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Gentherapie soll Amputationen vermeiden

13.06.2008
Eine der erste Studien zu neuer Behandlungsform wird am UKM durchgeführt / Patienten gesucht

Können in Zukunft Patienten mit schweren Gefäßerkrankungen durch eine Gentherapie behandelt werden?

Prof. Dr. Sigrid Nikol, Leiterin der Angiologie der Medizinischen Klinik C (Kardiologie und Angiologie) des Universitätsklinikums Münster (UKM) ist zuversichtlich, dass in absehbarer Zeit ein solches Verfahren anwendbar ist. Die Münsteraner Gefäßexpertin arbeitet derzeit an einer Zulassungs-Studie zu einer solchen Gentherapie. Und dafür sucht sie nach Patienten mit schweren Gefäßerkrankungen.

„Im Rahmen der bisherigen Studien haben wir sehr viel versprechende Ergebnisse erhalten. So konnten wir bei Patienten mit schweren Beinischämien (Ischämie = Blutleere) die Amputationsrate halbieren. Jetzt können wir den nächsten Schritt in Richtung Zulassung als Medikament machen“, so Nikol. Vereinfacht sieht das Schema einer Gentherapie so aus: Patienten werden die körpereigene Gene gespritzt, die für Bildung von Gefäßen zuständig sind. Dadurch soll dann das erneute Wachstum der Gefäße gefördert werden. Der Fachbegriff hierfür lautet „Angiogenese“. Nikol: „Es geht darum, schwer erkrankten Patienten neue Therapieformen anbieten zu können. Dabei handelt es sich um Patienten, bei denen ein gefäßchirurgischer Eingriff oder eine Katheterbehandlung nicht mehr möglich ist. Das UKM ist eines der ersten deutschen Zentren, in denen eine Studie in dieser Phase durchgeführt wird. Unser Ziel ist es, in Zukunft die Anzahl von Amputationen in Folge einer Gefäßerkrankung deutlich zu verringern.“ Die Studie läuft unter dem Begriff „TAMARIS-Studie“. Prof. Nikol ist Leiterin der Klinischen Prüfung in Deutschland.

Die UKM-Medizinerin sucht für die aktuelle Studienphase nun Patienten. Hierfür gelten exakt definierte Kriterien und Voraussetzungen. Zu den Voraussetzungen zählen etwa, dass die Patienten über 50 Jahre sein müssen und an einer so genannten „kritische Extremitätenischämie und Hautulzeration“ (z.B. „offenes Bein“) erkrankt sind. Auch muss eine Vielzahl von Tests durchgeführt werden. Patienten, denen beispielsweise ein Teil des betroffenen Beines bereits amputiert wurde oder bei denen einen Amputation unmittelbar geplant ist, können nicht an der Studie teilnehmen. Hinzu kommen weitere exakt definierte Ausschlusskriterien.

Nach einer mehrwöchigen Durchuntersuchungsphase startet die Studie zu vier Terminen im Studienzentrum in jeweils zweiwöchigen Abständen. Nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten erfolgen Nachsorge-Untersuchungen, sowie nach 18 Monaten ein letzter Kontakt (als Besuch im Zentrum oder telefonisch). Die Reisekosten werden übernommen. Eine Patientenvorstellung ist per Telefon, Fax, Email (nikol@uni-muenster.de) im Studienzentrum am UKM (0251-8347580 oder -83-45569) oder der angiologischen Ambulanz (83-47625) jederzeit möglich.

„In den letzten zehn Jahren gab es auf dem Gebiet der Gefäßtherapie enorme Fortschritte. Mit dem Verfahren der Gentherapie können wir eine neue Therapieform entwickeln. Ich bin überzeugt, dass schon in einigen Jahren viele Patienten flächendeckend davon profitieren können“, so Nikol. In neun Monaten soll die Patientenaufnahme in die Studie und in gut zwei Jahren soll die Studie insgesamt einschließlich Nachbeobachtung abgeschlossen sein.

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

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