Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Feinstaub erhöht Gefahr von Thrombosen

13.05.2008
Menschen in stark belasteten Gebieten neigen eher zur Bildung von Blutgerinnseln

Andauernde Feinstaubbelastungen scheinen das Entstehen von tiefen Venenthrombosen und Blutgerinnseln im Bein zu begünstigen. Das berichten Forscher der Harvard Medical School in der Zeitschrift Archives of Internal Medicine.

Andrea Baccarelli und ihre Kollegen analysierten dazu die Auswirkungen von Feinstaub auf den Gesundheitszustand von rund 2.000 in der Lombardei lebenden Patienten, von denen 870 eine tiefe Venenthrombose ausgebildet hatten. Blutgerinnsel, die in den Beinen entstehen, können über die Blutbahnen auch in die Lungen gelangen und dort zu einer gefährlichen Embolie führen.

Für ihre Studie hatte das Forscherteam die Patienten in neun geographische Regionen -basierend auf deren Wohnort - eingeteilt und mit Hilfe der aufgezeichneten Feinstaubwerte die Belastungen im Jahr vor der Diagnose oder den Untersuchungen eingeschätzt. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die an einer tiefen Venenthrombose litten, zuvor einer höheren Feinstaubbelastung ausgesetzt waren als die Kontrollgruppe.

Aus den Beobachtungen folgerten die Wissenschaftler, dass jeder Anstieg der Feinstaubkonzentration um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter im vorhergehenden Jahr eine Erhöhung des Thromboserisikos um 70 Prozent zur Folge hatte. Zudem sei das Blut der Patienten mit höheren Feinstaubbelastung in klinischen Tests generell schneller verklumpt.

"Feinstaub verursacht verschiedenste Gesundheitsschäden, die in unterschiedlichen Zeitskalen ablaufen", erklärt Ulrich Franck vom Department Umweltepidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung im Gespräch mit pressetext. Dazu würden vor allem Atemwegsprobleme und Herz-Kreislauferkrankungen gehören.

"Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass die Plasmaviskosität des Blutes durch Feinstaub erhöht wird. Die Bildung von Gerinnseln könnte eine Folge davon sein", vermutet Franck. Dennoch bestehe auf dem Gebiet noch großer Forschungsbedarf, da man zwar wisse, dass Zusammenhänge zwischen der Belastung und den Effekten bestehen, die Wege bis dahin aber noch weitgehend unklar seien.

Feinstaub stellt eine komplexe Mischung aus festen und flüssigen, in die Luft abgegebenen Schadstoffen dar. Die Hauptbestandteile sind Sulfat, Nitrate, Ammoniak, Natriumchlorid, Kohlenstoff, Mineralstaub und Wasser.

Feinstaubpartikel werden zum einen vom Menschen und der Natur direkt in die Atmosphäre abgegeben, können zum anderen aber auch dort durch chemische Reaktion von Schadstoffen entstehen. Als Hauptquellen von anthropogenem - also durch menschliche Hand verursachten - Feinstaub gelten die Industrie, der Straßenverkehr, aber auch die privaten Haushalte.

Die EU-Feinstaub-Richtlinie liegt derzeit bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, die an höchstens 35 Tagen im Jahr überschritten werden dürfen. Eine dauerhafte Gesundheitsgefährdung sieht die WHO aber schon bei 10 Mikrogramm gegeben.

"Die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Stäube können immens sein", sagt auch Franck. "Pro Jahr gibt es rund 60.000 zusätzliche Todesfälle durch Feinstaub. Beim Rauchen sind es 160.000, durch Alkohol gibt es 40.000 zusätzliche Fälle."

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.hms.harvard.edu
http://www.ufz.de

Weitere Berichte zu: Blutgerinnsel Feinstaub Feinstaubbelastung Schadstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik