Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

USA: Streit um Innovationskraft der Pharmaindustrie

29.05.2002


NICHM: Marketing und nicht Forschungsauftrag im Vordergrund

Die meisten der während der 90-er Jahre zugelassenen Medikamente sind keine Innovationen sondern Modifikationen bestehender Produkte. Mit diesem Statement, gestützt auf eine aktuelle Studie, bestreitet das Non-Profit-National Institute for Health Care Management (NICHM) ein zentrales Argument der US-Pharmaindustrie: hohe Profite würden zur risikoreichen und höchst innovativen Forschung benötigt. Pharmaceutical Research and Manufacturers of Amerika (PhRMA) kritisiert in Vertretung der Pharmabranche den Bericht als "grundlegend fehlerhaft" und verzerrt, da die Studie von der Gesundheits-Versicherungs-Industrie gesponsert wurde. Dies berichtet die Washington Post heute, Mittwoch.

Der Rückgang innovativer Produkte erfolgte dem Bericht zufolge überwiegend in den vergangenen sechs Jahren. Die neuen Medikamente seien zwar für Patienten nützlich gewesen, aber sie stellten keinen Durchbruch dar, wie er mit unter von der Bevölkerung erwartet wurde. "Pharmaunternehmen haben sich eher zu Marketing- als zu Forschungs- und Entwicklungs-Organisationen gewandelt", erklärte NICHM-Präsidentin Nancy Chockley. Hoch-innovative Medikamente seien selten. Im Zuge der Studie wurden jene Medikamente bewertet, die von der US-Gesundheitsbehörde FDA nach einer "Standard" oder "Dringlichkeits"-Überprüfung zugelassen wurden bzw. untersucht, ob die Produkte neue molekulare Bestandteile enthielten oder nur Verbesserungen bestehender Inhaltsstoffe darstellten. Dabei wurden "Priority"-Medikamente, die neue aktive Substanzen enthielten, als "höchst innovativ" und "Standard"-Produkte als Medikamente mit dem geringsten innovativen Anspruch beurteilt.

Laut Studie wurden zwischen 1989 und 2000 1.035 Medikamente von der FDA genehmigt. 46 Prozent der Medikamente wurden der Kategorie "Standard" zugeordnet. Während dieses Zeitraums wurden nur 153 Produkte (15 Prozent) zugelassen, die neue aktive Substanzen enthielten und wesentliche, klinische Verbesserungen zur Folge hatten - folglich von der FDA der "Priority"-Kategorie zugeordnet werden. Ein weiteres Ergebnis war, dass sich zwischen 1995 und 2000 in den USA die Ausgaben für rezeptpflichtige Medikamente von 64,7 Mrd. Dollar auf 132 Mrd. Dollar verdoppelten.

"Innovation liegt im Auge des Betrachters", kritisierte PhRMA-Vizepräsident Richard Smith. Wie nicht anders zu erwarten, seien im Bericht grundlegende Fakten in der Medikamentenforschung ignoriert worden. Außerdem richte sich der Report in die Vergangenheit und sage nichts darüber aus, wie viele Medikamente, insbesondere biotechnologische Produkte, bereits in der Pipeline sind.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.nihcm.org/
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A23827-2002May28.html
http://www.fda.gov/

Weitere Berichte zu: FDA Innovationskraft Pharmaindustrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise