Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Potenzial von RFID in deutschen Unternehmen weitgehend ungenutzt

10.04.2008
Deutsche Industrie- und Handelsunternehmen schöpfen die Potenziale der Radio-Frequency-Identification-Technologie (RFID) bisher noch nicht aus, so eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT und der P3 Ingenieurgesellschaft mbH. Die Gründe dafür sehen die Verfasser der Studie in der mangelnden Konsequenz bei RFID-Einführungen sowie technischen Schwierigkeiten.

Die Studie mit dem Titel "RFID - Spielwiese für Technologiebegeisterte oder Schlüsseltechnologie zur Effizienzsteigerung von Geschäftsprozessen?" besteht zum einen aus einer Unternehmensbefragung und zum anderen aus einem technischen Vergleich.

An der Unternehmensbefragung haben sich rund 100 Unternehmen, unter anderem aus den Bereichen Logistik, Maschinenbau, Automobilbau, Luft- und Raumfahrt sowie Elektrotechnik aktiv beteiligt. Dabei machten sie detaillierte Angaben zu ihren Erfahrungen und Erwartungen bei der Einführung von RFID.

In dem technischen Vergleich wurden verschiedene RFID-Systeme in einer den realen Industriebedingungen entsprechenden Laborumgebung auf ihre Leistungsfähigkeit untersucht. So zeigt die Studie sowohl die Erfahrungen der befragten Unternehmen als den Nutzen der Technologie und die Produktreife der Systeme auf.

... mehr zu:
»RFID

Die Studie belegt, dass Unternehmen das Potenzial von RFID bisher kaum ausschöpfen: Etwa 80 Prozent der Befragten bezeichnen die Erwartungen und Erfahrungen mit RFID als negativ. "Die große Unzufriedenheit ist frappierend, aufgrund unserer Erfahrung aber nicht unerwartet", kommentiert Dr.-Ing. Michael Rübartsch, Geschäftsführer bei P3.

"Es wird offensichtlich viel Geld in Pilotprojekte investiert, doch diese bringen dann nicht den erhofften Nutzen." Welche Faktoren dafür verantwortlich sind, zeigt die Studie sehr deutlich: Bei den meisten RFID-Einführungen mangelt es an der Integration von Prozessen, detaillierten Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und technischem Know-how.

Mangelnde Konsequenz bei der Automatisierung komplexer Prozesse

Obwohl 72 Prozent der befragten Unternehmen angaben, dass die Prozessoptimierung das vorrangige Ziel der RFID-Einführung war, sind wertschöpfende Unternehmensbereiche nur selten involviert. Bisherige Projekte gehen kaum über einfache logistische Anwendungen hinaus. Die Unternehmen sind häufig inkonsequent bei der Automatisierung gesamter Prozessketten. 66 Prozent nutzen die Chancen der Technologie nicht zur Integration unternehmensübergreifender Prozesse.

Ein besonders auffälliges Ergebnis der Studie ist, dass sich fast ein Viertel der teilnehmenden Unternehmen für RFID entschied, ohne vorher die Wirtschaftlichkeit systematisch zu prüfen. Gerade diejenigen, die RFID aus wirtschaftlichen Gründen einführten, sahen daher ihre Ziele oft nicht erfüllt. "Der eigentliche Sinn von RFID - Prozesse zu beschleunigen, die Fehleranfälligkeit zu reduzieren und dadurch Kosten zu senken - wurde häufig verfehlt", erklärt Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt vom Fraunhofer IPT.

Technische Schwierigkeiten müssen zukünftig überwunden werden

Auch die technischen Anforderungen der RFID-Technologie wurden von den Unternehmen oftmals unterschätzt: So ergab die Befragung, dass 30 Prozent der Unternehmen im Vorfeld von RFID-Projekten keine technische Machbarkeitsstudie durchgeführt haben, obwohl es RFID heute auch bei Standardanwendungen noch nicht "von der Stange" gibt. Die technische Vergleichsstudie zeigt, dass die Leistung einzelner RFID-Komponenten von verschiedenen Parametern abhängig ist, so führen die Inkompatibilität existierender Standards sowie der Aufbau und die Ausrichtung von Systemkomponenten häufig zu Schwierigkeiten.

Während beispielsweise Ultra-Hochfrequenz-Systeme deutlich höhere Reichweiten erzielen als Hochfrequenz-Systeme, treten aufgrund der Ausbreitungscharakteristik der Wellen Interferenzen auf, die das Auslesen von Daten verhindern. Daher sind robuste RFID-Anwendungen heute immer noch eher einfach aufgebaut.

RFID-Projekte werden in Zukunft noch komplexer

Nach Ansicht der Experten zeigen die Ergebnisse der Studie, dass RFID tatsächlich noch eine Beschäftigung für Technologiebegeisterte ist. Damit sich RFID zur Schlüsseltechnologie zur Effizienzsteigerung von Geschäftsprozessen wandelt, müssen zukünftige Anwendungen die automatische Datenerfassung mit lokalisierenden und historischen Produktdaten sowie Geldflüssen kombinieren und die Wertschöpfungskette vollständig abbilden.

Als Folge werden RFID-Projekte immer komplexer. Unternehmen benötigen mehr als nur die technischen RFID-Komponenten. Hier kommen Dienstleister ins Spiel, die die Einführung von der Prozessanalyse über den Business Case bis hin zum Change Management begleiten, technisches Fachwissen und Erfahrung mitbringen und darüber hinaus auch den Betrieb ganzheitlicher Lösungen unterstützen.

Das Fraunhofer IPT und P3 beschäftigen sich bereits seit langem in Forschung und Praxis mit der Transparenz in der Wertschöpfungskette und RFID. Das Fraunhofer IPT untersucht in seiner Abteilung für Produktionsqualität und Messtechnik von Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsprozesse. Die P3 Ingenieurgesellschaft mbH ist ein Spin-Off-Unternehmen des Fraunhofer IPT und unterstützt heute mit knapp 800 Beraterinnen und Beratern Industrieunternehmen in den Gebieten Qualitäts-, Prozess- und Projektmanagement.

Die vollständige Studie ist zu einem Preis von 199 Euro über Mario Isermann (Fraunhofer IPT) zu beziehen. Belegexemplar bei Abdruck erbeten.

Ihre Ansprechpartner:

Dr.-Ing. Ulf Glaser
P3 Ingenieurgesellschaft mbH
Dennewartstraße 25 - 27
52068 Aachen
Telefon: +49 (0) 1 63 8 86 94 06
ulf.glaser@p3-group.com
Dipl.-Ing. Mario Isermann
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT
Steinbachstraße 17
52074 Aachen
Telefon: +49 (0) 2 41 89 04 1 45
mario.isermann@ipt.fraunhofer.de

Susanne Krause | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ipt.fraunhofer.de
http://www.ipt.fraunhofer.de/press/StudieRFID.jsp

Weitere Berichte zu: RFID

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie