Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Global oder National? Callcenter im internationalen Vergleich

25.02.2008
Arbeitsbedingungen ohne Grenze?

Trotz Globalisierung bleiben weltweit Arbeitsbedingungen in Callcentern den nationalen Regelungen verhaftet. Dies ist das Ergebnis einer groß angelegten Untersuchung in 2400 Callcentern in 17 Ländern, die vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützt wird. Dieser fördert nun im Rahmen eines Folgeprojektes weitere international vergleichende Analysen sowie Fallstudien, welche besonders die Bedingungen in österreichischen Callcentern im internationalen Vergleich darstellen werden.

Auf der ganzen Welt steigt die Anzahl von Callcentern. Denn diese bieten Unternehmen auf der Suche nach adäquaten Formen der Kundenbetreuung hohe

Flexibilität: Arbeit findet oftmals unter atypischen Arbeitsverhältnissen statt, wird beispielsweise von befristet Beschäftigten oder freien DienstnehmerInnen erledigt, und kann aufgrund moderner Technologien leicht ins In- und Ausland ausgelagert werden.

... mehr zu:
»Arbeitsverhältniss
Im Rahmen des Global Call Center Industry Project unter der Koordination der Cornell University (USA), des Institute of Work Psychology (UK) und der

Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA, Österreich) wurden nun weltweit die Arbeitsverhältnisse in Callcentern untersucht. Dabei wurde analysiert, ob sich parallel zur globalen Verbreitung von Callcentern auch die hier vorzufindenden Arbeitsverhältnisse aneinander anpassen und immer ähnlicher werden. Oder ob - ganz im Gegenteil - diese von nationalen Standards und Spielregeln geprägt sind. Ein Ergebnis ist, dass Callcenter nicht so "global" sind, wie man denken könnte: Denn z. B. in so genannten koordinierten Marktwirtschaften wie Österreich, Deutschland oder auch Dänemark sind die Arbeitsbedingungen in Callcentern wesentlich besser als in liberalen Marktwirtschaften wie Großbritannien oder den USA.

KOORDINIERT GEHT'S BESSER
"Betrachtet man den Handlungsspielraum und die interne Überwachung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie die Entlohnung, so sind in den koordinierten Marktwirtschaften 41 Prozent der Callcenter-Jobs von hoher Qualität. 24 Prozent der Jobs weisen bei einer Analyse der Arbeitsbedingungen hingegen nur eine niedrige Qualität auf. Ein umgekehrtes und damit düstereres Bild bieten die liberalen Marktwirtschaften: Dort hat fast die Hälfte aller Beschäftigten streng überwachte, gering entlohnte Jobs, und nur jede bzw. jeder Fünfte findet günstige Arbeitsbedingungen vor", erklärt der für Österreich zuständige Projektleiter Dr. Jörg Flecker.

Die höhere Anzahl an guten Callcenter-Jobs in den koordinierten Marktwirtschaften kann dabei auf das hier bestehende umfassendere berufliche Bildungssystem, die harmonisierten sozialpartnerschaftlichen Beziehungen und die stärkere Regulierung des Arbeitsmarktes zurückgeführt werden.

Dennoch besteht selbst in kontinentaleuropäischen Ländern wenig Aussicht, dass sich die Beschäftigung in Callcentern zu qualifizierter Dienstleistungsarbeit mit nachhaltiger und existenzsichernder Perspektive entwickelt.

Projektmitarbeiterin Dr. Ursula Holtgrewe dazu: "Je regulierter der Arbeitsmarkt ist, umso höher ist das Interesse von Firmen und Organisationen, Callcenter-Arbeit an Betriebe mit günstigeren Tarifverträgen und Branchenstandards auszulagern. Dabei weisen ausgelagerte Callcenter im Unterschied zu Inhouse-Callcentern fast überall schlechtere Arbeitsbedingungen auf. Dort ist der Lohn um durchschnittlich 18 Prozent niedriger und bei über 50 Prozent der ausgelagerten Callcenter ist die Arbeitsqualität niedrig. Aufgrund der zunehmenden Auslagerung von Callcentern wird damit hier die Entwicklung von guter, anspruchsvoller Arbeit entscheidend gebremst."

GLOBAL CALL
Diese internationalen Untersuchungsresultate des Global Call Center Industry Project sind nur aufgrund eines Netzwerkes von 40 interdisziplinären ForscherInnen aus 20 Ländern möglich geworden. Grundlage ist dabei eine Studie, die in 2400 Callcentern in 17 Ländern durchgeführt wurde und neben einer standardisierten Befragung auch Betriebsfallstudien und ExpertInneninterviews einbezogen hat.
Aus Österreich beteiligt sich das Team rund um Dr. Flecker von der FORBA, der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt Wien, und erhält dabei finanzielle Unterstützung vom FWF. Diese Unterstützung ermöglicht nun auch die kontinuierliche Fortarbeit, um weitere international vergleichende Analysen auf Grundlage der vorliegenden Studie anzustellen. Darüber hinaus sollen nun auch Fallstudien durchgeführt werden, die insbesondere die Situation von Callcentern in Österreich im internationalen Vergleich darstellen werden.

Nähere Informationen zum Global Call Center Industry Project unter:
www.globalcallcenter.org
Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Ursula Holtgrewe
FORBA - Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt Aspernbrückengasse 4/5 1020 Wien T +43 / 1 / 212 47 00 - 72 E holtgrewe@forba.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Mag. Michaela Fritsch | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.globalcallcenter.org
http://www.fwf.ac.at

Weitere Berichte zu: Arbeitsverhältniss

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics