Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleinbäuerliches Wirtschaften bringt Fülle

27.05.2002


Der Kleinbauer ist nicht arm und vom Aussterben bedroht, sondern hat die Möglichkeit, in Fülle zu leben.

Das strich einer der bekanntesten Bauern des Landes, der Mitbegründer der Grün-Bewegung Kaspanaze Simma (Foto), anlässlich eines Vortrages auf der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien hervor. Die Landwirtschaft habe sich zwar in den vergangenen Jahrzehnten weg von der bäuerlichen hin zur industriellen Wirtschaftsweise entwickelt, sei aber deshalb nicht unbedingt effizienter geworden. Dass dies nicht blanke Theorie ist, zeigt Simma am eigenen Beispiel: Er führt mit 8,7 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und 5,5 Hektar Wald einen Vollerwerbsbetrieb, der seine siebenköpfige Familie gut versorgt.

"Die industrielle Ökonomie setzt auf Arbeitsteilung. Das birgt aber nicht nur ein großes Potenzial, sondern führt zur Auslagerung von Kosten und einem Verlust von Erträgen", meint der Vorarlberger. So müsse sich ein Büromensch nach dem Arbeitstag beispielsweise aufs - teure - Mountainbike schwingen, um in der Natur zu sein. "Menschen führen hier einen Job aus, freuen sich auf die Pension und betreiben in der Freizeit eine Ersatzlösungskultur". Bei bäuerlicher Handarbeit sei das Naturerlebnis aber zusätzlich mit dem sozialen Erlebnis verknüpft, indem bei der Tätigkeit auch das Gespräch nicht zu kurz komme. "Beim händischen Heuarbeiten tun wir etwas für die Seele und gleichzeitig haben Kinder ein Betätigungsfeld", erzählt Simma.

Besonders hart ging der Bauer mit dem blinden Wachstumsglauben ins Gericht: "Beim Bruttosozialprodukt (BSP) werden nützliche und schädliche Dinge zusammengezählt und dennoch freuen sich die Ökonomen immer noch an diesen Wachstumsraten." Die täglichen Börsenkurse seien eine Ausgeburt dieser Weltanschauung. In diesem Zusammenhang machte er einen Vorschlag für die Boku: "Einen Lehrstuhl für bäuerliche Ökonomie zu installieren wäre eine spannende Alternative." Immerhin habe die bäuerliche Ökonomie einen hohen Selbstversorgungsgrad, verkaufe Überschüsse und produziere in Reinform keine Abfälle.

In der industriellen Landwirtschaft würden oft enorme Summen investiert, die sich letztlich für den Bauern nicht rechnen. Viele Landwirte könnten nur aufgrund der Förderungen überleben, so Simma. Er hingegen habe in 30 Jahren landwirtschaftlicher Tätigkeit in Summe 180.000 Schilling für Maschinen investiert. "Ich brauche 100 Liter Treibstoff pro Jahr", rechnete er den geringen Aufwand vor, dem weit höhere Erträge gegenüber stehen. Als "letzte Reste für effizientes bäuerliches Wirtschaften" nannte Simma die Almhütten. Hygieneverordnungen der EU bewirkten allerdings, dass viele dieser Hütten in den vergangenen Jahren weggerissen wurden, was Simma als "enorme Kulturzerstörung" bezeichnete.

Generell werde der Geldwirtschaft mitsamt BSP, obwohl dies nur rund ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung ausmache, viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, zitierte Simma die amerikanische Wirtschaftswissenschafterin Hazel Henderson. Demnach teilen sich die zwei weiteren Drittel auf die Natur sowie die Eigenarbeit (z.B. selbst gekochtes Mittagessen) und Nachbarschaftshilfe auf.

"Wir Bauern sind von enormen Möglichkeiten auf unseren Anwesen umgeben", sprach Simma von zwei Erlebnissen mit einer Studentin, die bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten auf seinem Hof zu Besuch war. Diese wunderte sich, dass der Tee im Teebeutel ziehen musste und das Geschirrabwaschen mit Pril erledigt wurde: "Ihr müsst doch nur vor die Hütte gehen und auf den Boden greifen, um eine Handvoll Teekräuter zu bekommen. Und für das Geschirr habt ihr doch die Molke."

Klaus Faißner | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.boku.ac.at/

Weitere Berichte zu: Kleinbäuerlich Wirtschaften Ökonomie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie