Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder und Jugendliche könnten von Stammzelltransplantation durch Fremdspender profitieren

19.02.2008
Neue Studie liefert Hinweise auf Vorteile gegenüber der Immunsuppression bei aplastischer Anämie

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) auf neue Studienergebnisse zum möglichen Nutzen der Transplantation von Stammzellen eines nicht verwandten Spenders bei Patienten mit einer erworbenen schweren aplastischen Anämie hingewiesen.

Diese könnten das Fazit eines bereits im April 2007 vorgelegten IQWiG-Abschlussberichts verändern. Das IQWiG hat die erst seit Kurzem verfügbare, in Japan durchgeführte Studie bewertet und seine Erkenntnisse am 19. Februar 2008 in Form eines Arbeitspapiers publiziert.

Es handelt sich dabei um die bisher einzige prospektiv geplante Studie mit einer Kontrollgruppe: Sie vergleicht insgesamt 52 Patienten mit einer schweren oder sehr schweren aplastischen Anämie im Alter unter 18 Jahren, bei denen die immunsuppressive Therapie im ersten Anlauf versagt hatte: 31 von ihnen erhielten anschließend eine Stammzelltransplantation von einem nicht verwandten Spender. Die restlichen 21, für die kein geeigneter Spender hatte gefunden werden können, bekamen eine zweite Immunsuppression.

Nur knapp 10% der Patienten sprechen auf erneute Immunsuppression an

Was den primären Endpunkt der Studie betrifft, das "Überleben ohne Therapieversagen", berichten die Autoren von nahezu dramatischen Unterschieden: Während lediglich 9,5% der erneut mit Immunsuppressiva Behandelten entsprechend der Definition in der Studie innerhalb von 6 Monaten ganz oder teilweise auf die Therapie ansprachen, konnte dies bei 83,9% der Transplantierten erreicht werden, ohne dass die Erkrankung erneut auftrat oder die Patienten verstarben. Allerdings unterschied sich die Zahl der Überlebenden im Beobachtungszeitraum von 5 Jahren nur unwesentlich (Immunsuppression: 95,2%, Transplantierte: 93,5%).

Die Ergebnissicherheit der Studie ist nach Auffassung der Kölner Wissenschaftler u.a. dadurch eingeschränkt, dass die Gruppen nicht vollständig vergleichbar waren und sich hinsichtlich des Geschlechts und der Schwere der Erkrankung unterschieden. Dennoch ordnen sie den Stellenwert der Fremdspender-Transplantation anders ein und sehen nun zumindest bei Kindern und Jugendlichen Hinweise auf einen (Zusatz-)Nutzen im Vergleich zur Immunsuppression.

Im April 2007 waren sie auf Basis der bis dahin verfügbaren Studiendaten noch zu dem Ergebnis gekommen, dass eine verlässliche Bewertung der Transplantation von Stammzellen nicht verwandter Spender gar nicht möglich wäre, weil gesicherte Daten fehlten. Auf die jetzt bewertete japanische Studie hatte das IQWiG im Abschlussbericht bereits hingewiesen. Sie konnte aber nicht berücksichtigt werden, weil sie zum damaligen Zeitpunkt noch nicht vollständig publiziert und mit hinreichender Sicherheit interpretierbar war.

Dr. Anna-Sabine Ernst | idw
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

Weitere Berichte zu: Anämie Immunsuppression Stammzelle Stammzelltransplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie