Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein Ausverkauf deutscher Entwicklungskompetenz

23.06.2008
Neben ihrer Produktion verlagern deutsche Betriebe zunehmend auch Forschung und Entwicklung ins Ausland - allerdings aus anderen Motiven. Kritisch ist insbesondere der aktuelle Fachkräftemangel, der wirksame Gegenstrategien erfordert.

Folgt der Verlagerung von Produktionskapazitäten jetzt auch eine Verlagerungswelle bei Forschung und Entwicklung? Dieser Frage ging das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe nach.

Danach sind die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland noch recht zaghaft bei der Verlagerung ihrer Forschung und Entwicklung in andere Länder. Nur 3,6 Prozent der Betriebe haben zwischen 2004 und 2006 Teile dieser Aktivitäten ins Ausland verlagert. Dabei waren jedoch große Unternehmen mit über 500 Beschäftigten besonders aktiv. Sie bringen fast 90 Prozent der industriellen FuE-Aufwendungen auf. Jeder siebte große Betrieb hat bereits Teile seiner Forschung und Entwicklung ins Ausland verlagert.

"Das ist aber kein Anlass zur Sorge", so Projektleiter Steffen Kinkel. Jährlich seien bislang lediglich etwa 4.500 Arbeitsplätze von Verlagerungen betroffen, was 1,5 Prozent der FuE-Arbeitsplätze im deutschen Verarbeitenden Gewerbe entspreche. Einen Ausverkauf deutscher Forschungs- und Entwicklungskompetenz sieht Steffen Kinkel deshalb nicht. Auch die Sogwirkung von ins Ausland verlagerten Produktionskapazitäten sei nicht dramatisch. Jeder achte bis zehnte Betrieb, der Produktion ins Ausland verlagert hat, verlagert drei bis fünf Jahre später auch Teile von Forschung und Entwicklung. Dadurch dürfte die Quote der FuE-Verlagerer bis 2010 von 3,6 auf höchstens sechs Prozent ansteigen.

Während bei Verlagerungen in der Produktion Kosteneinsparungen an erster Stelle stehen, zwingen vor allem Kapazitätsengpässe durch fehlendes Fachpersonal die befragten Unternehmen dazu, Teile ihrer Forschung und Entwicklung ins Ausland zu verlagern. Hier gilt es Gegenstrategien zu entwickeln, weil sonst die Gefahr besteht, dass Unternehmen zum Ausbau ihrer Forschung und Entwicklung aus Fachkräftemangel ins Ausland gehen. An zweiter Stelle folgen dann allerdings die Personalkosten, was ein Indiz dafür ist, dass deutsche Forscher und Entwickler in Unternehmen trotz ihres hervorragenden Rufs künftig stärkeren Kostendruck spüren dürften.

Wenn Betriebe ihre Forschung und Entwicklung verlagern, dann vorzugsweise nach Asien (32 Prozent) oder in die neuen EU-Länder (22 Prozent). Das beliebteste Land ist Russland (17 Prozent) gefolgt von China (14 Prozent). Nordamerika, eine bevorzugte Region für Zusatzinvestitionen in Forschung und Entwicklung, ist mit 7 Prozent für Verlagerungen von Forschung und Entwicklung wenig attraktiv.

Die Studie im Internet: http://www.isi.fraunhofer.de/i/dokumente/pi46.pdf

Kontakt:
Dr. Steffen Kinkel
Telefon: 0721 / 6809 - 311
E-Mail: steffen.kinkel@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Marktpotenziale technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik, Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme, Politik und Regionen, Regulierung sowie Innovations- und Technologiemanagement und Vorausschau.

Bernd Müller | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de
http://www.isi.fraunhofer.de/i/dokumente/pi46.pdf
http://www.isi.fraunhofer.de/pr/presse.htm.

Weitere Berichte zu: Entwicklungskompetenz Produktionskapazität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics