Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Führungskräfte bringt der Headhunter nicht das Arbeitsamt

14.01.2008
Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zeigt: Unternehmen in Ost und West unterscheiden sich deutlich

Bei der Rekrutierung von Führungskräften in mittelgroßen Unternehmen unterscheiden sich Ost- und Westdeutschland immer noch deutlich. Das ergab eine vom Land Thüringen geförderte Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Personalpolitik. Zwar lasse sich weder im Osten noch im Westen ein genereller Mangel an Führungskräften feststellen, doch hätten ostdeutsche Unternehmen deutlich größere Schwierigkeiten bei der Rekrutierung. Die Suche nach Führungskräften benötigt zudem mehr Zeit.

Durchschnittlich suchen die Unternehmen drei Monate. Der Anteil der Unternehmen, die länger als vier Monate suchten, lag im Osten mit 54 Prozent deutlich über dem Wert von 43 Prozent in Westdeutschland. Das hänge vor allem mit Standortfaktoren und den eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten zusammen. Für die Studie hatten die Soziologen um PD Dr. Katharina Bluhm im Frühjahr 2007 Vertreter von 311 Unternehmen zwischen 50 und 1.000 Mitarbeitern befragt.

Die Mehrheit der Führungskräfte wird von außerhalb gewonnen. 50 Prozent der westdeutschen, aber nur 33 Prozent der ostdeutschen Unternehmen greifen dabei auf Headhunter zurück. Im Osten vermitteln die Arbeitsämter in 26 Prozent der Fälle Führungskräfte, im Westen liegt dieser Wert mit 10 Prozent deutlich niedriger. Nach Einschätzung der Studie spiegeln sich darin die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten der ostdeutschen Firmen wieder. Die erfolgreich rekrutierenden ostdeutschen Unternehmen hätten mit der mangelnden Attraktivität ihrer Region und den tendenziell geringeren Gehältern zu kämpfen. Die Standortbedingungen würden fast nur von Unternehmen in sogenannten Leuchtturmregionen wie Jena, Leipzig oder Dresden positiv eingeschätzt. Als Vorteil werten die ostdeutschen Befragten die ausgebaute Hochschullandschaft in der Region.

Eindeutige Unterschiede bei der Unterstützung bei Kinderbetreuung

Eindeutige Unterschiede zwischen Ost und West gibt es nach der Studie in der Unterstützung bei Kinderbetreuung. Ostdeutsche Unternehmen räumen der Unterstützung ihrer umworbenen Fach- und Führungskräfte bei der Kinderbetreuung mehr Priorität (32 Prozent) ein als ihre westdeutschen Pendants (23 Prozent). Dabei legen kleinere westdeutsche Unternehmen besonders selten und größere ostdeutsche Unternehmen ausgesprochen oft Wert auf Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Bei den Arbeitsangeboten für Lebenspartner liege das Verhältnis bei 16 zu 13 Prozent. Dagegen erhalten westdeutsche Führungskräfte deutlich häufiger (84 Prozent) variable Entgeltbestandteile als ihre ostdeutschen Kollegen (70 Prozent).

Die Mehrzahl der neuen Führungskräfte kam in West wie in Ost aus anderen Unternehmen. Während aber nur 7 Prozent der ostdeutschen Unternehmen Führungskräfte aus dem Ausland holten, waren es im Westen doppelt so viele (14 Prozent). Die ostdeutschen Unternehmen beziehen ihre Führungskräfte eher aus der Region (64 Prozent gegenüber 55 Prozent der westdeutschen Firmen).

Ostdeutsche Unternehmen arbeiten gezielter mit Hochschulen zusammen

Der Nachwuchs an Führungskräften wird von zwei Dritteln der Unternehmen systematisch aufgebaut, dabei mit 67 Prozent etwas häufiger im Osten (West: 64 Prozent). Die ostdeutschen Unternehmen setzen häufiger auf organisierte gruppenbasierte Formen wie Führungskräftenachwuchspool (Ost: 30, West: 16 Prozent) oder Traineeprogramme (Ost: 29, West: 17 Prozent), während westdeutsche Unternehmen eher individuelle Förderung (Ost: 71, West: 86 Prozent) und Assistentenstellen (Ost: 45, West: 50 Prozent) bevorzugen. Außerdem arbeiten Unternehmen gezielt mit Hochschulen bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften zusammen, im Osten mit 63 Prozent stärker als im Westen mit 53 Prozent.

Eine Reihe interessanter Unterschiede konstatieren die Autoren der Studie beim Führungsverständnis. Im Osten werde der fachlichen Qualifikation ein deutlich höherer Stellenwert (51 Prozent) als im Westen mit 35 Prozent eingeräumt. Ebenso halten mehr ostdeutsche Unternehmen (91 Prozent) betriebswirtschaftliche Kenntnisse für erforderlich (West: 84 Prozent). Ein distanziertes Verhältnis zu den Mitarbeitern befürworten im Osten 30 Prozent, im Westen nur 21 Prozent der Befragten.

Nach wie vor, so fasst Katharina Bluhm die Ergebnisse zusammen, bestehen erhebliche Ost-West-Unterschiede, die sich teils auf die unterschiedliche wirtschaftliche Situation der Unternehmen, teils auf unternehmenskulturelle Differenzen zurückführen lassen. Während die Unterschiede im Führungsverständnis aber abnehmen, dürften die Rekrutierungsprobleme angesichts des demographischen Wandels eher zunehmen. "Ein intelligenter Ausbau der Standortvorteile wird vor diesem Hintergrund umso wichtiger", so die Soziologin von der Universität Jena.

Kontakt:
PD Dr. Katharina Bluhm
Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Str. 2, 07743 Jena
Zurzeit:
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH
Reichpietschufer 50, 10785 Berlin
Tel.: 030 / 25491142
E-Mail: bluhm[at]wzb.eu

Uwe Frost | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

nachricht Medizinische Innovationen für Afrika
02.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte