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Cannabismissbrauch löst Schizophrenie vorzeitig aus und verschlimmert die Psychose

11.07.2002


Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Heinz Häfner stellt in der Fachzeitschrift "Nervenheilkunde" eine neue Studie vor



Eine neue Studie der Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Heinz Häfner belegt, dass Cannabismissbrauch schon zur Zeit des Ausbruchs einer Schizophrenie bei den Kranken doppelt so häufig zu beobachten ist wie bei alters- und geschlechtsgleichen Personen aus der selben Bevölkerung. Außerdem konnte die Arbeitsgruppe nachweisen, dass der Missbrauch den Ausbruch der Krankheit vorzeitig auslöst. "Diese Information ist für die gegenwärtige Diskussion um die Entlassung von Cannabis aus der Betäubungsmittelverordnung von einigem Interesse", kommentiert Häfner. Der Psychiater und frühere Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit ist Emeritus der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim der Universität Heidelberg.



"Vorzeitige Auslösung der Psychose durch Substanzmissbrauch und Folgen für den weiteren Verlauf" heißt der Titel der Veröffentlichung von Heinz Häfner, Babette Bühler, Martin Hambrecht, Walter Löffler, Kurt Maurer und Wolfram an der Heiden in "Nervenheilkunde 4/2002".

Der Missbrauch illegaler Substanzen - in 88 % von Cannabis und Alkohol - vor Ausbruch und in Frühstadien der Schizophrenie wird in der Studie an einer repräsentativen Stichprobe erster Krankheitsepisoden im Vergleich mit gematchten Kontrollen aus derselben Bevölkerung untersucht. Das relative Risiko (Lebenszeitprävalenz) zum Zeitpunkt der Erstaufnahme beträgt 2 (23,7 % versus 12,3 % für Alkohol- und 14,2 % versus 7,0 % für Substanzmissbrauch).

Die Hypothese einer vorzeitigen Auslösung der Schizophrenie wurde an der zeitlichen Aufeinanderfolge von Beginn des Missbrauchs und Ausbruch der Krankheit analysiert: Entgegen der Hypothese findet sich kein Hinweis auf Auslösung der Psychose, aber ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen Beginn des Substanzmissbrauchs und Ausbruch der Krankheit, die sich in 35 % im gleichen Monat ereignen. Langzeiteffekte des frühen Missbrauchs, untersucht in sechs Querschnitten über fünf Jahre ab Erstaufnahme, sind vermehrte positive und verminderte negative Symptome. Vor allem wird die affektive Verflachung signifikant reduziert, was hier die Deutung des Missbrauchs als dysfunktionales Coping nahelegt. Behandlungs- und Versorgungscompliance werden durch Missbrauch mit ungünstigen Folgen für den sozialen Verlauf deutlich vermindert.

Häfner kommentiert: "Die Studie ergab, dass der Cannabismissbrauch Symptome der Psychose eindeutig verstärkt, während Gleichgültigkeit und Abstumpfung, worunter manche Kranke ausgesprochen leiden, vermindert werden." Dies erhöhe die Versuchung zu einer Art Selbsttherapie, die allerdings häufig ungünstige Folgen hat. "Im längerfristigen Verlauf ist Cannabismissbrauch bei schizophren Erkrankten mit verminderter Therapie- und Rehabilitations-Compliance und mit ungünstigen sozialen Folgen verbunden", sagt der Psychiater.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. Dr. Dres.h.c. H. Häfner
Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
J5, 68159 Mannheim
Tel. 0621 1703725, Fax 1703 266
hhaefner@as200.zi-mannheim.de

allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de<7a>

Dr. Michael Schwarz | idw

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