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Neue Studie der Weltgesundheitsorganisation zur Gesundheit junger Menschen

20.06.2008
Deutliche Verbindung zwischen Wohlstand und Gesundheit

Gesundheit und Gesundheitsverhalten junger Menschen fallen in Europa und Nordamerika sehr unterschiedlich aus. Zwischen dem sozioökonomischen Status der Familie und der Gesundheit eines jungen Menschen lässt sich eine starke, aber vielschichtige Beziehung feststellen: So lauten die wichtigsten Ergebnisse der neuesten Ausgabe der einzigartigen länderübergreifenden Studienreihe, die das Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation WHO und die Universität Bielefeld gestern vorstellten.

Auf der Grundlage einer im Zeitraum 2005/2006 in 41 Ländern und Regionen in Europa und Nordamerika durchgeführten Befragung von 204 000 jungen Menschen (im Alter von 11, 13 und 15 Jahren) bietet der vierte internationale HBSC-Bericht ("Health Behaviour in School-aged Children") die bis heute umfassendsten Erkenntnisse zu Gesundheit und Gesundheitsverhalten junger Menschen im gesellschaftlichen Kontext industrialisierter Nationen. Die Befragung wurde in 34 europäischen Staaten, Israel, der Türkei, Kanada und den USA durchgeführt.

Aus dem Bericht geht deutlich hervor, dass sich Jungen und Mädchen in Bezug auf ihre Angaben zu Gesundheitsverhalten und gesundheitlichen Ergebnissen unterscheiden. Die Daten zeigen allerdings keine generellen Vorteile für das eine oder andere Geschlecht, sondern deuten nur auf unterschiedliche Problemgebiete der Jungen und der Mädchen hin. Zwar neigen Jungen weiterhin eher zu Risikoverhalten, doch stützen die Verhaltensmuster in Bezug auf das Rauchen die These einer möglichen Angleichung. Und obwohl sie sich gesünder ernähren und weniger an Übergewicht und Adipositas leiden, unterziehen Mädchen sich eher einer Schlankheitskur und sind eher mit ihrem Körper unzufrieden.

Die Angaben von Jungen aus Nordeuropa über ihre Gesundheit sind im Vergleich positiver. Junge Menschen in Westeuropa und Jungen in Nordeuropa berichten von schlechteren familiären Beziehungen und einer größeren Bedeutung der Gleichaltrigen für sie als die Jugendlichen Ost- und Südeuropas. Nordamerika fällt einerseits durch die geringste Raucherquote und andererseits den höchsten Cannabiskonsum auf. Dieser Befund verdient eine weitere Untersuchung. Der Bericht bestätigt auch die weite Verbreitung von Adipositas in Nordamerika, den relativ geringen Obstverzehr in Teilen Nordeuropas und den im Vergleich zu Ost- und Südeuropa in Westeuropa ausgeprägteren Gebrauch der Pille als Verhütungsmittel.

Der festgestellte klare Zusammenhang zwischen dem Wohlstand der Familie und gesunden sowie gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen bestätigt frühere HBSC-Analysen in Bezug auf die Selbsteinschätzung der Gesundheit, den täglichen Obstverzehr, den Limonadenkonsum, das Zähneputzen und die körperliche Betätigung. Die aktuelle Untersuchung bestätigte auch frühere Studien, die bereits einen uneinheitlichen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und dem Tabak- und Alkoholkonsum im Jugendalter aufzeigten. Der Wohlstand der Familie wirkte sich nach Land und Region in unterschiedlicher Weise auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten aus.

Die HBSC-Studie in Deutschland

Ergänzend zum internationalen Report legte die Deutsche HBSC-Studiengruppe unter der Leitung von Dr. Matthias Richter und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann (beide Universität Bielefeld) vor wenigen Tagen die detaillierten Ergebnisse für Deutschland vor. Diese Ergebnisse bestätigen den internationalen Trend. Auch für Deutschland zeigt sich ein gravierender Zusammenhang zwischen Wohlstand und Gesundheit bei Heranwachsenden. Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem familiärem Wohlstand zeigen häufiger ein schlechtes Ernährungsverhalten, eine geringe körperliche Aktivität und eine deutlich schlechtere Gesundheit. Ein signifikanter Einfluss zeigt sich auch für die Schulform: Jungen und Mädchen aus Haupt- und Realschulen berichten häufiger über körperliche und psychische Beschwerden sowie eine geringe mentale Gesundheit und Lebenszufriedenheit.

Die HBSC-Studie unter der Federführung des Bielefelder WHO Collaborating Centers for Child and Adolescent Health Promotion wurde in Deutschland bereits zum vierten Mal durchgeführt. Damit liegen erstmalig aussagekräftige Daten über längerfristige Entwicklungen in der Gesundheit und dem Gesundheitsverhalten vor. Die Ergebnisse zeigen nach einem Anstieg des Konsums von Tabak, Alkohol und Cannabis 1994 bis 2002 einen deutlichen Rückgang der gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen von 2002 auf 2006. Bei 15-jährigen Jungen sind die Raten des regelmäßigen Tabakkonsums in den letzten vier Jahren von 32% auf 18% gefallen und bei Mädchen von 32% auf 22%. Die Raten alkoholbedingter Rauscherfahrungen sind von 1994 auf 2002 um etwa 10% Prozentpunkte auf 43% bei Jungen und 35% bei Mädchen gestiegen, um anschließend von 2002 auf 2006 auf fast die gleichen Werte wie 1994 zu fallen (32% bzw. 27%).

In Deutschland waren über 11.000 Schülerinnen und Schüler aus den Bundesländern Nordrhein Westfalen, Hamburg, Hessen, Sachsen und Berlin in die Befragung einbezogen. Die Jugendlichen wurden nach ihrem gesundheitlichen Verhalten und der Einschätzung ihres Gesundheitszustandes gefragt. Zusätzlich wurden soziale Indikatoren aus den Bereichen Familie, Schule, Freundschaft und Freizeit einbezogen. Es waren mehrere hundert Schulklassen mit Schülerinnen und Schülern im Alter von 10 bis 16 Jahren beteiligt.

Ein Infoblatt und der komplette HBSC-Bericht stehen im Internet unter http://www.euro.who.int/mediacentre/PR/2008/20080616_1?language=German

zum Download zur Verfügung

Kontakt:

Dr. Matthias Richter
Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld
Tel.: 0521 /106 - 3878
E-Mail: matthias.richter@uni-bielefeld.de
Prof. Dr. Klaus Hurrelmann
Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld
Tel.: 0521 / 106 - 3834
E-Mail: klaus.hurrelmann@uni-bielefeld.de
Für Belegexemplare der HBSC-Studie "Richter M, Hurrelmann K, Klocke A, Melzer W, Ravens-Sieberer U. (Hrsg.) (2008). Gesundheit, Ungleichheit und jugendliche Lebenswelten: Ergebnisse der zweiten internationalen Vergleichsstudie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO. Weinheim: Juventa" wenden Sie sich bitte an:
Juventa Verlag:
Christiane Engel-Haas
Tel.: 06201 / 9020 - 18

Torsten Schaletzke | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/
http://www.euro.who.int/mediacentre/PR/2008/20080616_1?language=German

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