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Gewichtszunahme bei Antipsychotika offenbar genetisch bedingt

20.06.2002

Die Gewichtszunahme, die häufig unter der Einnahme von Antipsychotika beobachtet wird, hat vermutlich eine genetische Basis. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie hin, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienen ist.

Eine Zunahme an Körperfett zählt zu den potenziellen Nebenwirkungen von antipsychotischen Medikamenten gegen Schizophrenie. Das führt nicht nur oft zu weiteren medizinischen Problemen, die mit der Fettleibigkeit einhergehen, sondern auch zu mangelnder Therapietreue. Ein Serotonin-Rezeptor – eine Andockstelle für den Nervenbotenstoff Serotonin – ist mit diesem Effekt in Verbindung gebracht worden.

Prof. Dr. Gavin Reynolds von der Universität im britischen Sheffield und seine Kollegen wollten nun wissen, ob eine bestimmte Mutation in der Erbanlage für diesen Rezeptor die Gewichtszunahme unter Antipsychotika beeinflusst.

An der Studie nahmen 123 Chinesen teil, die wegen einer zum ersten Mal aufgetretenen Schizophrenie in einer Klinik behandelt wurden. Sie erhielten eine konventionelle medikamentöse Behandlung mit Antipsychotika und die übliche Krankenhauskost. Außerdem unterzogen sie sich Bluttests, um festzustellen, wie bei ihnen die entsprechende Erbanlage aussah (das 5-HT2C-Gen).

Sechs Wochen später hatten 28 Prozent der Patienten mit der am weitesten verbreiteten Genvariante (Wildtyp) ein um sieben oder mehr Prozent gesteigertes Körpergewicht. Patienten mit einer Variante (-759T) hatten hingegen nicht zugenommen. Nach zehn Wochen hatten sogar 51 Prozent der Patienten mit dem Gen-Wildtyp zugenommen, dagegen nur 15 Prozent der Patienten mit der Gen-Variante.

„Wir haben einen genetischen Faktor identifiziert, der auf die Wahrscheinlichkeit hindeutet, bei der Behandlung mit psychiatrischen Medikamenten eine ernsthafte Nebenwirkung zu entwickeln“, kommentierte Reynolds. „Wenn sich diese Ergebnisse bestätigen, könnten sie die Basis für einen einfachen Test bilden, mit dem die Neigung des Patienten bestimmt wird, unter Medikamenten zuzunehmen.“ Das wiederum könnte dem Arzt dabei helfen, das am besten geeignete Medikament auszuwählen, erläutert der Experte. „Solche vorhersagenden Tests werden vermutlich im Sprechzimmer der Zukunft gängig sein, wo das Erstellen genetischer Profile dafür genutzt werden könnte, auf die effizienteste Therapie mit den wenigsten Nebenwirkungen hinzuweisen – auf jeden Patienten individuell zugeschnitten.“

| Lancet

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