Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Behandlung von Suchterkrankungen: (K)ein Thema für das Medizinstudium?

04.05.2012
UMG-Wissenschaftler veröffentlichen Studie in Fachzeitschrift "Addiction": Zu wenige junge Medizinstudierende wissen, wie sie Alkohol- und Nikotinsucht behandeln sollen.

Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Göttingen, der Charité - Universitätsmedizin Berlin sowie Wissenschaftlern aus Hamburg und London hat untersucht, wie gut künftige Ärztinnen und Ärzte im Rahmen ihres Medizinstudiums auf die Behandlung verschiedener Krankheiten vorbereitet werden. Sie kommt zu dem Schluss, dass Medizinstudierende zwar lernen, wie Bluthochdruck und Zuckerkrankheit behandelt werden - die Behandlung der Alkohol- und Tabakabhängigkeit wird während des Studiums jedoch kaum thematisiert. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Addiction* publiziert.

In der Studie wurden knapp 20.000 deutsche Medizinstudierende zu ihrer Vorbe-reitung auf die praktische Tätigkeit befragt. Damit nahm die Hälfte aller Studierenden an 27 deutschen Fakultäten an der Studie teil. Es zeigte sich, dass im letzten Studienjahr nur rund 20 Prozent der Befragten wissen, wie Alkohol- und Tabakabhängigkeit behandelt wird. Nur sieben Prozent aller befragten Studierenden fühlt sich in der Lage, einen Raucher zu beraten, der Hilfe bei der Tabakentwöhnung sucht. Weit über die Hälfte der Studierenden wünscht sich, im Studium mehr über diese Suchtkrankheiten zu lernen.

Dabei sind Folgen von Suchterkrankungen mindestens ebenso schwerwiegend wie die Auswirkungen verbreiteter Volkskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes. Jede zehnte Krankenhausaufnahme in Deutschland ist auf die schädlichen Wirkungen von Alkohol und Tabak zurückzuführen. Fünf Prozent aller Deutschen sind alkoholabhängig; hierdurch verkürzt sich die Lebenserwartung um durchschnittlich 23 Jahre. Mindestens jeder zweite Raucher verstirbt an den Folgen des Tabakkon-sums, das sind in Deutschland 140.000 vermeidbare Todesfälle pro Jahr. Die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten der Tabak- und Alkoholabhängigkeit belaufen sich auf über 40 Milliarden Euro.

"Ärztinnen und Ärzte sehen ihre Hauptaufgabe häufig in der Verschreibung von Medikamenten und in der Durchführung diagnostischer und therapeutischer Prozeduren", sagt Studienleiter Priv.-Doz. Dr. Tobias Raupach, Abteilung Kardiologie und Pneumologie, Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen, und zudem Preisträger des diesjährigen Ars legendi-Fakultätenpreises für exzellente Lehre in der Humanmedizin 2012. "Das Gespräch mit dem Patienten tritt dabei in den Hin-tergrund. Es ist jedoch das entscheidende Element in der Erkennung von Sucht-krankheiten und sollte in der Medizinerausbildung mehr Gewicht haben."

*Quellenangabe:
Strobel et al.: "German medical students lack knowledge of how to treat smoking and problem drinking", Addiction 2012 (http://www.addictionjournal.org/ )
WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Kardiologie und Pneumologie
Priv.-Doz. Dr. Tobias Raupach, Telefon 0551 / 39-8922
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen
raupach@med.uni-goettingen.de
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Anästhesiologie
Dr. Henning Krampe
Telefon 030 / 450 531 145
henning.krampe@charite.de

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten