Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Berufstätige mobiler als andere Europäer

02.06.2008
Jeder Fünfte zieht für den Arbeitsplatz um oder pendelt

Zwar gelten die Deutschen als sesshaft und heimatverbunden, dennoch sind sie im europäischen Vergleich am flexibelsten, was die berufsbedingte Mobilität angeht. So ist jeder zweite deutsche Berufstätige schon einmal aus beruflichen Gründen umgezogen oder pendelt täglich über weite Entfernungen.

Jeder fünfte Vollzeiterwerbstätige ist derzeit aus beruflichen Gründen mehr oder minder freiwillig mobil. Das ergab die europäische Studie zu Ursachen, Verbreitung und Folgen von berufsbedingter räumlicher Mobilität "Job Mobilities and Family Live in Europe", die von der Universität Mainz koordiniert wird. In Deutschland, Belgien, Frankreich, Polen, Spanien und der Schweiz wurden dazu insgesamt 7.150 Personen im Alter von 25 bis 54 Jahren befragt. "Das Feld in Europa ist dabei relativ dicht beieinander. Deutschland sticht aber bei den Vollzeiterwerbstätigen mit einem Anteil von 20 Prozent Mobilen heraus", sagt der Mainzer Soziologe Detlev Lück gegenüber pressetext.

Den größten Anteil der mobilen Arbeitsbevölkerung machen den Mainzer Wissenschaftlern zufolge die Berufspendler aus, gefolgt von Übernachtern, die mindestens 60 Nächte im Jahr außer Haus verbringen. Für den Arbeitsplatz umzuziehen ist dagegen für die wenigstens ein Thema. Im Hinblick auf das Mobilitätsverhalten würden sich aber deutliche Unterschiede je nach Alter und Ausbildung und zwischen den Geschlechtern zeigen, sagt Lück. So sind ältere Arbeitnehmer und Nicht-Akademiker nur ungern zum Umzug bereit und pendeln eher. Bei Betrachtung der beiden Geschlechter zeigte sich, dass Männer im Allgemeinen doppelt so mobil sind wie Frauen, die es ohnehin sehr schwer hätten Mobilitätszwang und Kinderwunsch unter einen Hut zu bringen.

"Mobilität scheint sich bei Frauen nicht mit der Familienplanung zu vertragen. Sie müssen sich offenbar entscheiden", meint Lück. Die Soziologen fürchten daher, dass Mütter auf dem Arbeitsmarkt so leichter das Nachsehen haben könnten. "Zudem haben wir Anzeichen dafür, dass der Kinderwunsch häufig aufgeschoben wird."

Das Mobilsein scheint für die deutschen Berufstätigen in den vergangenen Jahrzehnten aber zur Normalität geworden zu sein. "Wir gehen davon aus, dass Mobilität heute nicht mehr überwiegend zu einem Karrierefortschritt führt. Sie dient eher dazu Arbeitslosigkeit und sozialen Abstieg zu vermeiden", erklärt Lück. Menschen, die nicht in der Lage seien diesen Anforderungen zu entsprechen, könnten demnach leicht ins Hintertreffen geraten. Das beträfe dann immerhin rund ein Viertel der Arbeitnehmer. Auch wenn Mobilität zum Berufsalltag gehört, sind dennoch nicht alle Betroffenen damit zufrieden. So betrachtet nur ein Drittel der Mobilen die eigene Mobilität als Chance, 55 Prozent sehen sie eher als notwendiges Übel, während zwölf Prozent die Mobilität gar als Zwang ansehen. "Je unfreiwilliger Menschen die Mobilität wählen, umso eher sind sie auch anfällig für erhöhte Stressbelastung. Das kann dann in der Folge auch zu psychischen Belastungen und Erkrankungen führen", ergänzt Lück.

Das zunehmende Mobilitätsgeschehen sehen die Wissenschaftler sowohl in der wirtschaftlichen Entwicklung wie auch im Wandel der Geschlechterrollen begründet. "Es gibt immer mehr Jobs im Dienstleistungsbereich und in wissensbasierten Tätigkeiten. In diesen Wachstumsbranchen ist generell mehr Mobilität gefragt", erklärt Lück. Außerdem nehme die Beschäftigungsdauer mit den befristeten Arbeitsverhältnissen stetig ab. Zum anderen gebe es durch Veränderungen von Partnerschaft und Frauenrolle mehr Paare, in denen beide Partner berufstätig sind. Die Mobilität sei dann einfach eine Lösungsstrategie, wenn einer der beiden Partner nicht am gemeinsamen Wohnort Arbeit findet. Aus diesen Gründen sei auch die weitere Zunahme der Mobilitätsraten in der Zukunft sehr wahrscheinlich.

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.jobmob-and-famlives.eu
http://www.soziologie.uni-mainz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie