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Langes Leben liegt in der Familie

11.06.2002


Geschwister von 100-Jährigen werden älter als normale Bevölkerung

Menschen mit Geschwistern, die die Altersgrenze von 100 Jahren überschritten haben, erwartet selbst ein längeres Leben. Wissenschaftler um Thomas Perls vom Boston Medical Center haben im Zuge der New England Centenarian Study das Alter von mehr als 2000 Männer und Frauen recherchiert, deren Geschwister älter als 100 Jahre waren. Das Datenmaterial stammte von 444 Familien. Wie die Forscher im Magazin Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) berichten, wurden Geschwister von 100-Jährigen im Durchschnitt 16 bis 17 Jahre älter als die normale Bevölkerung.

Die Datenanalyse zeigte, dass Brüder der 100-Jährigen die 100-Jahres-Grenze 17 Mal häufiger als Männer ohne Geschwister mit diesem hohen Alter erreichten. Bei den Schwestern erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit um das Achtfache. "Die Ergebnisse erhärten die Annahme, dass 100-Jährige und deren Geschwister eine spezielle Gruppe sind. Sie scheinen resistenter gegen Krankheiten zu sein bzw. diese Erkrankungen im Laufe ihres Lebens besser zu überstehen", glaubt Evan Hadley, Direktor für Geriatrie und klinische Gerontologie am National Institute on Aging. Dieser Überlebensvorteil ist laut Hadley aller Wahrscheinlichkeit nach auf genetische und Umweltfaktoren zurückzuführen. Die Rolle der einzelnen Faktoren liegt aber noch im Dunkeln.



Perls und Kollegen entdeckten bereits im Vorjahr eine Region am Chromosom 4. Dieser Bereich soll ein oder wenige Gene enthalten, die ein außergewöhnlich langes Leben begünstigen sollen. Dass Gene eine Rolle für ein hohes Alter spielen, zeigte sich auch Forschern der University of Utah. Sie stellten fest, dass Brüder und Schwester bzw. andere Verwandte ersten Grades von Geschwistern mit einem hohen Alter zu einem längeren Leben neigten als ihre Cousins und ferne Verwandte. Einige Studien legen nahe, dass außergewöhnlich lang lebende Menschen einen ungewöhnlich guten Schutz gegen Krankheiten des Alters an ihre Kinder weitergeben könnten. Diese Schutzfaktoren wirkten bereits in jungen Jahren und nicht erst, wenn die Nachkommen ein hohes Alter erreichen. So haben z.B. Forscher bereits nachgewiesen, dass 60- bis 70-jährige "Kinder" von 100-Jährigen für kardiovaskuläre Krankheiten weniger anfälliger sind. Fraglich bleibt, ob ein derart hohes Alter auch erstrebenswert ist.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://www.nia.nih.gov

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