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Studie des Stifterverbandes: Forschungsstandort Deutschland nur mäßig attraktiv

12.06.2002


  • Die hohe Reputation der deutschen Forschung ist vorrangig den außeruniversitären Einrichtungen zu verdanken, Universitäten schneiden dagegen schlechter ab
  • Kritik an Arbeitsbedingungen und unflexiblem Arbeitsmarkt
  • Persönliche Gründe haben erheblichen Einfluss auf Wanderungsentscheidung
  • Deutsche Forscher im Ausland und internationale Forscher in Deutschland kommen zu identischen Einschätzungen

Deutsche Wissenschaftler im Ausland und ihre ausländischen Kollegen in Deutschland halten die Forschung in Deutschland für leistungsfähig, allerdings mit folgenden Einschränkungen: 1) Rückstand besteht gegenüber Großbritannien und vor allem den USA; 2) die Universitäten schneiden wesentlich schlechter ab als die außeruniversitären Einrichtungen. Kritik üben die befragten Wissenschaftler vor allem an den Bedingungen, unter denen sie forschen. So vermissen sie ausreichend interdisziplinäre Forschungsansätze und teamorientiertes Arbeiten. Die Rückkehr deutscher Forscher bzw. das Bleiben ausländischer Topwissenschaftler wird vorrangig behindert durch den starren akademischen Arbeitsmarkt.



Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer Studie über die Attraktivität des Forschungsstandortes Deutschland im internationalen Vergleich, die der Stifterverband bei der Gesellschaft für Empirische Studien in Kassel in Auftrag gegeben hatte. Befragt wurden 1.690 deutsche Wissenschaftler im Ausland, 2.197 ausländische Forscher in Deutschland sowie 341 hochqualifizierte Akademiker in der Wirtschaft. "Erstmals liegen damit belastbare Daten über die Motive der Zu- und Abwanderung von deutschen und ausländischen Wissenschaftlern vor", sagte Dr. Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes, heute vor der Presse in Berlin.

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In der Studie nannten 90 % der potentiellen deutschen Rückkehrer bzw. der ausländischen Bleibewilligen als Hinderungsgrund die mangelnde berufliche Perspektive. Immerhin 70 % der Deutschen erhielten während ihres Auslandaufenthaltes ein Stellenangebot, aber nur 32 % der Ausländer in Deutschland. Besonders kritisiert wurden am akademischen Stellenmarkt die vergleichsweise knappen Personalbestände, die starren Zugangsvoraussetzungen und vorgezeichneten Karrierewege sowie die inflexible Personalbewirtschaftung.

Die Entscheidung über den Lebensmittelpunkt wird wesentlich vom persönlichen Umfeld bestimmt. Für 80 % der befragten Deutschen im Ausland spielen gute berufliche Möglichkeiten des Lebenspartners und gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. Das jeweilige Gastland schätzten die befragten deutschen Forscher auch in dieser Hinsicht als attraktiver ein. Der Stifterverband sieht sich durch die Ergebnisse bestätigt in seiner Kritik am überbürokratisierten Wissenschaftssystem in Deutschland. Oetker appellierte an die Politik, Zugangswege und Besoldungsstrukturen in wissenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere den Hochschulen, zu flexibilisieren, statt sie einzuschränken wie zuletzt bei der Dienstrechtsreform. Oetker sagte: "Wettbewerb in Bildung und Wissenschaft ist dringend nötig und der entsteht nur durch mehr Autonomie und leistungsabhängige Bezahlung der Wissenschaftler. Wer hier Kostenneutralität sät, wird Mittelmaß ernten."

Oetker verwies auf die Aktivitäten des Stifterverbandes, die dazu beitragen sollen, die in der Studie genannten Defizite zu beseitigen. So werde der Stifterverband weitere ForschungsDozenturen (bislang 14; weitere 10 vorgesehen) einrichten, einer Alternative des Stifterverbandes zur "Juniorprofessur". Damit sollen zusätzliche Stellen für Nachwuchsforscher geschaffen werden, die sich für Professorenämter qualifizieren, in Forschung und Lehre selbständig sind und ein reduziertes Lehrdeputat haben. Weiterhin wird der Stifterverband im Herbst eine international hochrangig besetzte Tagung (Villa-Hügel-Gespräch) veranstalten über die "Positionierung des deutschen Forschungs- und Forschungsfördersystems im europäischen Kontext". Mit dem Aktionsprogramm "Universitäre ForschungsInitiativen" unterstützt der Stifterverband Forschungsverbundprojekte gezielt an Universitäten, die modellhaft kooperativ und interdisziplinär arbeiten - und damit genau in die von der Studie angemahnten Richtung.

Schließlich fördert der Stifterverband die Untersuchung "Regionen exzellenter Forschung", mit der die Leistungsfähigkeit von universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gemessen werden soll; durchgeführt wird die Studie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Diese Pressemitteilung sowie Tabellen, eine Kurzfassung der Studie sowie die komplette Studie finden Sie auch im Internet 
unter der Adresse: http://www.stifterverband.org

Michael Sonnabend | idw
Weitere Informationen:
http://www.stifterverband.org/

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