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US-Studie: Hormon-Ersatz-Therapie bietet keinen Schutz vor Herzinfarkt

08.07.2002


Ob Hormone Frauen nach den Wechseljahren gesundheitlich nutzen oder nicht, das ist äußerst umstritten. Während manche Studien einen Schutz für Herz und Gefäße belegt sehen, finden andere keinerlei Anhaltspunkte dafür.

So auch eine Studie, die jetzt in der angesehenen Fachzeitschrift „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht worden ist. Wie die Forscher der University of California in San Francisco herausfanden, senkte eine Hormon-Ersatz-Therapie mit Östrogen plus Progestin – zumindest bei herzkranken Frauen – nicht das Risiko für Herzinfarkt oder Tod. Progestin ist die synthetische Form von Progesteron und – pikanterweise – genau das Hormon, das derzeit in den Niederlanden für Aufregung sorgt, weil es vorschriftswidrig im Schweinefleisch landete.

Am Anfang dieser Untersuchung stand die so genannte HERS-Studie, die den Effekt einer Hormon-Ersatz-Therapie bei Frauen mit verkalkten Herzkranzgefäßen abschätzen sollte. An ihr nahmen 2763 Seniorinnen (Durchschnittsalter: 67 Jahren) teil. Das überraschende Ergebnis: Das Risiko für Herzerkrankungen nahm im ersten Studienjahr sogar noch zu. In den folgenden Jahren schien das Risiko allerdings wieder zu sinken. Um die Langzeit-Effekte genau abzuschätzen, wurde eine Nachfolge-Studie angesetzt, die HERS II-Studie, deren Resultate jetzt vorliegen.

Der Trend zum reduzierten Risiko für Herzinfarkte setzte sich in den folgenden Jahren nicht fort. Mehr noch: Die Hormone boten den herzkranken Frauen nicht nur keinen Nutzen, sondern steigerten sogar das Risiko für Thrombosen und Erkrankungen der Gallenblase. So sei das Risiko für Blutgerinnsel in Beinen und Lunge unter der Hormontherapie verdoppelt gewesen, erklärte Studienleiter Prof. Dr. Stephen Hulley. Dabei verzeichnete er die stärkste Erhöhung in den ersten Jahren der Therapie. Zudem – so Hulley weiter – sei das Risiko für Erkrankungen der Gallenblase, die einer Operation bedurften, um fast 50 Prozent gesteigert gewesen.

Auch wenn eine Hormon-Ersatz-Therapie in puncto Herzschutz offenbar nicht viel Zweck hat: Hormone werden oft eingesetzt, um Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen zu bekämpfen. Bei den meisten Frauen in der Frühphase der Wechseljahre könnten wenige Jahre Hormon-Ersatz-Therapie diese Symptome bei minimalem Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen lindern, urteilte Prof. Dr. Deborah Grady, die ebenfalls maßgeblich an der Studie beteiligt war.

JAMA (2002) Vol. 288, No. 1, pp. 49 – 57, 58 – 66

| (mc)

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