Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Managergehälter an Leistung koppeln

14.12.2007
Humboldt-Universität zu Berlin stellt aktuelle Studie vor

Die Vorstandsvergütung in den DAX 30-Unternehmen ist erst in den letzten Jahren stark gestiegen und hat sich von der Entwicklung der Vergütung der Beschäftigten in diesen Unternehmen abgekoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Professor Schwalbach an der Humboldt-Universität erstellte Langzeitstudie zur Entwicklung der Vorstandsvergütung in den DAX 30 Unternehmen.

Die Vergütungsstudie erfasst die Vorstandsvergütung im Zeitraum von 1987-2006. Hervorstechendes Ergebnis: Ab Mitte der neunziger Jahre ist ein starker Anstieg der Vergütung zu beobachten. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Pro-Kopf-Vergütung der DAX30-Vorstände im Durchschnitt mehr als verdreifacht und ist damit doppelt so stark gestiegen wie in der Dekade zuvor. Im Vergleich zu der Vergütung der Mitarbeiter in den betreffenden Unternehmen verdient ein Vorstandsmitglied in den DAX30-Unternehmen im Jahr 2006 im Durchschnitt das 44-fache eines Mitarbeiters, während es vor zehn Jahren noch das 19-fache und vor fünf Jahren immerhin 'nur' das 25-fache war.

Für Professor Schwalbach gibt es für die 'Entkopplung' der Vorstandsvergütung von der Vergütung der übrigen Mitarbeiter unterschiedliche Gründe. Der wichtigste: Der Aufsichtrat beschäftigt sich nur unzureichend mit der Vorstandsvergütung. Zweiter Grund: Die mangelnde Verknüpfung der Vergütung an die erbrachte Leistung der Vorstände. Aufsichtsräte in Unternehmen, an denen der Staat beteiligt ist, weisen in diesem Zusammenhang die größten Defizite auf. Grund genug für Professor Schwalbach der Politik eine scheinheilig geführte Diskussion vorzuwerfen, da die Politiker einerseits diese Gehälter in der Aufsichtratssitzung absegnen und außerhalb der Sitzungen sich über die Höhe der Gehälter beklagen.

Verantwortung für die Entwicklung der Vorstandsvergütungen trifft laut Schwalbach jedoch auch die Arbeitnehmervertreter sowie die Gewerkschaften in den Aufsichtsräten, da sie einerseits zweistelligen Zuwachsraten bei der Vorstandsvergütung zustimmen und andererseits mit dem Arbeitgeber Gehaltserhöhungen für die Mitarbeiter aushandeln, die sich an der Inflationsrate orientieren.

Von der Festlegung einer Höchstgrenze für Vorstandsgehälter hält Professor Schwalbach nichts. Die Festlegung der Vergütungshöhe und die Zusammensetzung der Vergütung muss Sache der Aufsichtsräte bleiben. Jedoch würde eine erweiterte Transparenz über die Vergütungspraxis den Druck auf die Aufsichtsräte erhöhen, die Höhe der Vergütung an die Vorstandsleistung zu knüpfen. Empfehlenswert wäre, so Professor Schwalbach, die Entwicklung der Vorstandsvergütung mit der Mitarbeitervergütung zu verknüpfen. So könne man zum Ausdruck bringen, dass die erbrachte Unternehmensleistung das Ergebnis der Arbeit der gesamten Belegschaft des Unternehmens und nicht ausschließlich der Leistung des Vorstands ist. Dies würde jedoch bedingen, dass die Vergütungssysteme in den Unternehmen auf allen Ebenen eine gewichtige Ergebniskomponente haben müssten.

Kontakt:
Prof. Dr. Joachim Schwalbach
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel.: (030) 2093-5634

Christine Schniedermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.wiwi.hu-berlin.de/im

Weitere Berichte zu: Festlegung Managergehälter Vergütung Vorstandsvergütung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics