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Kriegstraumata bleiben wenig beachtetes Leiden

02.04.2008
Erste Zivilstudie über arabischen Raum veröffentlicht

Erstmalig ist eine Studie über das Auftreten von psychischen Störungen und deren Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen im Krieg für die arabische Region angefertigt worden.

Ein Forscherteam der World Mental Health (WMH) Survey Initiative befragte dazu knapp 2.857 Libanesen zu Vorkommen und Häufigkeit psychischer Erkrankungen und dem Erleben kriegsbezogener traumatischer Situationen. Die Untersuchung ergab, dass diejenigen, die unmittelbar vom Krieg betroffen waren, einem vielfach erhöhten Risiko ausgesetzt waren, an Angststörungen, Phobien oder Störungen des Gemütszustandes zu erkranken.

Bei Störungen der Impulskontrolle sei das Risiko sogar 13 mal höher, als bei den Befragten, die keine Kriegssituationen erlebt hatten. Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie solchen Situationen ausgesetzt waren, also im unmittelbaren Kriegsgebiet gelebt hätten, Flüchtlinge waren oder Zeuge von Tod und Mord wurden.

Wie im arabischen Raum ist aber auch in der westlichen Welt die Datenlage bezüglich der Folgen und Auswirkungen von Krieg auf die menschliche Psyche unzureichend. "Dabei sind Kriegstraumata ein gesellschaftliches Problem, das auch in der Zukunft Gewicht haben wird", so Insa Fooken vom Fachbereich Psychologie der Universität Siegen gegenüber pressetext. Fooken ist Sprecherin der Forschungsgruppe "Weltkrieg2Kindheiten", die sich mit den Erfahrungen der "Kriegskinder" des 2. Weltkrieges auseinandersetzt.

"Kriegstraumata sind eine ernstzunehmende Erkrankung, da sie unverarbeitete schmerzliche Erinnerungen darstellen und so den Betroffenen noch nach Jahren quälen können", erklärt Fooken. Die psychischen Folgen solcher Traumata äußern sich häufig in Depressionen, akuten Angstzuständen, sozialem Rückzug oder somatischen Störungen. Oftmals werden diese durch bestimmte Reize ausgelöst - es reichen dabei schon einzelne Wörter, Gerüche oder Geräusche, die der Betroffene mit dem traumatischen Erlebnis verbindet.

Zwar hat die Traumaforschung bereits Ende des 19. Jahrhundert ihren Anfang genommen und wurde durch die soldatische Traumaforschung in den 1970er und 1980er vorangetrieben. Die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung, insbesondere auf Kinder, und die Entwicklung therapeutischer Maßnahmen steht dem jedoch bis heute nach. Lange Zeit wurden zudem Traumata nicht als Ursache für psychologische Störungen gesehen. Erst seit Beginn der 1990er Jahre werden in Deutschland die seelischen Spätfolgen des Krieges behandelt. Viele der Betroffenen allerdings wissen schlicht nicht, an wen sie sich wenden können und fühlen sich mit ihrem Leiden noch immer allein gelassen.

Claudia Misch | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.weltkrieg2kinder.de/

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