mellon University nun erste Ergebnisse vor: Unsere Privatheits-Prinzipien stehen demnach auf wackeligen Beinen. Je nachdem, wer wie und in welchem Kontext nach Daten fragt, bekommt diese mehr oder weniger leicht zugänglich gemacht, berichtet Cnet.

Dieses Verhalten sei aber nicht zwingend als paradox anzusehen, meint Hans Zeger, Obmann der Arge Daten, im Gespräch mit pressetext. "Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit - denn neben dem Grundrecht auf Privatsphäre gibt es auch das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und dieses kann eben auch darin bestehen, persönliche Dinge von sich im Internet zu präsentieren."

... mehr zu:
»Meinungsfreiheit

Das Recht auf freie Meinungsäußerung sei genauso zu schützen wie die persönliche Privatsphäre. "Allerdings beobachte ich mit Sorge, dass manche Datenschützer Leuten einreden wollen, sie sollten nichts mehr von sich Preis geben", so Zeger. Die größte Bedrohung komme von den Plattform- und Foren-Betreibern selbst. Diesen ginge es nicht um den Erhalt der Meinungsfreiheit, sondern um die Weiterverwendung von Daten für Marketingaktivitäten.

Die US-Forscher entdeckten im Zuge verschiedener Experimente mit Studenten, dass offenbar vor allem eine lockere, informelle Online-Atmosphäre die Bereitschaft erhöht, persönliche Informationen herauszugeben. Obwohl sich zumeist unprofessionelle oder fragwürdige Seiten, die eher eine Gefahr für den Datenschutz darstellen, auf diese Weise präsentieren, zeigten sich die Probanden dort freizügiger. Für den zwiespältigen Umgang mit der eigenen Privatsphäre gibt es laut Marit Hansen, stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, durchaus psychologische Erklärungen. "Viele Personen sind auch im wirklichen Leben bereit, zum Beispiel einem Mitfahrer im Zugabteil teilweise sehr persönliche Details zu erzählen", sagt Hansen gegenüber pressetext. Wüsste jemand, dass er dieselben Leute anschließend wieder trifft, etwa als Arbeitgeber oder Kollege, würde auf das Offenbaren von Informationen verzichtet, meint Hansen.

Die angenommene anonyme Kommunikationssituation fände sich auch in der Online-Welt. "Die Nutzer fühlen ihre zahlreichen Gegenüber nicht, es gibt nicht einmal eine körpersprachliche, unmittelbare Rückkopplung", erläutert die Datenschutzexpertin. Hemmschwellen seien höher, wenn sich Leute ausgefragt fühlten, etwa aufgefordert würden, einen detaillierten Fragebogen auszufüllen, der medizinische Daten, sexuelle Vorlieben oder Suchtpotenziale erhebt. Letztlich müssen sich die Internetnutzer bewusst darüber sein, dass auch das Web ein öffentlicher Ort ist. Um weder Datenschutz noch Meinungsfreiheit zu gefährden, wäre ein Informationssicherungsgesetz von Nöten, meint Zeger.

"Wenn jemand eine Plattform betreibt, auf der Menschen ihre Meinung äußern, dann müssen der Bestand der Seite, ein breites Meinungsspektrum sowie bestimmte Sicherheitsmaßnahmen gewährleistet sein." Im Missbrauch von öffentlichen Daten - etwa wenn Arbeitgeber im Netz Partyfotos ausforschen und in ihre Einstellungspolitik einfließen lassen - sieht Zeger ebenso eine Diskriminierung, wie es Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht oder Herkunft sind.

Claudia Zettel | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.cmu.edu
http://www.argedaten.at
http://www.datenschutz.de

Weitere Berichte zu: Meinungsfreiheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie