Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energieversorger: Finanzkommunikation erfüllt nicht die Erwartungen der Kapitalmärkte

11.07.2002


Studie von PwC: Sehr große Diskrepanz zwischen Unternehmen, Investoren und Analysten bei der Auswahl der Kriterien für die Unternehmensbewertung / Traditionelles Berichtswesen reicht nicht aus / Veränderte Informationspolitik für bessere Bewertung nötig


70 Prozent der Führungskräfte von Energieversorgern weltweit halten ihre Unternehmen derzeit im Aktienmarkt für unterbewertet - in den USA sind dies sogar 93 Prozent. Eine deutliche Mehrheit von 69 Prozent der Führungskräfte aus diesen Unternehmen ist der Meinung, besonders proaktiv und intensiv mit Investoren und Analysten zu kommunizieren. Diese Ansicht teilen jedoch nur vier Prozent der Investoren und Analysten. 83 Prozent der Investoren bezeichnen die Art und Weise der Finanzkommunikation von Energieversorgern als einseitig und reaktiv - sie wünschen sich einen aktiveren Dialog und mehr Initiative von Unternehmensseite. Denn die überwiegende Mehrheit (90 Prozent) der Investoren geht davon aus, dass eine mehr auf die wirklichen Bedürfnisse des Kapitalmarkts abgestimmte Informationspolitik zu mehr Langzeitinvestitionen führen würde.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studie Competing for Capital - Recognising Utilities’ Worth von PwC. Das MORI Institut befragte zwischen Oktober 2001 und März 2002 im Auftrag von PwC 36 Führungskräfte von Energieversorgungsunternehmen (Chief Financial Officers und Leiter Investor Relations) in Europa, Nord- und Südamerika sowie Australien zur Bewertung ihrer Unternehmen und zur Kommunikation mit den Kapitalmärkten. Die Marktkapitalisierung der analysierten Unternehmen liegt insgesamt bei mehr als 230 Milliarden US-Dollar (250 Milliarden Euro).


Für die Studie wurden Unternehmen mit Aktivitäten in Energieerzeugung, Energieverteilung und -vertrieb, Handel, Netzen und energiebezogenen Dienstleistungen befragt. Außerdem äußerten 51 institutionelle Investoren und 26 sell-side Analysten führender Investmentbanken aus Europa und den USA ihre Meinung zur Bewertung und Kommunikation der Unternehmen.

Die traditionelle Berichterstattung reicht nicht aus

Mit Hilfe des von PwC entwickelten ValueReportingTM Systems wurden branchenspezifische Indikatoren für die Unternehmensbewertung durch die Kapitalmärkte und die Unternehmen identifiziert. ValueReportingTM basiert auf einem Grundmodell von Informationen zu Märkten, Strategie, wertorientiertem Management und Wertebasis. In diesem Rahmen haben Investoren und Analysten 37 für sie relevante Faktoren genannt - nur über wenige davon fühlen sie sich von den Energieversorgern tatsächlich informiert. Die Wichtigkeit von Informationen zu Unternehmensstrategie, Marktsituation und -position wird nach Meinung der Investoren und Analysten von den Unternehmen unterschätzt und deshalb nicht ausreichend kommuniziert.

Etwa die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, zu wenig über die Qualität des Managements, über Risikomanagement-Prozesse, die Wettbewerber, Mitarbeiter und Kunden informiert zu sein. Größeres Interesse als von Unternehmensseite aus erwartet besteht auch an Sozial- und Umweltberichten bis hin zu Sustainability Reports.

"Investoren erwarten Informationen, die über die klassischen Kennzahlen hinausgehen. Die Unternehmen werden weiter über ihre Bewertung enttäuscht sein, wenn sie dies nicht aufgreifen und die Prioritäten der Kapitalgeber in einem freien, liberalisierten Energiemarkt umfassend berücksichtigen", sagt Manfred Wiegand, Partner und Utility Leader Deutschland bei PwC in Düsseldorf.

Diskrepanz bei Energieversorgern größer als in anderen Industrien

Untersuchungen von PwC in weiteren Branchen wie zum Beispiel Chemie, Telekommunikation und Konsumgüter ergaben, dass die Diskrepanz zwischen der Bewertung der Unternehmen durch das eigene Management einerseits und durch die Akteure der Kapitalmärkte andererseits nirgendwo so groß ist, wie bei den Energieversorgern. "Die Versorgungsunternehmen riskieren deshalb im Wettbewerb mit anderen Branchen um Kapital Kostennachteile und Unterbewertungen hinnehmen zu müssen und damit längerfristig für feindliche Übernahmen anfälliger zu werden", so Manfred Wiegand, PwC.

Veränderte Informationspolitik zahlt sich aus

Dabei würde der Kapitalmarkt Energieversorgungsunternehmen für eine bessere Informationspolitik belohnen. Darin stimmen Unternehmen und Investoren überein. 90 Prozent der institutionellen Investoren sind der Ansicht, dass sich eine auf die Bedürfnisse des Kapitalmarkts abgestimmte Information positiv auf alle Bereiche auswirkt: eine höhere Glaubwürdigkeit des Managements, mehr Langzeitinvestitionen, geringere Volatilität der Aktienkurse und eine bessere Unternehmensbewertung. 75 Prozent der Befragten halten auch eine Reduzierung der Kapitalkosten für wahrscheinlich.

Neue Kommunikationsstrategien sind gefragt

Die widersprüchlichen Einschätzungen von Unternehmen und Investoren zur Unternehmensbewertung setzen sich in Bezug auf das Kommunikationsverhalten der Versorgungsunternehmen fort. 83 Prozent der Investoren bezeichnen den Dialog der Unternehmen als eine Einbahnstraße und einen reaktiven Prozess. 17 Prozent der Energieversorgungsunternehmen teilen diese Ansicht. Außerdem wünschen sich Investoren und Analysten zusätzliche Formen der Kommunikation, wie zum Beispiel Roadshows, Geschäftsberichte auch in elektronischer Form und mehr Zugriff auf Informationen auf der Website der Unternehmen.

Die Qualität der Informationen muss stimmen

Die Kapitalmärkte benötigen qualitativ hochwertige Kennzahlen und Informationen. Doch Energieversorgungsunternehmen stehen heute vor der Schwierigkeit, in sich schnell ändernden Märkten interne Systeme und Maßnahmen zur Anpassung an den freien Wettbewerb entwickeln zu müssen. Gleichzeitig haben sie über immer mehr Bereiche ihres Kerngeschäftes zu berichten und dabei gegebenenfalls noch ihr Verhältnis zur Regulierungsbehörde zu beachten. Aufgrund dieser Situation halten die befragten Manager die Qualität der Daten und damit ihr Wertpotential noch für steigerungsfähig.

"Die Energieversorgungsunternehmen müssen ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse der Investoren entwickeln und eine größere Bandbreite aussagekräftiger und handhabbarer Kennzahlen und Informationen ausarbeiten, die deutlich über finanzielle Kriterien hinausgehen. Nach Enron ist eine umfassende Berichterstattung noch wichtiger geworden," betont Franz Wagner, Energy Leader Deutschland bei PwC in München.

Die Studie Competing for Capital - Recognising Utilities’ Worth können Sie unter www.pwcglobal.com/competingforcapital kostenfrei anfordern.

Franz Wagner | ots

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften