Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher wollen Geheimnisse der Tiefsee-Korallenriffe lüften

25.02.2008
Experten warnen vor Raubbau am Meeresgrund

Wissenschaftler haben beim jährlichen Treffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Boston bekannt gegeben, dass die Tiefseeriffe im Atlantik besser erforscht werden sollen. Die Riffe, die in bis zu 2.800 Metern Tiefe liegen, zählen zu den ältesten Lebewesen der Welt. Einige der Korallen sind bis 5.000 Jahre alt. Beim AAAS-Treffen ist die Trans Atlantic Coral Ecosystem Study TRACES nun offiziell gelauncht worden.

Die Studie wird die erste dieser Art werden, die sich mit dem bisher ungeklärten Phänomen der Tiefsee-Lebewesen beschäftigt. Von den Untersuchungen erwarten sich die Forscher unter anderem Rückschlüsse auf das Klimageschehen und Hinweise auf die Evolution zahlreicher anderer Meereslebewesen. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele dieser Tiefseekorallen bis zu 5.000 Jahre alt sind. Damit bieten sie ein detailliertes "Archiv" von Veränderungen und Klimaten. Die Forscher wollen auch herausfinden wie sich aus einigen Tiefseekorallen später jene Korallen entwickelt haben, die heute die typischen tropischen Riffe besiedeln. Von den heute insgesamt 5.000 verschiedenen bekannten Korallenspezies leben rund zwei Drittel in den tiefen kälteren Meeresregionen. Allein im Nordost-Atlantik gibt es 1.300 solche Kaltwasserkorallen.

Die Riffe der Tiefsee sind allerdings stark durch die kommerzielle Fischerei bedroht: Die riesigen Fanggeschirre, so genannte Grundschleppnetze und Baumkurren, vernichten nicht nur sensible Fischbestände, sondern sie zerstören auch den Boden: Tonnenschwere Eisenrollen und Scherbretter werden über den Meeresboden gezogen, dazwischen hängen Eisenketten, durch die am Boden lebende Fische aufgescheucht und ins Fangnetz getrieben werden. Jedes Scherbrett wiegt bis zu zehn Tonnen und vernichtet auf seinem Weg alles, was dort wächst und lebt. "Untersuchungen in den vergangenen Jahren haben deutlich gezeigt, dass diese Art des Fischfangs die letzten Bastionen der Tiefsee komplett vernichtet. Riffe, die 5.000 Jahre zum Wachsen gebraucht haben, werden innerhalb weniger Minuten vollständig ausgelöscht", meint Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms http://www.greenpeace.at im pressetext-Gespräch.

... mehr zu:
»Tiefseekoralle

Zudem haben Kontrollen ergeben, dass gerade bei dieser zerstörerischen Methode die Menge des nicht verwertbaren Beifangs bis zu 50 Prozent beträgt. "Fischen mit Grundschleppnetzen ist so, als würde man mit einem Bulldozer in einen Teich fahren, um die Fische zu fangen", meint der Fischereiexperte Elliot Norse, Präsident des Marine Conservation Biology Institute http://www.mcbi.org in Bellevue/Washington. Die Methode sei tödlich effizient. Mit den Grundschleppnetzen werde der Ozeanboden in ein bis zwei Kilometern Tiefe quasi umgepflügt.

Die Forscher kritisieren diese Methode auch deshalb, weil die Reproduktionszyklen in der Tiefsee wesentlich länger dauern. "Die Tiefsee ist immer noch ein weitgehend unbekanntes Terrain für uns", meint Georg Kääb, Geschäftsführer vom Verband Deutscher Biologen und biowissenschaftlicher Fachgesellschaften, im pressetext-Interview. Auch der Wiener Meeresbiologe Jörg Ott vom Biozentrum der Universität Wien http://www.univie.ac.at/marine-biology stimmt dem zu: "Wenn man Lebewesen aus der Tiefsee hervorholt, ist eigentlich jeder Handgriff eine große Überraschung." Es gebe noch sehr große Gebiete im Bereich der Ozeanographie, die immer noch unbeschriebene Blätter sind. Die Tiefsee gehöre definitiv dazu. Erst vor kurzem brachte das Wissenschaftsmagazin National Geographic wieder Fotos von Tiefseelebewesen, die bisher unbekannt waren. Forscher der University of Aberdeen haben die Tiere im Zuge des norwegischen MAR-ECO Projekts und des Census of Marine Life Program sensationelle Bilder geliefert. Es war als besuche man ein neues Land, meinte der Expeditionsleiter Monty Priede.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.aaas.org
http://www.lophelia.org/traces

Weitere Berichte zu: Tiefseekoralle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise