Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verdacht: Insektizide in Haushaltsprodukten erhöhen Autismusrisiko

23.05.2008
Pyrethrine verursachen im Tierversuch Schäden im Nervensystem

Werdende Mütter, die während der Schwangerschaft Haushaltsprodukte mit bestimmten Pflanzenschutzmitteln verwenden, steigern dadurch möglicherweise das Autismusrisiko für das ungeborene Kind. Das haben Irva Hertz-Piccitotto und ihre Kollegen von der University of California in Davis anlässlich des diesjährigen International Meeting for Autism Research in London berichtet. Die Studie der US-amerikanischen Wissenschaftler ist eine der wenigen, die sich bisher in großem Umfang mit Umweltfaktoren und deren Wirkungen auf die mit Autismus assoziierten Gene beschäftigt.

Das Forscherteam untersuchte 333 Kinder mit einer Autismusspektrumsstörung (ASS) und 198 gesunde Kinder sowie deren Familien. Sie sammelten Blut- und Urinproben und ließen umfangreiche Fragebögen zur medizinischen Vergangenheit der Kinder, einem möglichen Zugang zu Medikamenten und verwendeten Haushaltsprodukten vor, während und nach der Schwangerschaft ausfüllen. Ergänzend befragten sie die Familien nach ihrem Lebensstil und ob die Kinder von der Mutter gestillt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass die Mütter der Kinder mit ASS doppelt so oft Haustiershampoos verwendet hatten, die Pyrethrine enthielten. Das Autismus-Risiko sei am größten gewesen, wenn das Shampoo im zweiten Drittel der Schwangerschaft verwendet wurde.

Pyrethrine, gewonnen aus bestimmen Chrysanthemen-Arten, werden als Insektizide für den Pflanzenschutz in Form von Sprays oder Konzentrat verwendet und wirken gegen Eier, Larven und auch gegen ausgewachsene Insekten. Sie sind zwar im Feld schnell abbaubar, Studien hätten aber gezeigt, dass sie bei Insekten und Nagetieren die Blut-Hirn-Schranke zerstören können und neuronale Schäden verursachen können, so die Forschergruppe. "Die Entstehung von Autismus wird mit einem Ungleichgewicht zwischen erregenden und dämpfenden Neurotransmittern innerhalb des Gehirns in Verbindung gebracht. Man könnte nun annehmen, dass Kinder, die von einem solchen Ungleichgewicht betroffen sind, empfindlicher gegenüber den Wirkungen der Pyrethrine sind", vermutet Mitautor Isaac Pesaah. Dennoch, so fügen die Wissenschaftler an, sei es unwahrscheinlich, dass Pyrethrine allein eine Ursache von Autismus darstellen. Allerdings seien diese auch nicht die einzigen chemischen Substanzen, die zur Entstehung von Autismus beitragen könnten.

So hatte eine Studie von Wissenschaftlern der University of California in Berkeley um Brenda Eskenzai gezeigt, dass auch Organophosphate das Risiko autistischer Störungen erhöhen können. Die Forscher hatten Urinproben von 400 schwangeren Frauen und deren Kindern auf Stoffwechselprodukte der in Pflanzenschutzmitteln, Kopflauskuren, Haustiershampoos und ähnlichen verwendeten Substanzen hin untersucht. Das Autismus-Risiko hätte sich Eskenzai zufolge bei Vorhandensein von Organophosphat-Metaboliten verdoppelt.

Claudia Misch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ucdavis.edu
http://www.imfar.org
http://www.berkeley.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie