Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuchtlachs: Parasiten töten Wildbestände

17.12.2007
Forscher bestätigen: Aquakulturen als Brutstätte für gefährliche Krankheiten

Wildlachsbestände geraten an der Westküste Kanadas immer stärker unter Druck: Der Grund dafür sind Zuchtlachse in Aquakulturen, die Parasiten in die Gewässer bringen. Wenn innerhalb der kommenden zehn Jahre nicht drastische Maßnahmen erfolgen, ist der Wilde Rosa Lachs um den Broughton Archipel - nördlich von Vancouver - verschwunden, berichtet das Wissenschaftsmagazin Science in seiner jüngsten Ausgabe.

Die Studienergebnisse der Wissenschaftler um Martin Krkosek von der University of Alberta in Edmonton warnen vor der globalen Ausbreitung der Aquakulturen und ihren Folgen für die Wildarten. Es war bekannt, dass so genannte Seeläuse aus den Zuchten für wilde Tiere eine Bedrohung wären, allerdings nicht, in welchen Ausmaß, schreibt Krkosek, der Bestandsdaten in den Flüssen um die Central Coast des Bundesstaates British Columbia erhoben hat. Verglichen wurden Zahlen der Bestände von 1970 mit denen von heute. Untersucht wurde vor allem die Auswirkung von Aquafarmen auf die Wildpopulationen. "Das Ergebnis ist alarmierend: Die Wahrscheinlichkeit einer Ausrottung liegt bei 100 Prozent. Die einzige Frage ist, wie lange es dauern wird", so Krkosek gegenüber BBC.

Kommerzielle Aquafarmen mit offenen Netzen sind ein Paradies für Seeläuse, die über die Haut in die Muskeln der Fische dringen. Adulte Tiere sind den Angriffen der Parasiten gewappnet. Jungtiere sind hingegen stark bedroht. Die Lachse kommen auf ihrem Weg von den Laichgründen ins Meer mit den Parasiten in Kontakt. "Lachsfarmen brechen ein natürliches Gesetz", erklärt Studien-Co-Autorin Alexandra Morton, Direktorin der Salmon Coast Field Station am Broughton Archipel. "In der freien Wildbahn sind die Jungtiere Seeläusen einfach nie ausgesetzt, weil die adulten Fische, die die Parasiten in sich tragen, im Meer leben." Die Fischfarmen verursachen hier praktisch eine Kollision zwischen den Parasiten und den Jungfischen. "Die jungen Fische sind diesen Angriffen gegenüber nicht gewappnet und fallen den Seeläusen daher zum Opfer", erklärt die Forscherin.

... mehr zu:
»Aquakultur »Lachs »Parasit »Zuchtlachs

Nach Angaben der Forscher könnte man das Problem allerdings lösen: Einerseits müsste die Fischzucht von den natürlichen Gewässern separiert betrieben werden, sodass kein Berührungspunkt zwischen den freilebenden Tieren und den gezüchteten möglich sei. Das gelte grundsätzlich auch während der Laichzeit. Zum anderen schlagen die Experten vor, Zuchtfarmen nicht an Flüssen zu errichten, die von wilden Lachsen frequentiert werden.

In Kanada besitze das Problem der Lachse allerdings einen anderen Stellenwert, denn die Wildlachse werden als nationaler Schatz gesehen, erklärt Krkosek. "In den vergangenen Jahren hat allerdings die wirtschaftliche Bedeutung der Aquakulturen stetig zugenommen." Das gelte insbesondere für Regionen, in denen andere Betriebsansiedlungen ohnehin problematisch wären. "Es gibt definitiv wirtschaftliche Überlegungen für die Notwendigkeit solcher Fischfarmen, aber wenn sie so betrieben werden wie jetzt zerstören sie die Umwelt."

Der Artikel im Wissenschaftsmagazin hat aber auch für andere "Lachsnationen" wie etwa Norwegen und Schottland Auswirkungen. In Schottland gebe es das Problem in dieser Art allerdings nicht mehr. "Fischfarmer, Umweltschützer und die schottische Regierung arbeiten seit vielen Jahren an einem lokalen Management-Plan zusammen, der beiden Interessen vorteile bringen soll", so Sid Patten, CEO der Scottish Salmon Producers.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ualberta.ca
http://www.scottishsalmon.co.uk

Weitere Berichte zu: Aquakultur Lachs Parasit Zuchtlachs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise