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Euro 2008: Der Ball rollt nur 55 Minuten

29.05.2008
Sportwissenschaftler analysieren Spielunterbrechungen und taktisches Verhalten

Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten, zwei Grundsätze im Fußball. Allerdings rollt der Ball tatsächlich nur 55 Minuten. 117 Unterbrechungen im Durchschnitt führen dazu, dass jedes Spiel 1,3 Mal in der Minute unterbrochen wird.

Das haben die Sportwissenschaftler Martin Lames und Claudia Augste von der Universität Augsburg bei der Analyse der Spielunterbrechungen im Fußball herausgefunden. Mittels eines speziellen Beobachtungssystems konnten sie die Unterbrechungen - Einwürfe, Freistöße, Abstöße, Anstöße, Eckbälle, Verletzungen, Auswechslungen und Elfmeter - genau registrieren und einteilen.

So wurden die 1686 Unterbrechungen der WM-Endrunde 2006 analysiert. Allein durch Freistöße - es sind durchschnittlich 39,2 - gehen 14 Minuten Spielzeit verloren, alle Unterbrechungen zusammen kosten 35 Minuten. "Obwohl unsere Datenbasis in der Vergangenheit liegt, werden nach unserer ersten Einschätzung die Ergebnisse bei der kommenden Europameisterschaft ähnlich sein", so Lames gegenüber pressetext. "Während des Turniers werden wir das in einem Projekt überprüfen."

Die Ziele für diese mehr oder minder ungewöhnliche Erhebung waren aber rein wissenschaftlicher Natur. "Als Trainingswissenschaftler interessieren wir uns für die Struktur der Sportarten. Dabei stellen Unterbrechungen ja auch immer ein Belastungs- und Beanspruchungsmoment dar", so Lames. "Nur wenn wir genau wissen, wie die tatsächliche Beanspruchung im Spiel aussieht, können optimale Trainingsmethoden entwickelt werden." Die wirkliche Belastung indes sei bisher in der Trainingswissenschaft "noch nicht zufriedenstellend modelliert".

Immerhin bestünde ein Unterschied, ob drei bis vier lange Sprints hintereinander durchgeführt werden oder Pausen dazwischen liegen. So scheint denn auch nur auf den ersten Blick die Leistung der Sportler wenig eindrucksvoll. Ein Laufumfang von zwölf Kilometern in 90 Minuten würde schließlich keinen Freizeit-Jogger zum Schnaufen bringen. Zieht man aber die nach der Analyse verbliebenen 55 aktiven Spielminuten heran, die mit einer Vielzahl von Zwischensprints gespickt sind, ergebe sich dagegen schon ein anderes Bild der physischen Belastung.

Neben Erkenntnissen über Belastung und Anspruch des Sports wollten die Forscher in Erfahrung bringen, ob und inwiefern Spielunterbrechungen als taktisches Mittel eingesetzt werden. "Wir haben geschaut, welchen Einfluss Spielstände, Spieldauer und die untersuchte Mannschaft auf die Dauer der Unterbrechungen haben", erklärt Lames. Dem Spielstand käme in dieser Hinsicht durchaus eine bedeutende Rolle zu. Vor allem bei den Torhütern sei ein ausgeprägtes Zeitgefühl zu beobachten, wenn es in der finalen Spielphase um Gewinnen oder Verlieren geht.

"Während ein Abstoß bei Rückstand in der letzten Viertelstunde gerade mal zwölf Sekunden beansprucht, findet man bei Vorsprung etwa den doppelten Wert, der Torwart will offensichtlich Zeit schinden." Ähnliches sei auch bei den Einwürfen festzustellen. An ihrer Dauer könne man während des gesamten Spieles ohne Kenntnis des Punktestandes ableiten, ob die einwerfende Mannschaft in Führung liegt oder nicht. Nur bei Eckbällen sei eine solche Prognose weniger einfach zu treffen.

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.sport.uni-augsburg.de

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