Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Muttersprache in spezieller Gehirnregion angesiedelt

21.04.2008
Bioelektrische Aktivität gibt Hinweis auf Beherrschungsgrad von Sprachen

Forscher des Dipartimento di Psicologia an der Universität Milano Bicocca und des Istituto di Bioimmagini e Fisiologia Molecolare in Segrate haben eine Studie über die kognitiven Leistungsunterschiede des Gehirns bei der Spracherinnerung durchgeführt. Demnach existiert eine in der linken Gehirnhälfte angesiedelte Region, die automatisch die Form von Wörtern und deren Verwandtheitsgrade erkennt. Einzelheiten der Untersuchung sind in der Fachzeitschrift "Biological Psychology" zu finden.

Die Probanten hatten die ihnen vorgelegten Texte zu lesen, ohne sie nachsprechen und verstehen zu müssen. Dabei wurde eine Besonderheit festgestellt: Die erste nach 150 bis 200 Millisekunden auftretende bioelektrische Stromwelle war im Fall der Muttersprache deutlich grösser als bei Wörtern aus Fremdsprachen. "Dies geht auf die Tatsache zurück, dass das Beherrschen der Muttersprache oder einer anderen während der ersten fünf Lebensjahre erlernten Sprache von konzeptionellen, ethischen, körperlichen und sensorischen Erfahrungen begleitet ist," erläutert die Projektleiterin Alice Mado Proverbio .

"Ein italienisches Kind verbindet beispielsweise bei dem Wort 'coltello' (ital. für Messer) während der phonetischen Verarbeitung und Gedächtnisspeicherung dazugehörige Eigenschaften wie spitz, glänzend und scharf. Ausserdem sagt es ihm unterbewusst, dass sein Gebrauch zu Verletzungen führen kann und deshalb den Erwachsenen vorbehalten ist." Beim Sehen des englischen Synoyms "knife" hingegen stellten sich bei einsprachig Aufgewachsenen nur phonetische und orthographische Assoziationen ein. Die unterschiedlich starke bioelektrische Aktivität der Nervenzellen sorge dafür, dass der hintere Bereich der linken Gehirnhälfte beim Lesen der Muttersprache starker involviert wird als bei weniger gut geläufigen Sprachen.

... mehr zu:
»Fremdsprache »Muttersprache

Anhand von Messungen innnerhalb von 250 Millisekunden nach der Wortpräsentation kann sogar mit hinreichender Präzision der Beherrschungsgrad einzelner Fremdsprachen ermittelt werden, so das Testergebnis bei Simultandolmetschern. Diese Tatsache liefert zusätzliche Möglichkeiten der Anwendung bei Personen mit Gedächtnisschwund oder Taubstummen, da die in diesen Fällen bisher angewandten Methoden zur Feststellung von Schlüsseldaten wie Herkunft und Staatsangehörigkeit unvollständig und damit nicht zuverlässig genug sind.

Harald Jung | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unimib.it
http://www.ibm.cnr.it

Weitere Berichte zu: Fremdsprache Muttersprache

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE