Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TUM-Forscherinnen widerlegen Zweifel an Folgen des Klimawandels

15.05.2008
Sogenannte „Folgenskeptiker“ unter den Klimakritikern bezweifeln die vom Weltklimarat vorhergesagten Auswirkungen des Klimawandels.
Mit einer jetzt veröffentlichten Meta-Analyse von 29.000 langjährigen Beobachtungsreihen zu den bisherigen Auswirkungen der Temperaturerhöhung auf Pflanzen, Tiere und menschliche Gesundheit konnten jedoch Wissenschaftlerinnen des Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München die globalen Spuren des Klimawandels in der Natur eindeutig nachweisen. (Veröffentlichung in Nature, Bd. 453, S. 353 - 357, 15. Mai 2008)

Die Erwärmung der Erdatmosphäre werde in Wirklichkeit moderat sein und kaum Auswirkungen auf Natur und Mensch haben, so äußern sich immer wieder einzelne Klimakritiker. Fast sämtliche weltweit forschenden Klimatologen sind dagegen einhellig von einer Temperaturerhöhung durch vom Menschen freigesetzte Treibhausgase und deren Folgen überzeugt. Über die regionalen Folgen des bisherigen Temperaturanstiegs für Kontinente und Ozeane – vom Planktonvorkommen über die Gletscherschmelze bis hin zum Verhalten von Zugvögeln – berichteten bislang nur Einzelstudien, zu den globalen und kontinentalen Modellsimulationen des Weltklimarats klaffte bislang eine Lücke.

Erstmals schlossen jetzt Professor Annette Menzel und Dr. Nicole Estrella vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München (TUM) einen großen Teil dieser Lücke – und nahmen damit den Klimafolgenskeptikern Wind aus den Segeln. Zusammen mit einem weltumspannenden Wissenschaftlerteam untersuchten die beiden Freisinger Ökoklimatologinnen mehr als 29.000 Datenreihen aus Forschungsarbeiten zu physikalischen und biologischen Systemen, die eindeutige klimabedingte Veränderungen in den letzten Jahrzehnten aufwiesen. Die TUM-Wissenschaftlerinnen überprüften deren Übereinstimmung mit den gemessenen Temperaturänderungen – und fanden diese zu über 90 Prozent bestätigt. Global und regional stimmten die räumlichen Muster von Temperatur-änderung und nachgewiesenen Änderungen in der Natur überein.

Damit ist jetzt zum Beispiel nachgewiesen, dass die in Deutschland heimische Zugvogelart namens Mönchsgrasmücke tatsächlich wegen des Temperaturanstiegs in Europa während des vergangenen Vierteljahrhunderts heute ihr Winterquartier lieber in England statt in Spanien aufschlägt. Und dass nicht natürliche Klimaschwankungen, sondern der vom Menschen verursachte Klimawandel dafür verantwortlich ist, dass sich im südlichen Ozean der Krill - winzige Krebse, die Walen, Robben und Tintenfischen als Nahrung dienen - zugunsten von wärmeliebenderen, Salpen genannten Meerestierchen teilweise um mehr als tausend Kilometer in den kühlen Süden zurückgezogen hat. Und dass Pflanzen der Hochalpen wie der Gletscherhahnenfuß mittlerweile konkurrierende Gesellschaft von Gewächsen aus den niederen Regionen bekommen haben.

Nicht alle beobachteten Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt lassen sich allerdings eindeutig auf erhöhte Temperaturen zurückführen: Untersuchungen über die Ausbreitung der aus Nordamerika nach Europa eingeschleppten, wärmeliebenden Ambrosia-Pfanze schlossen die TUM-Forscherinnen aus ihrer Analyse aus. Denn in erster Linie wird Ambrosia wohl vom Menschen über das Körnerfutter verbreitet, mit denen Vogelfreunde ihre gefiederten Wintergäste bewirten.

Kontakt:
Prof. Annette Menzel
Technische Universität München
Wissenschaftszentrum Weihenstephan
Fachgebiet für Ökoklimatologie
Am Hochanger 13, 85354 Freising
Tel. (08161) 71-4742
Fax (08161) 71-4753
Email: menzel@forst.tu-muenchen.de

Publikation:
Cynthia Rosenzweig, David Karoly, Marta Vicarelli, Peter Neofotis, Qigang Wu, Gino Casassa, Annette Menzel, Terry L. Root, Nicole Estrella, Bernard Seguin, Piotr Tryjanowski, Chunzhen Liu, Samuel Rawlins & Anton Imeson: „Attributing physical and biological impacts to anthropogenic climate change“. Nature, Bd. 453, S. 353 - 357, Ausgabe vom 16. Mai 2008.

Prof. Annette Menzel | Technische Universität München
Weitere Informationen:
http://www.forst.tu-muenchen.de/
http://www.forst.tu-muenchen.de/EXT/LST/METEO/index.html

Weitere Berichte zu: Klimawandel Weltklimarat Wissenschaftszentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Lipid-Nanodisks stabilisieren fehlgefaltete Proteine für Untersuchungen

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Von Alaska bis zum Amazonas: Pflanzenmerkmale erstmals kartiert

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Krebsforschung in der Schwerelosigkeit

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie