Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovationsstandort Deutschland: Wettbewerbsfähigkeit langfristig gefährdet

19.05.2008
Eine Standortanalyse zeigt für forschungs- und wissensintensive Branchen in Deutschland erhebliche Innovationsschwächen. Enorme Potenziale bleiben in Zukunft möglicherweise ungenutzt, warnt das Fraunhofer ISI.

Forschungs- und wissensintensive Branchen wie Pharmabranche, Fahrzeug- und Maschinenbau oder EDV-Dienstleistungen sind für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland unverzichtbar zur Stärkung von Wachstum und Beschäftigung.

Derzeit sind viele dieser Branchen gut aufgestellt: In der Pharmabranche beispielsweise hat die Attraktivität Deutschlands als Forschungsstandort und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Pharmaunternehmen seit 1995 wieder deutlich zugenommen. Eine aktuelle Standortanalyse zeigt allerdings erhebliche Innovationsschwächen, die insbesondere in Zukunft die internationale Wettbewerbsfä-higkeit Deutschlands deutlich mindern können.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung, die im Auftrag des Deutschen Bundestages durchgeführt wurde.

"Es besteht akuter Handlungsbedarf, wenn wir nicht zurückfallen wollen", warnt ISI-Projektleiter Dr. Michael Nusser und fordert systemisches Denken statt punktueller Maßnahmen. Dauerbrenner bei den Wettbewerbsrisiken: Der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Das Fehlen von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern drückt schon heute auf die Wettbewerbsfähigkeit. "Bis 2020 könnten dem Innovationsstandort Deutschland sogar hunderttausende Fachkräfte fehlen - nicht nur in der Forschung und Entwicklung, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette, also auch in der Produktion und im Vertrieb" betont Nusser.

Die Studie zeigt, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Fachpersonal haben. Im ungünstigsten Fall wandert dann neben deren Produktion auch ihre Forschung und Entwicklung ins Ausland ab, zum Beispiel nach Osteuropa.

Abhilfe schaffen könnten nur die bessere Integration von hoch qualifizierten Frauen und älteren Arbeitskräften, Jugendlichen aus sozial schwachen Herkunftsgruppen und qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland. Auch die Potenziale für Fort- und Weiterbildung werden unzureichend ausgeschöpft. Zudem sind Investitionen und Qualitätssteigerungen im Bildungsbereich erforderlich, insbesondere im frühkindlichen Bildungssystem (Vor- und Grundschule), um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben.

Auch bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung herrscht Nachholbedarf. Zwar stiegen diese Ausgaben in Deutschland in den letzten Jahren. Doch andere Länder, beispielsweise in Asien, stecken deutlich mehr Mittel in die Forschung und Entwicklung. So hat China seine F&E-Ausgaben zwischen 1995 und 2004 verfünffacht. Positive Entwicklungen in Deutschland reichen daher möglicherweise nicht aus, um mit der internationalen Dynamik bei Forschung und Entwicklung Schritt halten zu können.

In ihrem Innovationsreport für den Bundestag beschreiben die ISI-Experten Handlungsoptionen für die Politik, darunter Strategien für eine koordinierte Innovationspolitik oder eine Stärkung der bestehenden Wissensbasis, Cluster und Netzwerke. Auch Innovationsstrategien für die Industrie (z.B. frühzeitige Integration der Nutzer in industrielle F&E-Prozesse) und Wissenschaft werden von den ISI-Experten aufgezeigt.

Die Gesamtstudie "Forschungs- und wissensintensive Branchen: Optionen zur Stärkung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit" im Auftrag des Deutschen Bundestages ist als Download verfügbar unter

http://www.isi.fhg.de/t/projekte/d-MN-TAB-Pharma.htm

Kontakt:
Dr. Michael Nusser
Telefon: 0721 / 6809 - 336
E-Mail: michael.nusser@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Marktpotenziale technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik, Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme, Politik und Regionen, Regulierung sowie Innovations- und Technologiemanagement und Vorausschau.

Bernd Müller | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de
http://www.isi.fhg.de/t/projekte/d-MN-TAB-Pharma.htm

Weitere Berichte zu: Innovationsstandort Wettbewerbsfähigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Helmholtz International Fellow Award for Sarah Amalia Teichmann

20.01.2017 | Awards Funding

An innovative high-performance material: biofibers made from green lacewing silk

20.01.2017 | Materials Sciences

Ion treatments for cardiac arrhythmia — Non-invasive alternative to catheter-based surgery

20.01.2017 | Life Sciences