Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Angst ist einzige Chance gegen Klimakatastophe

21.02.2008
Lösungschance: Nur Kleingruppen, die Problematik ernst nehmen

Die Verlustangst könnte weltweit dazu führen, dass Klimaschutz tatsächlich und effektiv wird. Forscher zweier Max-Planck-Institute haben die Frage nach der Treibhausgasreduktion anhand eines interaktiven Spiels untersucht. Das Studienergebnis wurde im Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Scienes (PNAS) veröffentlicht. Konkret geht es darum, den CO2-Ausstoss bis 2050 um 50 Prozent zu senken, um die Bewohnbarkeit auf der Erde zu sichern. Die Versuchspersonen erreichten allerdings nur dann ein gemeinsames Klimaschutzziel, wenn jeder einzelne überzeugt war, dass ein Versagen mit hoher Wahrscheinlichkeit persönliche Folgen haben würde.

Es ist die "Tragedy of Commons", die Tragödie des Allgemeinguts, dass es hoffnungslos von allen ausgebeutet wird. "Es ist für alle kostenlos, deshalb geht kaum einer besonders rücksichtsvoll damit um. Möglicherweise würden die Menschen anders reagieren, wenn ihnen aus dem entstehenden Schaden ein großer finanzieller Verlust droht", meint Studienautor Manfred Milinski, Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie, im pressetext-Interview. Gemeinsam mit dem Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Jochem Marotzke, haben die beiden Forscher den Aspekt des "Klimaschutzes" mit einem Ansatz aus der Spieltheorie untersucht. Das Ergebnis der Untersuchung fiel ernüchternd aus. "Es ist wie im echten Leben. Es glaubt keiner, dass die Situation derart ernst ist. Uns hat es interessiert wie das Kernproblem im Kleinstversuch angenommen wird", so der Forscher.

Für das Experiment ließen die Forscher 30 Gruppen von jeweils sechs Studenten am Computer ein interaktives Spiel spielen, bei dem jeder einzelne Geld von seinem Konto in den "Klimaerhalt" investieren konnte. Die Studenten einer Gruppe mussten gemeinsam ein Ziel von 120 Euro erreichen, um den simulierten "gefährlichen Klimawandel" abzuwenden. Jeder Student verfügte über ein Startguthaben von 40 Euro. In den zehn aufeinander folgenden Runden konnte jeder jeweils entweder vier, zwei oder null Euro investieren. "Da die Wahl jedes Individuums anonym blieb, konnte man weder sein Gesicht verlieren, noch an Reputation gewinnen", erklärt der Forscher. "Die sechs eingezahlten Beträge wurden aber jedem Spieler in jeder Runde angezeigt und er konnte somit die Strategien der anderen Mitspieler beobachten." Das Spiel sei finanziell lukrativ, denn wenn eine Gruppe die 120 Euro aufbrachte, bekam jede Versuchsperson das restliche Guthaben auf ihrem eigenen Konto bar ausgezahlt. Gelang das nicht, verlor hingegen jeder alles, und zwar mit der vom Computer ausgewürfelten Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent", erklärt Milinski.

... mehr zu:
»Klimaschutz »Klimawandel

"Wir wollten wissen, ob die egoistischen Überlegungen von einzelnen zu einem kollektiven Erfolg führen würden, wenn das Verfehlen des kollektiven Ziels mit hoher Wahrscheinlichkeit den Verlust des restlichen Besitzes kostet. Dies entspricht den Verhältnissen, die wir haben, um den gefährlichen Klimawandel abzuwenden", so Milinski. "Genau dies traf zu. Die Hälfte der Gruppen, die einen Verlust mit neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit erwarteten, erreichte die Grenzmarke von 120 Euro, die andere Hälfte erreichte sie immerhin fast - und büßte ihr Restvermögen meistens ein." Alle anderen Gruppen dagegen blieben weit unter den 120 Euro. "Es engagierten sich also besonders diejenigen Personen, die fürchteten, dass sie für den Fall eines kollektiven Misserfolgs mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Geld verlieren würden." Einige Studenten, sie waren in der Minderheit, investierte sogar mehr als im Durchschnitt pro Person nötig gewesen wäre. Sie "opferten" sich, weil sie sahen, dass andere zu wenig investierten.

Für den globalen Klimaschutz bedeute dies, dass das Experiment, wenn es nicht einmal im kleinen Rahmen geht, im Großen ganz und gar unmöglich ist, meint Milinski. "Vielleicht lassen sich die Ergebnisse besser auf kleine Versammlungen wie jene der G-8 Staaten übertragen. Allerdings muss es jeder der dortigen Partner mit dem Klimaschutz sehr ernst nehmen", erklärt der Forscher abschließend gegenüber pressetext.

Dieses Experiment zeige, dass man die Menschen von den noch zu erwartenden dramatischen Auswirkungen des Klimawandels überzeugen muss, meint Marotzke. Nur wenn sie sichere persönliche Nachteile fürchten, engagieren sie sich beim gemeinsamen Klimaschutz." Bedenklich stimmt den Forscher, dass die 90-Prozent-Verlustrisikogruppen es in der Hälfte der Fälle nicht geschafft haben, die 120 Euro aufzubringen. "Das ist die schlechte Botschaft, denn größere Gruppen hätten sehr sicher noch mehr Probleme."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mpil-ploen.mpg.de
http://www.zmaw.de

Weitere Berichte zu: Klimaschutz Klimawandel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise