Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arzneimittelstudie: Geringere Blutung nach Schlaganfall, aber nicht weniger Todesfälle

04.06.2008
Veröffentlichung im "New England Journal of Medicine" / Neurologische Universitätsklinik Heidelberg koordinierte Studie in Europa

Eine internationale Studie, die im Mai 2008 im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht worden ist, hat gezeigt, dass das Gerinnungseiweiß "Faktor VIIa" das Ausmaß einer Hirnblutung beschränken kann. Allerdings können dadurch langfristig keine Todesfälle oder schweren Behinderungen verhindert werden.

Weitere Studien müssen klären, ob die neue Therapie mit dem gentechnisch hergestellten Medikament für eine besondere Gruppe von Patienten geeignet ist, die - wie die Studie gezeigt hat - dennoch von der Therapie profitieren könnten. Diese Patienten haben eine begrenzte Blutung und sollten nicht älter als 75 Jahre sein.

An der Studie nahmen 841 Patienten in 73 Zentren in 20 Ländern teil. Mitglied in der Planungsgruppe, Studienkoordinator für Europa und Senior Autor der Veröffentlichung ist Professor Dr. Thorsten Steiner, Geschäftsführender Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Werner Hacke).

... mehr zu:
»Behinderung »Blutung »Schlaganfall

Hirnblutungen machen etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle aus. Oft sind sie tödlich; rund 80 Prozent der überlebenden Patienten sind schwer behindert. Besonders problematisch sind Nachblutungen, die vor allem in den ersten drei Stunden bei einem Drittel der Patienten auftreten. Bislang gibt es dafür keine Behandlungsmöglichkeiten.

Frühere Studie wies eine Reduktion der Sterblichkeit nach

Vor drei Jahren hatte eine erste Studie mit dem Faktor VIIa-Präparat mit dem Handelsnamen NovoSeven, das für die klinische Anwendung noch nicht zugelassen ist, gezeigt, dass das Medikament die Sterblichkeit nach einer Blutung senken und die Behinderungen reduzieren kann. Die Studie war ebenfalls im "New England Journal" veröffentlicht worden.

Die neue Studie vergleicht die Wirksamkeit von Faktor VIIa in zwei Dosierungen (20 und 80 Mikrogramm) mit einem Scheinpräparat (Plazebo). Das Ausmaß der Blutung - sichtbar im Computertomogramm - war bei der Plazebogruppe (26%) deutlich größer als bei den mit 80 Mikrogramm (11%) und 20 Mikrogramm (18%) behandelten Patienten. Dennoch gab es keine Unterschiede in der Anzahl der Patienten, die nach dem Schlaganfall verstarben, oder eine schwere Behinderung davon trugen. Patienten, die mit der höheren Dosis Faktor VIIa behandelt wurden, litten aber häufiger an Thrombosen und Embolien.

Weniger Hochrisiko-Patienten in der Placebo-Gruppe / Neue Studie an bestimmter Patientengruppe?

"Ein entscheidender Grund für das negative Ergebnis ist die Tatsache, dass mehr Hochrisiko-Patienten in den mit Faktor VII behandelten Patientengruppen waren als in der Placebogruppe", erklärt Professor Steiner. Diese Patienten hatten häufiger Ventrikelblutungen (Blutungen in den mit Nervenwasser gefüllten Hohlraum im Gehirn) und Bluthochdruck. "Ventrikelblutungen erhöhen die Sterblichkeit um das 4 bis 5-fache und hohe Blutdruckwerte das Risiko einer Nachblutung", so Professor Steiner. Auch das Alter der Patienten hat einen Einfluss.

"Wir haben außerdem festgestellt, dass ab einer bestimmten Größe der Hirnblutung eine klinische Besserung sehr unwahrscheinlich ist, und zwar unabhängig von der Behandlung," so Professor Steiner. Möglicherweise wirkt das Medikament vor allem bei Patienten, deren Blutungen eine bestimmte Größe nicht überschreitet, die kein oder nur eine begrenzte Menge an Blut im Ventrikel haben, und ein bestimmtes Alter nicht übersteigen. Dies sollte in einer weiteren Studie untersucht werden.

"Wir würden es deshalb begrüßen, wenn der Hersteller des Medikaments sich dazu entschließen könnte, eine Studie bei dieser speziellen Gruppe von Patienten durchzuführen", sagt Professor Steiner. Inwieweit ein erhöhter Blutdruck das Nachblutungsrisiko in der Akutphase eines Schlaganfalls erhöht, wird gegenwärtig bereits in einer anderen Studie untersucht.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Thorsten Steiner, MME
Geschäftsführender Oberarzt
Neurologische Universitätsklinik Heidelberg
Tel: 06221 / 56 39 096
E-Mail: Thorsten.Steiner@med.uni-heidelberg.de
Pressemitteilung 43/2005 "Erstmals erfolgreiche Therapie bei Hirnblutung" vom 4. März 2005:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/uploads/media/pm43_01.pdf

Literatur:
Mayer SA, Brun NC, Begtrup K, Broderick J, Davis S, Diringer MN, Skolnick BE, Steiner T; FAST Trial Investigators: Efficacy and safety of recombinant activated factor VII for acute intracerebral hemorrhage. N Engl J Med. 2008 May 15;358(20):2127-37.

Stephan A. Mayer, M.D., Nikolai C. Brun, M.D., Ph.D., Kamilla Begtrup, M.Sc., Joseph Broderick, M.D., Stephen Davis, M.D., Michael N. Diringer, M.D., Brett E. Skolnick, Ph.D., and Thorsten Steiner, M.D., for the Recombinant Activated Factor VII Intracerebral Hemorrhage Trial Investigators: Recombinant Activated Factor VII for Acute Intracerebral Hemorrhage. N Engl J Med 2005;352:777-85.

(Die Originalartikel können bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Behinderung Blutung Schlaganfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte