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Erste klinische Studie in Europa zur Behandlung von Schlaganfallpatienten durch elektrische Stimulation der Gehirnrinde am UKE

19.05.2008
Spezialisten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben ein Gehirnimplantat zur Behandlung von Schlaganfallpatienten verpflanzt. Dieses Verfahren ist in Europa bisher einzigartig und markiert den Startschuss einer klinischen Studie, deren Ziel die Untersuchung der sogenannten kortikalen (direkt auf die Gehirnrinde wirkenden) Stimulationstherapie zur Behandlung von Funktionsverlusten der Hand oder des Arms nach einem Schlaganfall ist.

"Wir freuen uns, dass unser Team den Startschuss für die Erforschung dieser in Europa einmaligen Methode zur Verbesserung der Beweglichkeit der Arme und Hände von Schlaganfallpatienten setzen durfte", so Prof. Dr. Christian Gerloff, Leiter der Studie in Hamburg und Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie des UKE.

"Wir hoffen nachweisen zu können, dass kortikale Stimulation in Verbindung mit Physiotherapie zu einer deutlichen Verbesserung der motorischen Funktionen führen und somit die Lebensqualität der Patienten nachhaltig steigern kann." Zum Studien-Team gehören Neurologen, Neurochirurgen und Physiotherapeuten.

Das Prinzip der kortikalen Stimulation basiert auf der gezielten Verabreichung elektrischer Impulse auf der Oberfläche des Gehirns mittels einer briefmarkengroßen Elektrode. Das Verfahren wird derzeit im Rahmen der sogenannten ACTIVATE-Studie durchgeführt. Der erste Patient der Studie erhielt sein Implantat am 15. Mai und ist wohlauf.

Die Studie wird an fünf Standorten in Deutschland durchgeführt: Hamburg, Freiburg, München, Berlin und Bad Aibling. Zunächst erhalten einige Patienten zehn Wochen lang Stimulation und Rehabilitationstherapie, während die Kontrollpatienten über den gleichen Zeitraum lediglich mit Physiotherapie behandelt werden. Die Fortschritte aller Patienten werden über eine sechsmonatige Periode überwacht.

Im Anschluss an diese erste Phase erhalten alle Teilnehmer aktive Stimulation in Kombination mit Physiotherapie. Die Personen aus der Versuchsgruppe erhalten einen "Booster", während der Kontrollgruppe zehn Wochen lang eine Kombination aus Stimulation und Rehabilitationstherapie verabreicht wird. Es werden noch Teilnehmer gesucht, die in Folge des Schlaganfalls unter Beeinträchtigung der Motorik des Arms oder der Hand leiden. Wer an der Studie teilnehmen möchte, muss mindestens 21 Jahre alt sein und der erlittene Schlaganfall muss mindestens vier Monate zurückliegen. Kontakt: UKE, Klinik für Neurologie, Tel.: 040/42803-5573.

Die Großhirnrinde (Cortex Cerebri) ist die äußere Schicht des Gehirns, welche eine Vielzahl neurologischer Funktionen kontrolliert oder beeinflusst. Die kortikale Stimulation kommt während der Physiotherapie von Schlaganfallpatienten zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um leichte elektrische Impulse zur Stimulation der Hirnrinde, welche die neuronale Plastizität (Anpassungsfähigkeit des Nervensystems) und die für die Motorik verantwortlichen neuronalen Verbindungen verstärken sollen. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Therapieform zur Bildung neuer neuronaler Verbindungen führen kann. Diese neuen Verbindungen verbessern die Motorik des Patienten grundlegend. Kortikale Stimulation ist vermutlich weitaus effektiver als die natürliche Genesung und kann auch noch Jahre nach dem Erleiden eines Schlaganfalls verabreicht werden.

In Deutschland ereignen sich jährlich rund 200.000 neue Schlaganfälle. Schlaganfälle stellen die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter in Deutschland dar. Einige Patienten erholen sich vollständig von einem Hirnschlag, aber zwei Drittel aller Überlebenden tragen Behinderungen davon. Schätzungen zufolge leben in Deutschland circa eine Million Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalls.

Maren Puttfarcken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uke.uni-hamburg.de

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