Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehrsprachigkeit dient als geistiger Jungbrunnen

09.05.2008
Fremdspracherwerb schafft neue Verbindungen zwischen Hirnzellen

Kinder, die mehrere Sprachen erlernen und auch praktisch anwenden, könnten im fortgeschrittenen Lebensalter unerwartete Vorteile gegenüber einsprachigen Mitmenschen haben, berichten Forscher der Tel Aviv University. Denn das Beherrschen mehrerer Sprachen könne unter Umständen die Alterungseffekte im menschlichen Gehirn abmildern. Diese These haben die Neuropsychologin Gitit Kave und ihre Kollegen vom Herczeg Institute on Aging jetzt anhand einer Studie mit 814 Senioren im Alter von 75 bis 95 Jahren belegen können.

Ältere Personen, die in ihrem Leben mehr als eine Fremdsprache erlernt haben, schnitten in Tests, die ihre kognitive Leistung überprüfen sollten, besser ab, als diejenigen, die nur ihre Muttersprache beherrschten. Personen, die mehrere Sprachen sprechen, seien im Alter häufig geistig stärker, da sie ihr Gehirn im Lauf des Lebens über das Erlernen von Sprachen mehr trainiert hätten als monolinguale Personen, meint Kave. Zudem könnten durch das Lernen von Sprachen neue neuronale Verbindungen im Gehirn aufgebaut werden, die den positiven Effekt noch verstärken.

"Zahlreiche Studien haben bisher belegen können, dass durch gesteigerte kognitive Aktivität - also kulturelle oder soziale Aktivität sowie auch die Beschäftigung mit Naturwissenschaften - diese Fähigkeiten bis ins hohe Alter beibehalten werden können", erklärt Cordula Nitsch, Professorin für Neuroanatomie an der Universität Basel, im Gespräch mit pressetext. Darunter falle unter anderem auch das Erlernen von Fremdsprachen. Um dem geistigen Alterungsprozess entgegenzuwirken sei es aber generell nötig, das plastische Potenzial, das das Gehirn als Grundlage für jegliches Lernen besitzt, durch stete Beanspruchung und Training zu erhalten. "Dabei besteht wohl die beste Arte und Weise die kognitiven Fähigkeiten zu schulen darin, einen großen Bekanntenkreis zu haben, mit dem man interessante und tiefgründige Gespräche führen kann."

... mehr zu:
»Mehrsprachigkeit

In der israelischen Studie wurden Senioren nach ihrem Fremdsprachenschatz befragt - welche Sprache sie am besten beherrschen und in welcher sie am meisten sprechen - und kognitiven Tests unterzogen. Die ersten Erhebungen wurden 1989 durchgeführt und im Verlauf der nächsten zwölf Jahre zweimal wiederholt. Dabei fanden die Forscher heraus, dass je mehr Sprachen ein Mensch beherrscht, die kognitive Leistung - also Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Lernfähigkeit, Abstraktions- und Erinnerungsvermögen - im Alter umso besser ist. Zwar habe auch der Bildungsstand etwas mit der geistigen Fitness zu tun, die Anzahl der gesprochenen Sprachen aber habe größere Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten als der Bildungsstand allein. "Wir haben zudem herausgefunden, dass Mehrsprachigkeit vor allem bei denjenigen eng mit der kognitiven Leistung verbunden war, denen überhaupt keine oder nur wenig schulische Bildung zuteil wurde", ergänzt Kave.

Dennoch sei auch durch diese Erkenntnisse eine Ursache-Wirkungs-Beziehung nicht gänzlich gesichert. "Die Studie hat sich mit dem Resultat auseinandergesetzt, nicht mit der Ursache", erklärt Kave. "Es gibt keine todsichere Methode das geistige Altern aufzuhalten. Aber eine zweite oder dritte Sprache zu erlernen, könnte die guten Jahre verlängern", rät Kave. Eine Frage zukünftiger Forschung sei es, herauszufinden, inwiefern das Erlernen von Sprachen Potential habe, die mentale Fitness zu verlängern und wie das Sprechen mehrerer Sprachen sich über längere Zeit auf das Gehirn auswirke.

Claudia Misch | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.tau.ac.il
http://www.unibas.ch

Weitere Berichte zu: Mehrsprachigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten