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EPIC-Studie bestätigt: Bluthochdruck erhöht das Risiko für Nierenkrebs

07.03.2008
Daten einer großen europäischen Bevölkerungsstudie (EPIC*) bestätigen, dass ein nicht oder schlecht kontrollierter Bluthochdruck mit einem zwei- bis dreifach erhöhten Nierenkrebsrisiko verbunden ist.

Zudem weisen die Studienergebnisse darauf hin, dass eine Blutdrucksenkung, zum Beispiel durch eine erfolgreiche medikamentöse Therapie, dazu beitragen kann, das Nierenkrebsrisiko von Bluthochdruckpatienten zu vermindern. Das Wissenschaftlerteam um Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) veröffentlichte seine Ergebnisse vor kurzem in der angesehenen Fachzeitschrift American Journal of Epidemiology (Weikert et al., 2008; 167: 438-446).

Innerhalb der letzten 30 Jahre hat weltweit die Zahl der Nierenkrebserkrankungen zugenommen, wobei verschiedene Studien auf einen Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und erhöhtem Nierenkrebsrisiko hinweisen. Strittig ist bislang, ob die Nierenkrebserkrankungen eher auf den Bluthochdruck an sich oder aber auf die Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten zurückzuführen sind. Die vorliegende Studie liefert nun neue Daten, die zur Klärung dieser Streitfrage beitragen.

In der vorliegenden Untersuchung hatten Studienteilnehmer mit einem systolischen Blutdruck von über 160 mmHg im Vergleich zu Teilnehmern mit normalen oder niedrigen Blutdruckwerten ein 2,48fach erhöhtes Nierenkrebsrisiko. Bei Patienten mit einem diastolischen Blutdruck von über 100 mmHg erhöhte sich das Risiko um das 2,34fache im Vergleich zu Personen mit Werten von unter 80 mmHg.

Das höchste Risiko wiesen jedoch Teilnehmer auf, die trotz angegebener Medikamententherapie unter einem hohen Blutdruck litten. Patienten dieser Gruppe, deren diastolischer Wert über 100 mmHg lag, hatten sogar ein über 300 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zu Personen, die nicht medikamentös behandelt wurden und deren Blutdruckwert unter 90 mmHg lag.

Bluthochdruckpatienten, deren Blutdruck dagegen gut kontrolliert war und medikamentös gesenkt werden konnte, wiesen im Vergleich zu unbehandelten Personen kein signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko auf.

"Unsere Ergebnisse unterstützen daher die Hypothese, dass das Nierenkrebsrisiko hauptsächlich auf die Blutdruckerhöhung an sich zurückzuführen ist und eine gute medikamentöse Kontrolle des Bluthochdrucks wahrscheinlich helfen kann, das Krebsrisiko zu senken", erklärt Steffen Weikert, Erstautor der Studie.

*EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition

Hintergrundinformation:

Für die vorliegende Untersuchung werteten die Forscher Daten von 296.638 Menschen aus 8 verschiedenen europäischen Ländern aus. Während der Nachbeobachtungszeit von 6,2 Jahren erkrankten 250 Studienteilnehmer an Nierenkrebs.

Grundlage der Untersuchung bildet die EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie: eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs und anderen chronischen Erkrankungen aufdeckt. 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern sind an der Studie beteiligt. Die EPIC-Studie wird von Dr. Elio Riboli (International Agency on Research of Cancer, Lyon, Frankreich) koordiniert. Die Potsdamer EPIC-Studie, an der 27.548 Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teilnehmen, leitet Professor Dr. Heiner Boeing.

Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 12/2006). Davon sind ca. 5.400 Wissenschaftler (inkl. 2.000 Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 225 Millionen Euro pro Jahr. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:

Prof. Dr. Heiner Boeing
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/ Deutschland
Tel.: +49/33200/88-710
E-Mail: boeing@dife.de
Dr. med. Steffen Weikert
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/ Deutschland
Tel.: +49/33200/88-711
E-Mail: steffen.weikert@charite.de
Dr. Gisela Olias
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/ Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 278/335
Fax: +49(0)33 200-88 503
E-Mail: olias@dife.de

Dr. Gisela Olias | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de
http://www.dife.de

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