Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Meta-Sudie aus den USA: Bt-Pflanzen für Honigbienen verträglich

14.01.2008
Gentechnisch veränderte Bt-Pflanzen haben keinen negativen Einfluss auf das Überleben von Honigbienen – zu diesem Ergebnis kommt eine Gruppe US-amerikanischer Ökologen, die 25 voneinander unabhängige Laborstudien nach einheitlichen Kriterien auswertete. Die aktuelle Metastudie bestätigt und erhöht die Aussagekraft bisheriger Einzelstudien und wurde im Januar 2008 im multidisziplinären Online Journal PloS ONE veröffentlicht.
Das rätselhafte Bienensterben in den USA 2007 löste auch Spekulationen über Bt-Pflanzen als mögliche Ursache aus. Die Auswertung von 25 Einzelstudien ergab keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung von Bienen durch Bt-Proteine.

Die Metastudie ist insbesondere vor dem Hintergrund eines dramatischen Rückgangs der Bienenvölker in den USA interessant, der im Frühjahr 2007 weltweit Besorgnis auslöste. Auch in Europa wurde öffentlich über gentechnisch veränderten Bt-Mais als Ursache spekuliert. Forschergruppen in verschiedenen Ländern, die der Frage inzwischen nachgegangen sind, konnten bislang jedoch keine signifikanten Auswirkungen von Bt-Pflanzen auf Honigbienen nachweisen. Das Problem: Viele Untersuchungen haben nur begrenzte Aussagekraft, da die Beobachtungszeiträume zu kurz waren und zu wenig Wiederholungen durchgeführt wurden.

Um die Untersuchungen vergleichbar zu machen und die statistische Aussagekraft der Einzelstudien zu erhöhen, hat Jian Duan vom Ecological Technology Center des Agrarkonzerns Monsanto zusammen mit Forschern der Santa Clara Universität in Kalifornien, University of Maryland und der Michigan State University die Ergebnisse nun nach einheitlichen Kriterien ausgewertet. "Metastudien können Effekte aufdecken, die in den Einzelstudien aufgrund zu geringer Wiederholungszahl nicht entdeckt wurden", heißt es in der Veröffentlichung. Die Metastudie stützt sich auf 25 Einzelstudien, die sich unter Laborbedingungen mit den Auswirkungen von Bt-Proteinen oder Bt-Pflanzenteilen auf die Überlebensrate beziehungsweise Sterblichkeit von Honigbienenlarven oder erwachsenen Tieren beschäftigt haben. Bt-Pflanzen enthalten Gene des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt). Sie können damit ein Protein bilden, das für bestimmte Fraßinsekten giftig ist.

Für die Metastudie wurden nur Untersuchungen zu Bt-Varianten berücksichtigt, die spezifisch gegen Insekten aus der Gruppe der Schmetterlinge (Lepidoptera, Cry1, Cry2, Cry9) und der Käfer (Coleoptera, Cry3) wirken und die vor allem in Bt-Mais und -Baumwolle zum Einsatz kommen. Da Bienen als Hautflügler (Hymenoptera) nicht zu den Zielorganismen des Cry-Proteins gehören, halten es die meisten Experten für unwahrscheinlich, dass sie durch Bt-Pflanzen geschädigt werden. Das Ergebnis der aktuellen Metastudie bestätigt diese Einschätzung und stimmt auch mit früheren Untersuchungen überein: Ein statistisch signifikanter Effekt auf die Überlebensrate von Honigbienen konnte auch durch die Kombination aller Einzelergebnisse für keines der untersuchten Cry-Proteine nachgewiesen werden.

Die US-amerikanische Metastudie beschränkt sich auf die Auswertung von Laboruntersuchungen. Da die Konzentration des Bt-Proteins, der die Bienen im Labor ausgesetzt werden, üblicherweise mehr als zehnmal höher ist als im Freiland, sei eine direkte toxische Wirkung des Bt-Proteins im Freiland unwahrscheinlich, so die Autoren. Eine Notwendigkeit für zusätzliche Freilandstudien könnte sich dann ergeben, wenn Stressfaktoren wie Hitze oder Krankheiten die Anfälligkeit der Bienen gegenüber dem Bt-Toxin möglicherweise verändert.

Sandra Wilcken | www.biosicherheit.de
Weitere Informationen:
http://www.genius.de
http://www.biosicherheit.de
http://www.biosicherheit.de/de/sicherheitsforschung/68.doku.html

Weitere Berichte zu: Bt-Pflanze Einzelstudie Metastudie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie