Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutschland kommt in der Beschäftigungspolitik nicht vom Fleck

01.07.2002


Bundesrepublik liegt im aktuellen Ranking der Bertelsmann Stiftung nur auf Platz 16 / Norwegen Spitzenreiter unter den 21 wichtigsten Industrienationen

Deutschland kommt beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit nicht vom Fleck. Im heute veröffentlichten internationalen Beschäftigungs-Ranking der Bertelsmann Stiftung, das alle zwei Jahre vorgelegt wird, liegt Europas größte Volkswirtschaft unverändert abgeschlagen auf Rang 16 unter den 21 wichtigsten Industrienationen. "Obwohl die europäische Job-Maschine langsam in Gang kommt, tritt Deutschland gemeinsam mit den großen kontinentaleuropäischen Staaten Italien und Frankreich beschäftigungspolitisch auf der Stelle", sagte der Präsidiumsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Dr. Gunter Thielen, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Autoren der zum fünften Mal vorgelegten Studie sind die Münsteraner Wirtschaftswissenschaftler Ulrich van Suntum und Dirk Schlotböller.

Die Spitzenposition im Beschäftigungs-Ranking der Bertelsmann Stiftung nimmt zum ersten Mal Norwegen ein. Auf Platz zwei liegt die Schweiz, gefolgt vom langjährigen Primus Japan, das mit der inzwischen zehnjährigen Finanz- und Wachstumskrise zu kämpfen hat. Auf den Rängen vier und fünf folgen die Niederlande und die USA. Das obere Mittelfeld bilden Portugal, Österreich, Dänemark, Großbritannien und Neuseeland. Zum unteren Mittelfeld gehören Irland, Australien, Schweden, Kanada und Belgien. Deutschland führt die Schlussgruppe mit Frankreich, Italien, Finnland, Spanien und Griechenland an.

"Unsere langjährige Analyse zeigt, dass insbesondere die verteilungsorientierten Wohlfahrtsstaaten Italien, Frankreich, Deutschland aber auch Belgien 30 Jahre nach dem Verlust der Vollbeschäftigung immer noch keine Trendumkehr auf dem Arbeitsmarkt geschafft haben", sagte Ulrich van Suntum. Das Warten auf den nächsten Aufschwung reiche nicht aus. Insbesondere dann nicht, wenn die Spielräume größerer Wachstumsraten sofort für Tariflohnerhöhungen verwendet würden, statt sie für zusätzliche Investitionen zu nutzen. Wie das Beispiel der Schweiz zeige, führe der sicherste Weg zur Vollbeschäftigung über umfassenden Wettbewerb auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

Eine Schlüsselrolle bei der Erklärung der deutschen Beschäftigungsmisere nehmen die Investitionen ein. Es sei erstaunlich, dass der gewaltige Erneuerungsbedarf in den neuen Bundesländern keinen Investitionsboom ausgelöst habe, sagte van Suntum. Paradoxerweise bilde Deutschland mit einer Quote von nur 14 Prozent im Mittel der letzten drei Jahre im internationalen Vergleich das Schlusslicht. Besonders negativ schlage auch die große Langzeitarbeitslosigkeit mit zuletzt über 50 Prozent zu Buche. Eines der größten Handikaps Deutschlands im internationalen Beschäftigungsvergleich sei die hohe Regulierungsdichte des Arbeitsmarktes.

Van Suntum kritisierte weiter die viel zu geringe Effizienz und Effektivität arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen in Deutschland. Noch immer dominierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und aufwändige Qualifizierungsprogramme, die nur zu oft in erneute Arbeitslosigkeit mündeten. Auch das System der Arbeitslosenunterstützung sei viel zu bürokratisch und zentralistisch organisiert. Konkret schlug der Wirtschaftswissenschaftler vor, die Bundesanstalt für Arbeit als reine Versicherung nur noch mit der Finanzierung und Betreuung der Kurzzeitarbeitslosen zu beauftragen. Für Langzeitarbeitslose sollten wie in Skandinavien die Kommunen verantwortlich sein. Diese verfügten über genaueste Kenntnis der örtlichen Arbeitmarktlage.

Das internationale Beschäftigungs-Ranking der Bertelsmann Stiftung analysiert zum fünften Mal die mittelfristige Arbeitsmarktentwicklung in den 21 wichtigsten Industrieländern. Ziel der Untersuchung ist es, Unterschiede im beschäftigungspolitischen Erfolg der Länder aufzudecken und zentrale Einflussfaktoren zu identifizieren, die für diese Differenzen verantwortlich sind. Dabei werden unter die Lupe genommen: der Investitionsanteil am Sozialprodukt, die Staatsquote, der Aktivitätsgrad der Arbeitsmarktpolitik, die Langzeitarbeitslosenquote, die Streikhäufigkeit sowie der Anteil an Teilzeitbeschäftigten und die Entwicklung der Lohnstückkosten.

Clemens Wieland | ots

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise

Immunabwehr: Wie Proteine Membranbläschen zusammenbringen

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Auto lernt vorauszudenken

28.06.2017 | Maschinenbau